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Vogelgrippe: EU setzt alles Federvieh auf den Index

Die Furcht vor der Vogelgrippe treibt die Politik zu immer neuen Verboten: Ab Dienstag dürfen exotische Vögel nicht mehr in die Europäische Union importiert werden.

Die Europäische Union will wegen der Vogelgrippe den Import von Zier- und Wildvögeln komplett verbieten. Das Verbot soll schon von diesem Dienstag an gelten, berichtete Bundeslandwirtschaftsminister Jürgen Trittin (Grüne) am Rande eines Treffens mit seinen EU-Kollegen am Montag in Luxemburg. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO hat Europa die "goldene Chance", einen Seuchenzug der Vogelgrippe zu verhindern. In Deutschland wird die Vogelgrippegefahr nach Experteneinschätzung in den kommenden Jahren allerdings zunehmen. Fachleute aus mehr als 30 Ländern wollten am Abend (Ortszeit) im kanadischen Ottawa über eine globale Strategie gegen die Vogelgrippe beraten.

Trittin begrüßte den Vorstoß von EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou für einen Ziervogel-Importstopp als richtig und nötig. "Es ist nicht zu vertreten, dass Millionen Tiere und eben auch wirtschaftliche Existenzen durch den Handel mit exotischen Vögeln gefährdet werden sollen", sagte der Minister. "Die Vogelgrippe können wir nur in einem EU-weit einheitlichen Vorgehen bekämpfen."

Europa soll aus Asiens Fehlern lernen

Außer Deutschland hatte sich unter anderem Großbritannien für ein Importverbot stark gemacht. Dort war am Wochenende das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 bei einem verendeten Papagei in einer Quarantänestation festgestellt worden. Ein Krisenstab der UN-Konvention über wandernde Tierarten (CMS) forderte ein weltweites Verbot des Wildvogelhandels zur Eindämmung der Vogelgrippe. Außerdem sei eine weltweite Überwachung der Krankheit nötig, hob das CMS-Büro in Bonn hervor.

Die WHO betonte bei einem Arbeitstreffen der 52 Mitgliedstaaten in Kopenhagen, die europäischen Länder verfügten über das Geld, das Engagement und die nötige Transparenz für eine Eindämmung der Vogelgrippe. "Europa hat eine goldene Chance, von den Erfolgen und Fehlern bei uns in Asien zu lernen", sagte der asiatische WHO-Regionalchef Shigeru Omi. Den WHO-Angaben zufolge haben sich in Asien bisher 118 Menschen mit dem Vogelgrippevirus H5N1 angesteckt, in Europa dagegen noch keiner.

Es bestehe derzeit kein "ernsthaftes Problem mit Blick auf die Ansteckung von Menschen", sagte WHO-Sprecher Fernand Sauer. In der Debatte werde zu oft die reale Ausbreitung einer Tierseuche mit den potenziellen Gefahren für Menschen in einen Topf geworfen, die in Europa gegenwärtig nicht betroffen seien. "Derzeit haben es unsere Kollegen in der Tiermedizin mit einer akuten Notsituation zu tun. Im Bereich der Humanmedizin ist das aber absolut nicht der Fall."

Ranger sammeln Kot von Enten und Gänsen

Der bayerische Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU) verlangte eine Grundgesetzänderung, um die Vorsorge gegen internationale Gesundheitsgefahren wie eine Grippe-Pandemie in die Hände des Bundes zu legen. "Die Länderzuständigkeit kann nicht der Weg sein", sagte Schnappauf dem ZDF-Wirtschaftsmagazin "Wiso". Eine von gesetzlichen wie auch privaten Kassen finanzierte Bevorratung von Medikamenten könne eine effektive Vorsorge und im Falle einer Pandemie eine schnelle Handlungsfähigkeit gewährleisten. Wegen der zahlreichen Einzelverträge wird der von den Bundesländern bereits georderte Vorrat an antiviralen Medikamenten nach "Wiso"-Informationen voraussichtlich erst im Juli kommenden Jahres vollständig sein.

Um ein mögliches Einschleppen der Vogelgrippe durch Wasservögel zu überwachen, sammeln im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Park-Ranger derzeit Kotproben von Gänsen und Enten. Vogelgrippeviren, die mit dem Kot abgegeben werden, halten sich nach Angaben des Nationalparkamts im Wasser bis zu einen Monat. Die Gefahr einer Verbreitung der Tierkrankheit über Wat- und Wasservögel sei daher am wahrscheinlichsten, hieß es. Künftig könnten immer mehr Wasservogelarten zu Virenträgern werden, da Tiere aus verschiedenen Herkunftsgebieten sich europaweit an den Rastplätzen austauschen und gegenseitig anstecken könnten.

Zu der Vogelgrippetagung in Ottawa wurden Gesundheitsminister und Vertreter internationaler Gesundheitsorganisationen erwartet. Auch die Europäische Union, die Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN) und das Bundesgesundheitsministerium wollten Vertreter schicken. Die Experten wollten darüber diskutieren, wie auf eine mögliche Epidemie der tödlichen Vogelkrankheit reagiert werden soll. Dabei sollte es auch um die Entwicklung von Impfstoffen gehen.

DPA / DPA

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