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Impfstart in Deutschland "Bilder der Hoffnung, die wir alle dringend gebraucht haben"

Sehen Sie im Video: Die ersten deutschen Corona-Geimpften berichten von ihren Erfahrungen.




Gertrud Haas (101), Berlin: "Der hat das auch irgendwie anders gemacht, er hat es irgendwie feucht gemacht, dann einen Moment gewartet, und dann (geimpft). Das scheint sehr gut zu sein, das merkt man nicht."
Helga & Kurt Klingeisen (83/91), Germering: "Wie üblich, pieks und fertig." "Ja gut, ja."
Gertrud Vogel (92), Köln: "Das ist ein Glück für uns, nicht. So können wir diese furchtbare Sache wieder ins Reine kriegen."
Margareta Wermelskirchen (85), Köln: "Ja, vielleicht ein bisserl besser werden und vor allem dieses eingesperrt hier oben, das war eine Katastrophe. Ja, aber es wird schon besser. Wir sind Optimisten, schon immer gewesen, nicht?"
Anneliese May (92), Köln: "Ich freue mich, dass ich dabei sein durfte, obwohl ich auch schon 92 bin und ich bin ja auch keine Gefahr mehr für andere. Das ist auch tröstlich."
Hermann Sarnow (85), Köln: "Wir warten alle darauf, dass das vorbei ist mit diesem Corona, dass wir wieder unsere Touren machen können."
Zeynep Kallmayer, Intensiv-Krankenschwester in Frankfurt (Main): "Man hört ja, dass die Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung eher auftreten werden, aber das sind auch Sachen, die nehme ich gerne in Kauf. Also ein bisschen Fieber, ein bisschen Gliederschmerzen, damit rechnet man."
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Am Wochenende hat es auch in Deutschland die ersten Impfungen gegen das Coronavirus gegeben. Bis große Teile der Bevölkerung an der Reihe sind, dauert es noch – zu lange, sagen einige. Die Pressestimmen.

Nach dem Start der Corona-Impfungen gibt es Forderungen nach einem höheren Tempo bei der Impfstoffproduktion. "Es ist ein krisenhafter Zustand, da brauchen wir eine Krisenproduktion", sagte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntagabend in einer "Bild"-Sendung. Deutschland müsse rechtlich, wirtschaftlich, politisch und technologisch alles tun, damit schneller geimpft werden könne: "Das ist eine Frage von Leben und Tod, eine Frage unserer Freiheit. Und es ist eine Überlebensfrage auch für unsere Wirtschaft, denn die ist schon auf der Intensivstation."

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte vor negativen Folgen durch Lieferengpässe gewarnt: "Endloses Warten reduziert auch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen", sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur in München. Leider sei noch nicht genügend Impfstoff vorhanden. Warnend äußerte sich auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. "Die Impfung läuft gut an. Das Problem aber ist, dass wir mit dem vorhandenen Impfstoff nur fünf Millionen Menschen bis Ende März impfen können", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland RND). "Uns läuft aber die Zeit davon. Das Virus hat bereits Mutationen gebildet."

Die Pressestimmen zum Impfstart

Abgesehen von der Diskussion um den Nachschub des Impfstoffes wurden in der Presse aber auch noch andere Aspekte des historischen Moments eines Impfstarts in der Corona-Pandemie diskutiert:

"Weser-Kurier": "Zwei Drittel aller Deutschen, sagt eine am Sonntag veröffentlichte Umfrage, wollen sich gegen das Coronavirus immunisieren lassen. Das klingt so vernünftig, wie es ist. Angesichts von 1,6 Millionen Infizierten, nahezu 30.000 Toten und zwei wochenlangen Lockdowns ist eine Impfung medizinisch, ethisch und wirtschaftlich mindestens vertretbar, wenn nicht gar zwingend notwendig. Gegen eine Impfung spricht nur wenig. Auf der anderen Seite gäbe es viel zu gewinnen – nicht zuletzt die Perspektive auf eine Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben."

"Rhein-Zeitung": "Doch die derzeit noch ziemlich hohe Zahl an Impfskeptikern oder Impfgegnern ist noch kein Grund zur Beunruhigung. Es ist unwahrscheinlich, dass man die zur Impfung berechtigten Menschen lange bitten muss. Erstens: Es ist nur ein Angebot des Staates, das man nicht annehmen muss. Doch über jede Impfung, die jemand nicht will, wird sich angesichts der noch länger andauernden Knappheit des Impfstoffs jemand anderes freuen. Zweitens: Nichts ist überzeugender als der Erfolg. Keine Informationskampagne ist wirkungsvoller als das Gefühl, etwas Wertvolles zu verpassen, das einem zusteht und nichts kostet, während immer mehr Menschen davon profitieren. Und drittens: Die meisten Skeptiker sind ohnehin noch lange nicht an der Reihe. Wenn bis dahin die Nebenwirkungen im erwarteten Rahmen bleiben, dann werden viele so schnell ihre Meinung ändern wie der Wind die Richtung."

