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Sicherheitsmaßnahmen: Coronavirus erreicht Europa: So wappnet sich Deutschland gegen die Lungenkrankheit

Nach Asien und Amerika sind nun auch Fälle des Coronavirus in Europa aufgetreten. In Frankreich sind drei Betroffenen in Quarantäne. Gesundheitspolitiker fordern Kliniken auf, sich gegen eine Ausbreitung in Deutschland zu wappnen.

Coronavirus: Charité-Virologe Christian Drosten erklärt, wie gefährlich das Virus ist

Die neue Lungenkrankheit, die durch das Coronavirus ausgelöst wird, hat inzwischen auch Europa erreicht: Am Freitag bestätigte das französische Gesundheitsministerium drei Verdachtsfälle, unter anderem in der Hauptstadt Paris. Alle Patienten sollen sich zuvor in China aufgehalten haben. Dort liegt die Zahl nachgewiesener Infektionen nach Angaben des Staatsfernsehens inzwischen bei 1372, 41 Patienten sind gestorben. Nachweise wurden auch aus anderen asiatischen Ländern wie Japan, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan gemeldet. In den USA wurden bis Freitag zwei Fälle bestätigt. Müssen wir uns also auch in Deutschland bald Sorgen machen?

Schwere der Erkrankungen noch nicht abschätzbar

Der Präsident des Robert Koch-Instituts relativierte die länderübergreifende Gefahr durch das neue Virus im "Heute Journal" des ZDF. "Außerhalb Chinas gibt es bisher keine großen Infektionsketten", sagte Lothar Wieler. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der Erkrankungen noch nicht genau beurteilen. "Wir haben keine vollständigen Informationen." Die weltweiten Vorsichtsmaßnahmen begründete er unter anderem damit, dass der neue Erreger dem Sars-Virus genetisch sehr ähnlich sei und über die Atemwege verbreitet werde. An Sars (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) waren 2002/2003 etwa 800 Menschen gestorben. "Die Schwere, die Krankheitslast der Grippe ist schwerer", sagte Wieler.

Auch wenn das Risiko der neuen Lungenkrankheit für Deutschland weiter als gering eingestuft wird, melden sich zunehmend Menschen mit vermeintlichen Symptomen in Praxen und Kliniken. Dabei gilt eine Ansteckung hierzulande nach wie vor als unwahrscheinlich. Oft stecken die wie immer im Winterhalbjahr kursierenden Influenzaviren - also die normale saisonale Grippe - hinter solchen Erkrankungen. Die Symptome - Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Atemwegsprobleme - ähneln sich. Typisch für das neuartige Coronavirus ist nach derzeitigem Stand, dass die oberen Atemwege kaum betroffen sind. Es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.

Politik sieht Handlungsbedarf

Trotzdem haben Gesundheitspolitiker die Behörden und Kliniken aufgefordert, sich auf die Ausbreitung des Coronavirus auch in Deutschland einzustellen. "Wichtig ist, dass deutsche Kliniken sich bereits jetzt darauf vorbereiten, solche Patienten behandeln zu können", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüdel (CDU), der "Rheinischen Post" vom Samstag.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte, derzeit seien zwar Fiebermessungen von China-Reisenden auf deutschen Flughäfen noch nicht sinnvoll. "Grundsätzlich sollte aber ein solcher Einsatz der Messungen vorbereitet werden", empfahl Lauterbach. Denn das könne "in den nächsten Wochen notwendig werden".

So laufen die Test in Deutschland

Ein vorsorglicher Test wird in Deutschland veranlasst, wenn ein Patient zuvor in einem Risikogebiet - etwa in Wuhan in China – war oder anzunehmen ist, dass er direkten Kontakt zu nachweislich infizierten Menschen hatte. Für den dann folgenden Ablauf gibt es Regularien. "Die Kette ist so, dass natürlich zunächst einmal ein Arzt den Verdacht bekommt und dann eine Diagnostik anfordert", erklärte der Berliner Virologe Christian Drosten. "Gleichzeitig nimmt er mit dem örtlichen Gesundheitsamt Kontakt auf." Das Gesundheitsamt sei dann zuständig sowohl für den Meldeweg als auch für die Verhängung von weiteren Maßnahmen. "Da lastet eine sehr hohe Verantwortung auf den örtlichen Gesundheitsämtern."

Im Moment sei es so, dass in vielen Fällen eine Probe an sein Labor geschickt werde. Sei das Ergebnis negativ, sei der Fall damit abgeschlossen. Bei einem positiven Testergebnis seien wieder die Gesundheitsämter am Hebel. Die identifizierten dann durch Befragung die Kontaktpersonen. "Wen haben Sie in den letzten Tagen, seitdem Sie in Deutschland sind, getroffen? Mit wem hatten Sie zu tun?"

Noch keine Impfung

Diese Personen würden dann zunächst einmal namentlich registriert, es werde nach Symptomen gefragt und es würden gegebenenfalls auch Labortests gemacht. Es gebe bei Kontaktpersonen mit Symptomen auch die Möglichkeit für Gesundheitsämter, so etwas wie Heim-Quarantäne aufzuerlegen, wenn die Patienten nicht schwer krank sind. "Das ist ein sehr verträgliches und sehr effizientes Mittel, Verbreitungen zu verhindern."

Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es nicht, die Symptome können aber mit Medikamenten abgemildert werden. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit in den meisten Fällen mild, möglicherweise sogar vielfach ganz ohne Symptome. Von den in China registrierten Todesfällen gehen die meisten nach derzeitigem Stand auf ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen zurück.

lau / AFP / dpa

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