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Rückschlag für die Impfkampagne "Ganz Frankfurt ist stinksauer": In diesen Städten kommt weniger Impfstoff an als bestellt

Menschen stehen in Rosenheim vor einem Impfzentrum
Menschen stehen in Rosenheim vor einem Impfzentrum. Aufrischungs-, aber auch Erstimpfungen sind jetzt sehr gefragt. Mancherorts beklagt man sich aber über Lieferengpässe bei Impfstoffen. 
© Peter Kneffel / DPA
Obwohl das Impftempo in Deutschland weiter anzieht, gibt es in einigen Städten offenbar Probleme bei der Impfkampagne. Die Stadt Frankfurt und der Landkreis Würzburg klagen über zu geringe Lieferungen. Impfaktionen müssen abgesagt werden. Auch andere Städte melden Probleme.

Corona-Impfungen sind in dieser vierten Welle in Deutschland gerade wichtiger denn je, insbesondere die Booster-Impfungen. Für die geplante Beschleunigung der Corona-Impfungen sind nach Angaben des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn nötige Impfstoffmengen verfügbar. Der Bund werde innerhalb von zehn Tagen 18 Millionen Dosen für Auffrischimpfungen ausgeliefert haben, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Angesichts des Ziels, bis Weihnachten 20 bis 30 Millionen "Booster"-Impfungen zu erreichen, sei dies schon "ein ziemlich großer Schritt dahin". In den vergangenen sieben Tagen habe es 3,5 Millionen Impfungen gegeben.

Doch diese Lieferungen scheinen nicht überall anzukommen. Die Stadt Frankfurt sieht ihre Impfkampagne durch fehlenden Impfstoff ausgebremst. Obwohl die Impfaktionen des Gesundheitsamtes von den Bürgerinnen und Bürgern sehr gut angenommen würden und die Nachfrage zuletzt stark angezogen habe, müsse die Stadt nun ihre Impfangebote einschränken – weil die vom Gesundheitsamt bestellten Impfstoffmengen vonseiten des Bundes einseitig reduziert worden seien, teilte das Gesundheitsamt am Montag mit.

Fehlender Impfstoff: "Ganz Frankfurt ist stinksauer auf Berlin"

Von diesem Dienstag an seien keine Impfungen an der Hauptwache mehr möglich. "Auch Sonderimpfaktionen müssen abgesagt werden", hieß es. Statt der bestellten 19.380 Dosen erhalte Hessens größte Stadt nur rund 6000 Impfdosen des Impfstoffes Comirnaty von Biontech und maximal 4000 Dosen Spikevax von Moderna.

"Ganz Frankfurt ist stinksauer auf Berlin – und mir fehlen ehrlich gesagt die Worte", erklärte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Gerade erst habe er den Startschuss für den Impf-Express gegeben und an die Menschen appelliert, sich impfen zu lassen. "Jetzt soll es das schon wieder gewesen sein für diese tolle Aktion. Nicht weil es an Impfwilligen fehlt, sondern an Impfstoff", so der Oberbürgermeister. "Und das in einer Situation, in der die Infektionszahlen nur eine Richtung kennen – steil nach oben. Dafür fehlt den Menschen zu Recht jedes Verständnis."

"Wir fordern die Bundesregierung eindringlich dazu auf, die von uns immer rechtzeitig bestellten Impfmengen in vollem Umfang und schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen", appellierte Feldmann. Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, warnte sogar: "In den nächsten Tagen geht uns der Impfstoff aus."

Würzburg: Rückschlag für den Impfturbo

Auch in der Stadt und im Landkreis Würzburg kämpft man mit diesen Problemen. Zwar konnte man in Würzburg ein neues Impfzentrum in Betrieb nehmen – allerdings fehle der Impfstoff, heißt es in einer Mitteilung. Impfdosen von Biontech seien zurückgezogen worden. "Wir bauen hier in Abstimmung mit dem Freistaat Impfkapazitäten auf, um der Krise Herr zu werden, aber in letzter Minute wird Impfstoff zurückgezogen“, erklärte der Kommunalreferent Wolfgang Kleiner. "Diese Vorgehensweise ist für mich nicht nachvollziehbar und unverständlich!"

Ähnlich äußert sich der Landkreis Würzburg. So seien laut Mitteilung für die Woche ab dem 29. November 3000 Vakzin-Dosen vom Biontech-Impfstoff Comirnaty bestellt – aber nur 150 geliefert worden. Warum es zu diesen drastischen Kürzungen kam, wurden Stadt und Landkreis Würzburg vonseiten der Staatsregierung bis Freitagnachmittag nicht mitgeteilt. Termine für Impfungen konnten, anders als geplant, nicht freigegeben werden.

"Die Kürzung ist ein Rückschlag für den Impfturbo, den wir ab der kommenden Woche mit großer Anstrengung aller Beteiligten – inklusive ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer – umgesetzt hätten", so Landrat Thomas Eberth.

