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Psychiater im Interview: Angstforscher: Wie wir alle richtig mit der Angst vor Terror umgehen

Das geräumte Stadion in Hannover, verdächtige Gegenstände auf Bahnhöfen - die Angst vor Terroranschlägen ist längst in Deutschland angekommen. Sie wird unsere Gesellschaft auf lange Sicht dennoch nicht verändern, sagt ein Angstforscher.

Von Lea Wolz

Polizisten im Einsatz: Die Lage ist auch in Deutschland angespannt, die Angst vor Anschlägen spürbar

Die Lage ist auch in Deutschland angespannt, die Angst vor Anschlägen spürbar. Die Polizei führt vor einem Bundesliga-Spiel in Zelten vor dem Gästeblock der Allianz-Arena in München Kontrollen bei den Fans durch.

Herr Professor Bandelow, seit Tagen ist überall von Terror zu lesen. Viele Menschen sind durch diese Nachrichten beunruhigt und befürchten, dass so etwas auch in Deutschland passieren könnte. Können Sie das verstehen?

Natürlich. Die Menschen sind verunsichert, weil sie denken, dass das nicht das Ende war. Selbst in Paris waren weitere Anschläge geplant, wie wir seit dem Einsatz von Saint-Denis wissen. Bekannt ist ja auch, dass die Terroristen international agieren. Bis auch in Deutschland ein Anschlag passiert, ist es vielleicht wirklich nur noch eine Frage der Zeit. Diese Angst kann man den Menschen nicht nehmen.

Was macht diese gefühlte Angst mit einer Gesellschaft?

Ich glaube nicht, dass sich unsere Gesellschaft nachhaltig verändern wird. Aus früheren  Anschlägen etwa in Spanien, Tunesien oder London wissen wir, dass dieses subtile Angstgefühl eine Zeit lang anhält, dann aber wieder vergeht. Meist kehrt nach etwa vier Wochen wieder Normalität ein. Wir laufen dann nicht mehr mit dem Angstgefühl durch die Straßen einer Großstadt oder besuchen mit einem Grummeln im Bauch Fußballspiele oder Konzerte.

Der Mensch ist also von Natur aus ganz gut darin, solche Ängste in der Regel auch wieder zu überwinden?

Ja. Selbst in wirklich gefährlichen Situationen kehrt der Mensch, so gut er kann, zur Normalität zurück. Meine Mutter hat aus ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs berichtet, wie sie mit ihrer Familie im Bunker saß, draußen flogen die Bomben, Häuser stürzten ein. Natürlich hatten die Menschen Angst. Dennoch haben sie gewartet, bis die Flugzeuggeräusche aufhörten und dann den Bunker verlassen, um Brötchen zu kaufen. Als sie mir das erzählt hat, war es für mich immer unvorstellbar: Wie kann man in einer solchen Lage an Brötchen denken? Selbst in einer schweren und konkreten Gefährdungslage lernen wir, mit der Angst umzugehen. Und eine solche Lage, in der wir täglich mit realen Angstsituationen konfrontiert werden, haben wir momentan ganz sicher nicht.

Wie berechtigt ist die gefühlte Angst denn?

Sie ist insofern berechtigt, da die abstrakte Gefährdungslage, wie es der Innenminister ausdrückt, hoch ist. Doch wir dürfen dabei nicht die Verhältnisse aus den Augen verlieren. Der Terrorismus wie er sich nun zeigt, ist zwar eine relativ neue Gefahr, die uns unberechenbar erscheint. Und das  sorgt für ein Gefühl der Hilflosigkeit und Angst. Doch verglichen mit den Favelas in Rio, wo Morde an der Tagesordnung sind, oder dem Alltag in Städten wie Johannesburg, die eine hohe Kriminalitätsrate aufweisen, leben wir in einem relativ sicheren Land. Die Gefahr, in Deutschland durch einen Terroranschlag umzukommen, mag uns kurz nach Anschlägen wie denen in Paris zwar groß erscheinen. Doch tatsächlich ist sie statistisch sehr gering. Das Risiko, durch einen Autounfall zu sterben, ist deutlich größer. Und trotzdem fahren wir weiterhin Auto. 43 Prozent aller Menschen sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen - und kaum jemand verändert seinen ungesunden Lebensstil. Ganz im Gegenteil: Durch zu wenig Bewegung und falsche Ernährung steuern wir sogar zielgerichtet auf den Herztod zu. Wir unterschätzen die realen Gefahren und ängstigen uns zu sehr vor abstrakten.

