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Infektionsangst: EU ergreift Maßnahmen gegen Vogelgrippe

Auch in der Türkei ist die für den Menschen gefährliche Art des Vogelgrippe-Virus aufgetreten. Die EU empfiehlt Impfungen für Risikogruppen und will die Einfuhr von infiziertem Geflügel verhindern.

Nach der Bestätigung des für Menschen potenziell gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N1 in der Türkei hat die EU Abwehrmaßnahmen eingeleitet. Gesundheitskommissar Markos Kyprianou empfahl in Brüssel die EU-weite Grippe-Impfung von Senioren ab 65, Kleinkindern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Auch in Rumänien wurde ein Vogelgrippe-Virus bestätigt, allerdings noch nicht endgültig der potenziell für Menschen gefährliche Typ H5N1. Die Weltorganisation für Tiergesundheit in Paris sprach aber von einer "hohen Wahrscheinlichkeit" dafür. Kyprianou rief alle Mitgliedstaaten auf, genügend antivirale Medikamente "als erste Verteidigungslinie" vorzuhalten. Die Kommission schlage vor, eine Milliarde Euro für die Verteilung von Medikamenten und Impfstoffen "für den Fall einer Epidemie" bereitzustellen.

Das H5N1-Virus springt nicht leicht von Vögeln auf Menschen über. 60 Menschen, die in Asien an der von diesem Erreger ausgelösten Vogelgrippe starben, hatten meist als Arbeiter auf Geflügelfarmen engen Kontakt mit den Tieren. Die Ausbreitung des Virus von China über Russland bis Europa erhöht aber die Gefahr, dass es zu einem Stamm mutiert, der leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Kyprianou betonte, die bisher an der Vogelgrippe erkrankten Asiaten hätten sich direkt bei Tieren angesteckt. Die Einfuhr von Geflügel aus der Türkei hatte die EU-Kommission bereits am Montag verboten.

Importstopp für Rumänien

Auch aus Rumänien dürfen Vögel, Geflügelfleisch und Federn jetzt nicht mehr eingeführt werden, nachdem der Verdacht auf Vogelgrippe in einem Dorf im Donau-Delta bestätigt wurde. In Proben von drei dort verendeten Vögeln wurde nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums ein Virus des Typs H5 gefunden. Die genaue Bestimmung solle nun in einem britischen Speziallabor in Weybridge erfolgen. Der stellvertretende Direktor der Pariser Tiergesundheitsorganisation, Jean-Luc Angot, sagte, es gebe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es H5N1 sei. Klarheit sollte es bis Freitag geben.

Der rumänische Landwirtschaftsminister Gheorge Flutur sagte, die Behörden hätten weitere Maßnahmen ergriffen, das betroffene Gebiet zu isolieren. Das Innenministerium teilte mit, die Quarantäne im Dorf Ceamurlia de Jos sei auf Menschen ausgeweitet worden. Nur Mitarbeiter von Behörden dürften das Dorf noch betreten und verlassen. Soldaten wurden in die Region abkommandiert, um bei der Keulung genannten Tötung von Geflügel zu helfen. Der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag erklärte unterdessen, die Regierung habe die Vogelgrippe "vollkommen unter Kontrolle".

Massentötungen in der Türkei

Das Dorf Balikesir im Westen der Türkei, in dem in der vergangenen Woche rund 1.800 Puten verendet waren, steht schon seit Tagen unter Quarantäne. In der Umgebung seien 7.600 Vögel gekeult und fünf Hektar Land desinfiziert worden, teilten die Behörden mit. Die Türkei bat den schweizerischen Pharmakonzern Roche, eine Million Packungen eines Medikaments zu schicken, mit denen Vogelgrippe bei Menschen behandelbar sein soll.

Im Kampf gegen die Vogelgrippe sollen auch in Deutschland die Zollkontrollen verschärft werden. Illegale Tiertransporte und Reisende seien die gravierendsten Schwachstellen im Kampf gegen das Eindringen des Virus nach Deutschland, sagte der amtierende Verbraucherschutzminister Jürgen Trittin in Berlin. Der nationale Krisenstab habe daher die Verschärfung der Kontrollen beschlossen. "Gering bis mäßig" sei dagegen derzeit die Einschleppungsgefahr durch Zugvögel.

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