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Tabakkonsum: Kampf dem Qualm

Unterhändler von mehr als 170 Ländern haben sich auf ein weit reichendes Abkommen zur Beschränkung des Tabakkonsums verständigt, mit dem die rasch wachsende Zahl an tabakbedingten Todesfällen eingedämmt werden soll.

Das internationale Abkommen zur Beschränkung des Tabakkonsums sieht drastische Einschränkungen bei der Tabakwerbung sowie einen verstärkten Kampf gegen den Zigarettenschmuggel und das Passivrauchen vor. Widerspruch gegen einzelne Bestandteile des Abkommens äußerten die USA, Deutschland, China und auch Japan.

Ungeachtet der Einwände beschlossen die Delegierten, das Abkommen der Ministerkonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai zur Beschlussfassung vorzulegen. Dort besteht allerdings die Gefahr, dass das gesamte Abkommen doch noch scheitert, wenn die USA darauf beharren, einzelne Teile neu zu verhandeln. Die große Mehrheit der Delegierten war aber zuversichtlich. Das Abkommen tritt in Kraft, wenn es von 40 Ländern unterzeichnet wurde.

"Millionen Menschenleben werden gerettet werden"

"Wir haben gemeinsam etwas Historisches erreicht, auf das wir stolz sein können", erklärte der Vorsitzende der fast vier Jahre währenden Verhandlungen, der Brasilianer Luis Felipe de Seixas Correa. "Es zeigt, dass Länder, wenn sie einer gemeinsamen Bedrohung gegenüberstehen, zusammenarbeiten können, um diese Bedrohung zu meistern." Die WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundthland begrüßte das Abkommen als Meilenstein. "Millionen Menschenleben werden gerettet werden", sagte sie. Tabak töte in jedem Land der Welt, "und wahrscheinlich kennen die meisten von uns jemanden, der gestorben ist".

Die Sprache des Abkommens ist deutlicher als zunächst erwartet worden war. Druck machten hier vor allem Entwicklungsländer, die sich als Opfer von Kampagnen der Tabakindustrie sehen. Die USA und Deutschland erhoben Einspruch gegen das geforderte Werbeverbot für Tabakwaren. Washington betrachtet das Verbot als Beschränkung der Redefreiheit. Auch der Plan, wonach mindestens 30 Prozent einer Zigarettenschachtel mit einer Warnung vor dem Rauchen bedeckt sein soll, stieß auf Kritik. Vertreter der Tabakindustrie sprachen von einer Verletzung ihrer Warenzeichen.

Immer mehr Tabaktote

Die WHO hofft, dass vor allem die wachsende Zahl an Todesfällen eingedämmt werden kann, die auf die Folgen des Tabakkonsums zurückgeführt werden. Die WHO schätzt, dass die Zahl der Tabaktoten von jetzt 4,9 Millionen auf 10 Millionen in 25 Jahren steigt. Eine elektronische "Todesuhr" am Verhandlungsort zeigt, dass vermutlich seit Beginn der Verhandlungen 1999 13,4 Millionen Menschen an tabakbedingten Herz- und Lungenerkrankungen sowie Krebs gestorben sind.

DPA

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