Aber ist Angst nicht auch ein sinnvolles Gefühl?

Angst kann durchaus sinnvoll sein, indem sie uns vorsichtig werden lässt. Allerdings darf sie uns nicht lähmen. Wer jetzt aus Terrorangst nicht mehr aus dem Haus geht, handelt falsch. Sich zu verkriechen, ist eine denkbar ungünstige Reaktion. Wer so reagiert, versetzt sich selbst in Angst und sorgt sogar dafür, dass diese sich verselbstständigt und nach einer gewissen Zeit nur noch schwer zu überwinden ist.

Also, weitermachen wie bisher - erst recht und trotzdem? Ist das die richtige Reaktion?

Ja. Nicht nur, um den Terroristen zu zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen. Sondern auch, um das eigene mulmige Gefühl in den Griff zu bekommen. Manch einer mag Angst haben, auf Weihnachtsmärkte zu gehen, Fußballspiele zu besuchen, mit dem Zug zu fahren oder den Flughafen in Frankfurt zu betreten. Aber mit Vermeiden würde ich erst gar nicht beginnen. Sonst müsste man diese Haltung ein ganzes Leben lang durchziehen. Denn an der abstrakten Gefahr wird sich in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum etwas ändern.

Das klingt alles nachvollziehbar und logisch. Wenn man dann allerdings zurzeit an einem großen Bahnhof steht, fühlt es sich anders an. Man fängt an, die Umgebung ganz genau zu beobachten.

Das ist richtig. Ich war selbst vor kurzem am Hauptbahnhof in München und habe in einer amerikanischen Kaffeehauskette einen Platz gesucht. Ein junger Mann, arabischer Herkunft, mit Bart stand auf. Ich habe mich über den freien Platz gefreut, bis ich einen schwarzen Rucksack unter dem Tisch entdeckte, den der junge Mann zurückgelassen hatte. Mein erster Gedanke war: Herrje, genau so würde ich es machen, wenn ich ein Terrorist wäre. Dann habe ich mir gesagt: Stell dich nicht so an, schau rein. Die Wahrscheinlichkeit, dass keine Bombe drin ist, liegt bei 99 Prozent. Schließlich habe ich aber doch einen Mitarbeiter informiert.

Ein Angstforscher, der Angst hat, macht mir Angst.

Man denkt immer, ein Angstforscher ist frei von jeglicher Angst. Er soll sich Vogelspinnen auf die Hand setzen oder in zehn Metern Höhe auf einem Sprungbrett herumturnen. Dabei bin ich auch ängstlich. Ängste sind menschlich, und ich habe durchaus Verständnis dafür. Ein paar Tage nach einem Anschlag bin ich auch misstrauisch. Das darf man auch zugeben und sagen, ohne dass sich jemand lustig macht. Am Bahnhof in München habe ich zwar keine Panik gefühlt, aber ich würde wieder so handeln und einen Mitarbeiter informieren. Auch wenn ich einen Sturm im Wasserglas produziere.

Was kam heraus?

Es hat sich zum Glück alles schnell aufgelöst. Just in dem Moment, als ich den Mitarbeiter informiert hatte, kam der junge Mann zurück. Er sagte, dass er ihn vergessen habe - und zog damit ab.  

Ihr Beispiel zeigt auch, wie schnell jemand unter Verdacht geraten kann. Die gefühlte Angst droht auch den Umgang mit Flüchtlingen zu beeinflussen. Wie lässt sich dagegen angehen?

Es wäre schlimm, wenn wir Flüchtlinge nun unter Generalverdacht stellen. Viele von ihnen sind genau vor dem Terror geflohen, den wir nun erleben. Manche unserer Ängste sind Relikte aus der Vergangenheit, etwa die Spinnenangst. Sie ist, logisch betrachtet, vollkommen abwegig. Es gibt in Deutschland keine gefährlichen Spinnen mehr. Abbauen lässt sich eine solche Angst durch Konfrontation. Ähnlich ist es mit unserer Urangst vor allem Fremden. Wenn wir Menschen aus anderen Ländern, etwa Flüchtlingen aus Syrien, begegnen, sie kennenlernen und merken, dass sie in der Regel freundliche Menschen und keine Fanatiker sind, dann ist das wohl die beste Methode, um Fremdenangst zu bekämpfen. 

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(