Rügen Vogelgrippe bei Katze festgestellt


Das Vogelgrippe-Virus H5N1 hat in Deutschland erstmals den Sprung vom Vogel zum Säugetier geschafft: Bei einer toten Katze in der Nähe der Wittower Fähre auf Rügen wurde das Virus gefunden. Somit rückt H5N1 noch näher an den Menschen heran.

Erstmals ist das gefährliche Vogelgrippevirus in Deutschland auf ein Säugetier übergesprungen: Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stellte das Virus H5N1 bei einer von der Insel Rügen stammenden toten Katze fest. Wie das Institut auf der Insel Riems am Dienstag mitteilte, wurde das Tier vergangenes Wochenende in der Nähe der Wittower Fähre gefunden, wo die Tierseuche vergangene Woche ausgebrochen war.

Ob die in dem Ort Schaprode verendete Katze an der auch für den Menschen gefährlichen, hochpathogenen Variante des H5N1-Virus starb, wird laut FLI noch untersucht.

Risiko für den Menschen steigt

Eine Ansteckung von Menschen durch infizierte Säugetiere wurde zwar bisher noch nicht nachgewiesen, dennoch steigt mit der Infektion eines Haustieres das Risiko. Denn im Gegensatz zu Wildvögeln kommen Menschen mit Katzen viel enger in Kontakt. "Eine theoretisch nicht auszuschließende Ansteckung des Menschen kann vermutlich nur bei sehr innigem Kontakt mit infizierten Tieren erfolgen", erklärte Mettenleiter.

Die Katze war bei der Suche nach verendeten Vögeln gefunden worden. Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern veranlasste, dass ab sofort alle in den Überwachungsgebieten tot aufgefundenen Kleinsäuger, die mit Vögeln in Kontakt gekommen sein könnten, zu bergen und zu untersuchen sind. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts zeigt der Fall die wachsende Gefährlichkeit des Erregers H5N1. Es handele sich zwar um einen Einzelfall, der aber doch auf eine steigende Gefahr auch für den Menschen hindeute, sagte der Präsident des Instituts, Reinhard Kurth.

Bei Anzeichen von schweren Erkältungen bei Katzen, die Freilauf in Gebieten hatten, in denen H5N1 infizierte Vogelkadaver gefunden wurden, sollte der Tierarzt aufgesucht werden.

Tiere nicht frei laufen lassen

Das Institut forderte alle Katzenbesitzer im Umkreis der Wittower Fähre auf, ihre Tiere nicht frei laufen zu lassen. "Obwohl die Kadaver weitgehend abgeräumt sind, sterben weiterhin Tiere an einer H5N1-Infektion, die dann als Infektionsquelle dienen können", sagte Mettenleiter.

Nach Angaben des Instituts starben in den vergangenen Jahren in Asien mehrere Großkatzen in Zoos, die mit infiziertem Geflügelfleisch gefüttert wurden. Auch Hauskatzen erwiesen sich als empfänglich für den Erreger.

Nun werden alle toten Säugetiere untersucht

An der Wittower Fähre war in den vergangenen Tagen eine Vielzahl infizierter Vögel gefunden worden. Die infizierte Katze war im Zuge dieser Suche aufgefunden worden. Eine weitere tote Katze und ein toter Fuchs hatten das Virus nicht, wie das Landwirtschaftsministerium in Schwerin mitteilte.

Minister Till Backhaus hatte angeordnet, dass auch tote Säugetiere vorsorglich geborgen und untersucht werden. Inzwischen wurde veranlasst, dass ab sofort alle in den Überwachungsgebieten tot aufgefundenen Katzen, Marderhunde, Füchse, Marder und andere Kleinsäuger, die mit Vögeln in Kontakt gekommen sein könnten, zu bergen und zu untersuchen sind.

Unterdessen wurden vier neue Vogelgrippe-Fälle bei Wildvögeln bekannt, zwei davon erstmals aus Bayern als somit fünftem betroffenen Bundesland.

Bayern meldete am Dienstag die ersten H5N1-Fälle. Ein toter Höckerschwan und eine verendete Wildente aus zwei oberbayerischen Landkreisen seien positiv auf H5N1 getestet worden, teilte Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf in München mit. Ob es sich um die hochpathogene Variante des Virus handelt, müsse noch geklärt werden. Zuvor waren bereits je zwei Vögel aus Brandenburg, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg positiv auf H5N1 getestet worden, ohne dass bislang klar ist, ob sie die gefährliche Variante in sich trugen.

Stallpflicht könnte verlängert werden

Auch Mecklenburg-Vorpommern meldete zwei neue Fälle von H5N1. Dabei handelte es sich nach Angaben der Landesregierung um eine Reiherente aus dem Hafen von Wismar, und eine Ente aus Bergen auf Rügen. Damit stieg die gesicherte Zahl der Infektionen bundesweit auf 122. Davon sind 121 aus Mecklenburg-Vorpommern, eine tote Ente aus Baden-Württemberg trug die bislang einzige andere bestätigte gefährliche H5N1-Variante in sich.

Von dem Virus existieren nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts neben dem hochpathogenen Strang "H5N1 Asia" auch niedrig pathogene Varianten, der aber in Deutschland bislang nicht nachgewiesen wurden. Der Test auf die Variante werde aber nur bei Tierkadavern aus Regionen gemacht, wo die Seuche bislang noch nicht aufgetreten sei, erklärte eine Sprecherin. Die Bundesregierung erwägt unterdessen, die Stallpflicht für Geflügel zu verlängern. "Sollte die Vogelgrippe Ende April noch im Land sein, werden die Maßnahmen verlängert", sagte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Bislang ist die Stallpflicht bis Ende April befristet.

AP


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