"Leipziger Volkszeitung": "Am Ende ist eine Pandemie aber nicht dafür geeignet, Schönheitspreise zu erringen. Aus diesem Grund ist auch nicht nachvollziehbar, dass ganz Europa am gleichen Tag mit dem Impfen starten sollte. Die europäische Solidarität ist in der Frage der Impfstoffverteilung wichtig und wertvoll. Man sollte sie aber auch nicht zur Europäische-Union-Supershow werden lassen. Wenn nun in Deutschland schon 24 Stunden früher geimpft werden kann, als die letzten Dosen im letzten Winkel von Europa angekommen sind – ja dann sollen sie doch. Jeder Tag, an dem Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, ist ein guter Tag im Kampf gegen die Pandemie. Die 101-Jährige in Sachsen-Anhalt, die bereits am 26. Dezember die schützende Spritze erhalten hat, ist weniger wegen des Pragmatismus der dortigen Gesundheitsbehörden zu Berühmtheit gelangt, sondern eher, weil die Impfstoffverteilung am Ende zum politischen Event wurde."

"Die Welt": "Eine Überwachung der Impfung und möglicher Nebenwirkungen ist essenziell. Wie häufig kommt es wirklich zu Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle? Wie oft stellen sich Gliederschmerzen oder Fieber ein, wie häufig treten allergische Reaktionen auf – und sind sie lebensbedrohlich? Schützt die Impfung vor einer Infektion oder nur vor schweren Verläufen der Krankheit? Es sind viele Fragen offen. Das muss ehrlich kommuniziert werden. Nur wenn die Impfkampagne mit großer Transparenz begleitet wird und die Verantwortlichen Glaubwürdigkeit bewahren, erklären sich genügend Menschen zur Impfung bereit."

"Berliner Zeitung": "Die Bundeskanzlerin und ihr Kabinett widerstehen der Versuchung, sich in einem Propagandaspektakel öffentlich das Serum verabreichen zu lassen wie es Spitzenpolitiker in anderen Ländern zelebrierten. Vorhaltungen wird es so oder so geben. Ließe sich das Kabinett in der ersten Runde immunisieren, käme das Argument: Die Privilegierten drängten sich vor. Reiht man sich ein, wird es heißen: Die da oben misstrauen dem Serum und lassen erst einmal Tausende Versuchskaninchen vor. Bisher ist das Vorgehen plausibel, und von den Prioritäten der Impfverordnung sollte man nicht abweichen."

"Hannoversche Allgemeine Zeitung": "Der Start der Impfung kann dazu beitragen, die immer noch notwendige Disziplin zum Schutz vor der Übertragung des Coronavirus noch einmal zu stärken. Mit dem Blick nach vorn, vielleicht in einem halben Jahr die Pandemie besiegt zu haben, lassen sich die Menschen noch einmal motivieren, die vielen Corona-Regeln einzuhalten."   

"Volksstimme": "Wer gegen das Coronavirus geimpft wurde, soll nach Ansicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) keine Sonderrechte genießen. Und das ist auch völlig richtig so. Denn: Vorteile für Menschen mit Corona-Impfung würden schnell einen neuen Keil in unsere Gesellschaft treiben und kämen zudem einer Impfpflicht gleich. Die soll es aber nach Ansicht der Bundesregierung nicht geben – und sie wäre praktisch auch kaum durchsetzbar.

Auch wenn es beispielsweise für Organisatoren von Konzerten oder Sportevents verlockend erscheint, Geimpften den Besuch von Veranstaltungen zu gestatten: Die Benachteiligung derer, die nicht immunisiert wurden, wäre zu schmerzhaft, tiefgreifende Konflikte nur eine Frage der Zeit. Denn viele Wochen lang wird in Deutschland nicht allein die Impfbereitschaft über den Schutz vor dem Corona-virus entscheiden, sondern vielmehr die Verfügbarkeit des begehrten Impfstoffes."

"Darmstädter Echo": "Es sind Bilder der Hoffnung, die wir alle dringend gebraucht haben. Und mehr als das: Es sind Zeugnisse dafür, dass Mitmenschlichkeit und Fürsorge selbst in maximal schwierigen Zeiten oberste Maxime unseres Handelns bleiben. Wer das für selbstverständlich hält, der mag Nachrichten aus vielen anderen Staaten scannen. Und danach noch einmal darüber sinnieren, ob es sich lohne, in Europa und in Deutschland zu leben."

"Ludwigsburger Kreiszeitung": "Jetzt ist Geduld gefragt. Und weiter Disziplin. Die Ärmel hoch, die Maske auf. Wenn es gut geht, war dies das letzte Weihnachtfest mit Corona. Freilich nicht das letzte, an dem die Welt Katastrophen bewältigen muss. Die gehen der Menschheit nämlich nicht aus. Auch, weil sie selbst immer wieder für welche sorgt."

tim

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