"Diese plötzliche Kürzung der Impfstoffmenge stellt alles infrage, was gefordert und auch geplant war. Das sorgt in der Bevölkerung für Unverständnis und für Ärger, wenn plötzlich ohne Begründung eine Kehrtwende vollzogen wird", sagte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

Geringe Lieferungen auch in Hamburg und Thüringen

Am Freitag hieß es vom Landkreis, dass sich im Impfstoff-Bestand 735 Impfdosen Moderna und 552 Impfdosen Biontech befänden. Am Dienstag würden die zugesagten 150 Dosen Biontech noch dazu kommen und zusätzlich 300 Impfdosen Moderna. Man sei aber im engen Austausch mit anderen Impfzentren und Institutionen, um von dort Impfstoff zu bekommen. So habe es am Freitagabend die Zusage gegeben, 5000 Dosen Moderna von einer anderen bayerischen Impfstelle für die Region Würzburg zu bekommen.

Begehrte dritte Impfung: So bekommen Sie am schnellsten den Booster.

Doch Würzburg und Frankfurt sind nicht die einzigen Fälle, wie eine Umfrage des stern unter ausgewählten Städten zeigt.

So sind auch in Hamburg weniger Dosen von Corona-Vakzinen geliefert worden als bestellt, wie ein Senatssprecher dem stern mitteilte. Dies führe dazu, das Impftermine in Praxen abgesagt werden müssten und der Bedarf in Impfstellen nicht gedeckt werden könne. "Vom Impfstoff vom Hersteller Biontech wurden für die vergangene Woche 57.120 Impfdosen bestellt (für städtische Impfangebote). Geliefert wurden 24.270 Impfdosen", so der Senatssprecher. Das ist weniger als die Hälfte.

Im Moment verfüge Hamburg noch über Impfstoff, um die städtischen Angebote in der laufenden Woche aufrecht erhalten zu können. Aber: "Wir haben gegenüber dem Bund deutlich gemacht, dass die Rationierung des Impfstoffes für Impfstellen und Praxen überdacht werden sollte."

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen könne für einzelne Städte, wie etwa Erfurt, keine Angaben machen, teilte sie dem stern mit. Allerdings: In Thüringen wurden nur die vier überregionalen Impfzentren sowie zwei der wohnortnahen Impfstellen geschlossen. 27 Impfstellen im Freistaat seien weiter in Betrieb. Dank Unterstützung der Bundeswehr seien die Kapazitäten von 30 auf 50 Impfstrecken in den Impfstellen ausgebaut worden. Dennoch fehle es an Impfstoff: "Der Bundesgesundheitsminister hat am 19. November angekündigt, dass die Bestellungen von Biontech in ganz Deutschland bis auf Weiteres kontingentiert werden. In dieser Woche haben wir für ganz Thüringen ein Drittel der bestellten Dosen erhalten, zwei Drittel der Bestellmenge wurde nicht geliefert."

Die Kontingentierung der Biontech-Lieferungen habe dazu geführt, dass bereits gebuchte Termine für Auffrischimpfungen mit Biontech umgebucht werden mussten. Nicht alle Termine könnten wie vereinbart mit Biontech bedient werden. Stattdessen werde den Impfwilligen bei der Booster-Impfung Moderna angeboten. Impfaktionen müssten allerdings nicht abgesagt werden, hieß es.

Keine Probleme in Köln, entspannte Lage in Kiel und München

Aus dem Gesundheitsreferat der Stadt München hieß es, dass für diese Woche 101.400 Dosen Biontech und 100.000 Dosen von Moderna bestellt worden seien. Die 100.000 Vakzin-Dosen von Moderna seien geliefert worden. Von den Biontech-Impfdosen seien allerdings 42.000 geliefert worden. Impfaktionen mussten dennoch nicht abgesagt werden.

In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel hieß es aus dem Gesundheitsministerium, dass Impfstoff-Lieferungen an das Land Schleswig-Holstein durch den Bund hinsichtlich des Biontech-Impfstoffes gekürzt worden seien. "Glücklicherweise verfügt Schleswig-Holstein zurzeit über ausreichend Moderna-Impfstoff für die stationären Impfstellen", sagte ein Sprecher dem stern. Genaue Zahlen nannte er nicht und verwies auf das Bundesgesundheitsministerium, das allerdings nur bundesweite Bestellungen und Lieferprognosen veröffentlicht. Termine in den stationären Impfstellen könnten wie geplant stattfinden. Aktuell werde dort Moderna verimpft. Die offenen Impfaktionen könnten ebenfalls weiterhin stattfinden.

Positiv sieht die Lage in Köln aus: Wie ein Sprecher der Stadt mitteilte, gebe es keine geringeren Lieferungen bei den Corona-Impfstoffen. Deshalb seien auch keine Impftermine oder Impf-Aktionen abgesagt worden.

Auch in Leipzig scheint es keine Probleme zu geben. Eine Sprecherin der Stadt sagte dem stern, dass es zwar keine Gesamterfassung über Bestellungen und Lieferungen der Impfstoffe gebe, da es unterschiedliche Wege dafür gebe, etwa über das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Kassenärztliche Vereinigung. Allerdings gebe es beim DRK, das öffentliche Impfstellen betreibt, demnach keine Probleme mit Lieferungen.

mit Material der DPA

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