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Fleischkonsum: Neue Studie: Hohe Fleischsteuer könnte jährlich über 200.000 Menschen retten

60 Kilogramm Fleisch isst der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Und das bleibt nicht ohne Folgen: Krebserkrankungen, Schlaganfälle und Herzversagen nehmen zu. Als Korrektiv schlagen Forscher nun eine hohe Fleischsteuer vor.

Fleisch

Rund 60 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche im Jahr. Eine hohe Steuer könnte den Konsum reduzieren.

Wie teuer muss ein gesundheitsschädliches Produkt sein, damit Konsumenten weniger davon kaufen oder komplett die Finger davon lassen? Bei Zigaretten und Alkohol wurde in den letzten Jahren schon hart durchgegriffen. Insbesondere die Preise für Tabak wurden stark angehoben. Der Konsum ist zurückgegangen. Ein Forscherteam der Universität Oxford plädiert nun in einer neuen Studie dafür, Fleisch wesentlich höher zu besteuern. Dadurch sollen der Fleischverzehr unattraktiver und Gesundheitsrisiken verringert werden. Am Ende würden so Leben gerettet und langfristig Milliarden Euro gespart werden.

Fleischsteuer könnte 220.000 Menschen pro Jahr retten

Der Studie des Forscherteams um Marco Springmann liegt die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde, dass verarbeitetes Fleisch – zum Beispiel in Form von Würstchen, Speck oder Brotaufstrich – eindeutig krebserregend ist. Außerdem berufen sich die Forscher auf die 2015 herausgegebene WHO-Einschätzung, dass auch unverarbeitetes rotes Fleisch – also beispielsweise vom Rind, Schwein oder Schaf – als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wird.

Wie die Forscher in der Studie schreiben, die in der Fachzeitschrift "Plos One" erschienen ist, sterben jedes Jahr mehr als zwei Millionen Menschen an den Folgen ihres Fleischkonsums. Tendenz steigend: 2020 sollen es schon 2,4 Millionen Tote sein. Häufigste Ursachen sind: Schlaganfälle, Herzversagen, Typ-2-Diabetes und Krebs. Jährlich konsumiert der Durchschnittsdeutsche 60 Kilogramm Fleisch,  das bleibt nicht ohne gesundheitliche Folgen.

Deutschland: Steuer für verarbeitetes Fleisch müsste um 166 Prozent steigen

Doch wie lassen sich der hohe Fleichverzehr und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken minimieren? Die Verfasser der Studie verfolgen in ihrer Untersuchung einen marktbasierten Ansatz. Sie haben einen optimalen Steuersatz für rotes und verarbeitetes Fleisch für insgesamt 149 Regionen der Erde errechnet. Die Anzahl der Todesfälle könnte mit einer Fleischsteuer um 220.000 pro Jahr gesenkt werden. Außerdem könnten nach Ansicht der Forscher die Kosten in der Gesundheitsvorsorge um bis zu 36 Milliarden Euro minimiert werden. Um das zu erreichen, müssten im weltweiten Durchschnitt die Steuern für verarbeitete Fleischwaren um 25 Prozent steigen, für nicht verarbeitetes rotes Fleisch müssten die Steuern um vier Prozent steigen. Für sogenannte "high income countries" wie Deutschland wäre der Anstieg sogar noch wesentlich extremer. Hierzulande müsste die Steuer für verarbeitetes Fleisch um fast 166 Prozent angehoben werden. Für unverarbeitetes Fleisch von Rind, Schaf und Schwein wären es etwas mehr als 28 Prozent. (Hier können Sie die Daten der Studie einsehen.) 

Der Ansatz, den Fleischkonsum über Steuern zu regulieren, ist nicht ganz unumstritten. Eine solche Steuer könnte auch zur Folge haben, dass sich vor allem Besserverdiener Fleisch leisten können. Andere Ansätze plädieren für schärfere Regeln und allgemein verbindliche Standards in der Fleischproduktion. So würde der Preis auch ohne Steuer steigen und die Tiere – insbesondere in der Massentierhaltung – würden davon profitieren.

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hh