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Erster Kongress zu Männergesundheit: "Hauptsache, das Auto ist gesund"

Wenn's nicht weh tut, wird's schon nicht so schlimm sein - deutsche Männer gehen weitaus seltener zum Arzt als Frauen. Besonders Vorsorgeangebote werden ignoriert. Mit fatalen Folgen.

Männer ticken anders als Frauen - auch beim Thema Gesundheit. Sie ernähren sich nicht nur ungesünder und trinken mehr Alkohol, sondern tun auch weniger zur Vorbeugung von Krankheiten. So beteiligen sich Männer deutlich seltener an Vorsorgeuntersuchungen zur Krebsfrüherkennung als Frauen. Mit dem ersten Männergesundheitskongress am kommenden Dienstag in Berlin wollen Bundesgesundheitsministerium und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen und neue Konzepte diskutieren.

"Hauptsache, das Auto ist gesund", sagt Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln und bringt damit das Gesundheitsbewusstsein des deutschen Mannes auf den Punkt. Rund 90 Prozent der Männer könnten zwar den durchschnittlichen Spritverbrauch und 80 Prozent den Hubraum ihres Autos herbeten. "Aber nur 30 Prozent kennen ihren Cholesterienwert", betont der Sportwissenschaftler.

Männer sind Vorsorgemuffel. Bei Schmerzen und Verletzungen beißen viele eher die Zähne zusammen, als zum Arzt zu gehen. "Wenn Frauen ein Problem haben, gehen sie nach drei bis vier Tagen zum Doktor, Männer erst nach 14 Tagen", meint Froböse. Wenn gar nichts weh tut, sehen die meisten Männer erst recht keinen Sinn darin, eine Praxis aufzusuchen. Dabei können sich Männer wie auch Frauen ab dem 35. Lebensjahr einem kostenlosen Gesundheits-Check der gesetzlichen Kassen unterziehen, später kommen noch weitere Vorsorgeuntersuchungen zur Krebs-Früherkennung hinzu.

Umfassende Informationsquellen sind vorhanden

Der aktuellen Bericht des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit in Deutschland verdeutlicht den unterschiedlichen Gesundheitszustand: 60 Prozent der Männer in Deutschland sind demnach übergewichtig oder fettleibig (Frauen: 44 Prozent), 34 Prozent der Männer rauchen (Frauen: 26 Prozent) und ein Drittel trinkt zu viel Alkohol (Frauen: ein Fünftel). Und nur jeder zweite Mann isst täglich Obst (Frauen: 71 Prozent). Zugleich haben Männer häufiger Unfälle und auch die Arbeitsbedingungen sind belastender als bei Frauen. Alles in allem haben Männer eine um rund fünf Jahre geringer Lebenserwartung als Frauen.

Dabei fehlt es keineswegs an Informations- und Präventionsangeboten. Zwar wurde das Thema Männergesundheit lange vernachlässigt. So erschien erst Ende 2010 - neun Jahre nach einem Frauengesundheitsbericht - überhaupt erstmals ein Deutscher Männergesundheitsbericht, herausgegeben von der Stiftung Männergesundheit und der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit. In den vergangenen Jahren hat sich aber vieles getan.

Auch das Netzwerk für Männergesundheit und das Bundesforum Männer befassen sich mit dem Thema. Der Freistaat Bayern veranstaltete 2012 unter anderem mit Unterstützung des FC Bayern eine Aktionswoche, um Männer zu einem gesünderen Leben zu motivieren. Seit Februar 2012 bietet zudem das "Männergesundheitsportal" der BZgA im Internet Informationen zu männerspezifischen Themen wie urologischen Erkrankungen, Alkohol, Sport und Vaterschaft. Auch Länder und Kommunen haben zum Teil eigene Portale.

Der Kongress kommende Woche soll nun "alle Akteure zusammenführen und vernetzen", wie Monika Köster von der BZgA sagt. Diskutiert werden sollen unter anderem männerspezifische Zugänge zu Gesundheitsinformationen und Vorsorgeprogrammen. Denn Männer wollen eine ganz spezielle Ansprache. "Ich brauche Männern nicht mit Aquagymnastik und Wohlbefinden kommen", sagt Froböse, der auf dem Kongress zum Thema Bewegung sprechen wird. Männer bräuchten eine Zielorientierung und klare Aussagen - etwa was ein Sportangebot für ihren Ruhepuls bringt.

ono/Andrea Hentschel/AFP / AFP

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