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Todkrankes Baby: Eltern des kleinen Charlie bekommen mehr Zeit zum Abschied nehmen

Eigentlich sollten am Freitag die Maschinen, die den todkranken Charlie am Leben halten, abgestellt werden. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte dies entschieden. Doch nun bekommen die Eltern doch mehr Zeit, um sich von ihrem Sohn zu verabschieden.

Charlie Gard

Der todkranke Charlie Gard

Baby ist sein Leiden nicht anzusehen. Er kann nicht weinen, sich nicht bewegen. Auf einem Foto sieht er friedlich aus. Der zehn Monate alte Junge mit dem akkurat gescheitelten blonden Haar liegt in seinem Bettchen im Great Ormond Street Hospital in London. Schläuche sind mit einem großen Pflaster über beide Wangen auf seiner Nase befestigt. Er muss künstlich beatmet und ernährt werden. Charlie leidet an einer unheilbaren Erbkrankheit.

Das Leid, das seine Eltern durchmachen, ist dagegen nicht zu übersehen. Chris Gard and Connie Yates fühlen sich zuletzt vollkommen entmündigt. Schluchzend bringen sie ihre Unterstützer und die Öffentlichkeit auf den neuesten Stand. "Wir können unseren eigenen Sohn nicht einmal zum Sterben mit nach Hause nehmen", sagt der Vater in einer Videobotschaft mit bebender Stimme.

Krankenhaus gibt Eltern mehr Zeit

Nun bekommen die Eltern noch etwas länger als ursprünglich geplant Zeit, um sich von ihrem Kind zu verabschieden. Das teilte das Krankenhaus Great Ormond Street in am Freitagabend mit. Ursprünglich sollten die lebenserhaltenden Maßnahmen nach Angaben der Eltern am Freitag eingestellt werden. "Wir haben heute Gespräche mit Great Ormond Street geführt und sie haben zugestimmt, uns noch ein bisschen mehr Zeit mit Charlie zu geben", schrieb Mutter Connie Yates am Freitag auf ihrer Facebookseite.

Monatelang wollten die Eltern die Hoffnung nicht aufgeben, ihrem Kind könnte noch geholfen werden. Dafür sollte Charlie für eine experimentelle Behandlung in die gebracht werden. Im Internet sammelten die beiden Briten Spenden, um die Reise und die Behandlung finanzieren zu können.

Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteil gegen Eltern

Doch die Gerichte entschieden anders. Anfang der Woche urteilte der in Straßburg, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen für Charlie eingestellt werden dürfen.
Das Urteil war endgültig. Nationale Stellen hätten einen weiten Einschätzungsspielraum im Bereich der experimentellen Medizin für Todkranke und wenn es um sensible moralische und ethische Fragen gehe, so die Begründung. Die britischen Gerichte hätten den Fall zudem akkurat und sorgfältig geprüft.

Charlie litt an einer mitochondrialen Myopathie. Die seltene Erbkrankheit führt zu Muskelschwund und irreparablen Hirnschäden. Die Behandlung in den USA hätte Charlie möglicherweise Schmerzen bereiten können, fürchteten die Ärzte in London. Ob sie ihm hätte helfen können, war unklar - allenfalls wäre sein Zustand aus Sicht der Mediziner gleichgeblieben. Das Leiden Charlies sollte ein Ende haben, er sollte in Würde sterben dürfen, argumentierten die Ärzte.

In Deutschland so nicht möglich

In Deutschland wäre das Tauziehen zwischen Eltern und Ärzten möglicherweise anders ausgegangen. "An dem Fall wird deutlich, dass die medizinrechtliche Kultur in Großbritannien - anders als in Deutschland - sehr paternalistisch geprägt ist", sagt der Basler Rechtsprofessor Bijan Fateh-Moghadam. "Dem Staat wird recht großzügig gestattet, in das Eltern-Kind-Verhältnis einzugreifen. Die staatlichen Gerichte treten sozusagen als der oberste Erziehungsberechtigte auf."

Macht bekämen dadurch auch die Mediziner, so Fateh-Moghadam. "Da steckt der Gedanke dahinter: Wir wissen besser als die Eltern, was dem Wohl des Kindes dient, die getrieben sind von ihren Emotionen."

Eltern nutzen Facebook

An Emotionen fehlte es im Fall Charlie Gard nicht. Die Mutter Connie Yates postete auf Facebook regelmäßig öffentlich Fotos: Sie mit Mann und Kind auf einer Wiese ("Unser erstes Familienpicknick"); sie selbst abgemagert am Bett ihres Sohnes ("Das machen 7 Monate Stress mit dir"); andere Kinder, die an derselben Krankheit leiden sollen, aber dank einer Behandlung weiter leben ("Charlies Zukunft?"). Ein anderes Foto zeigte das Baby mit offenen Augen. "Ein Bild spricht tausend Worte", kommentierte sie. Kein Wunder, dass der Fall die Nation monatelang beschäftigte.

kg / DPA

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