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Golden-Globe-Anwärter "The Tourist": Der Wendepunkt des Florian Henckel von Donnersmarck

Gerade hat ihn die US-Presse für "The Tourist" massakriert. Doch am Dienstag präsentierte sich Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck der Berliner Presse als Golden-Globe-Nominee. Geholfen hat ihm das nur bedingt.

Von Sophie Albers

Seit fast zwei Stunden wartet die Presse auf Angelina Jolie, Johnny Depp und Florian Henckel von Donnersmarck. Der deutsche Regisseur (mit dem Oscar für seinen Erstling "Das Leben der Anderen") und die beiden Hollywoodstars wollen eigentlich ihren Film "The Tourist" vorstellen. Aber die Tür neben der Tribüne im Hotel Adlon bleibt geschlossen.

Erst wird gewitzelt, dass Donnersmarck sich wegen der vernichtenden Kritiken in den USA nicht heraustraue. Dann heißt, es, Johnny Depps Flieger sei im Schnee stecken geblieben, woraus kurz darauf ein Darminfekt bei dem "Fluch der Karibik"-Helden wird. Doch dann, endlich, nachdem im Land der groben Worte erste Nominierungen für die Golden Globes bekannt gegeben worden sind und "The Tourist" gleich drei Mal darunter ist, geht die Tür auf.

Kaffeewerbung

Heraus kommt erst einmal ein Mann mit einem Aschenbecher für Johnny Depp, dann die schon wieder ein bisschen dünnere Jolie im schwarzen Kleid, überragt vom hünenhaft großen Donnersmarck, dem der professionell zerfledderte Depp folgt. Alle grinsend. Die Journalisten sind etwas verwirrt. Eine Minute zuvor war Donnersmarck schließlich noch der Verlierer. Doch was kümmern den Grafen die Neuigkeiten von gestern. So beginnt eine Show, die irgendwie an die Kaffeewerbung mit Gräfin Stephanie von Pfuel erinnert. Harmonisch muss es sein.

Nachdem Jolie und Depp ihren Regisseur zu einem Genie erklärt haben, von dem so ungefähr noch Stanley Kubrick etwas lernen könnte (Jolie: "Ich wollte in seinen Händen sein", Depp: "Perfekteres Kino geht nicht"), grinst Donnersmarck, schmiert sich die Kai-Diekmann-Haare nach hinten und verteilt ein paar Plattitüden über gute Schauspieler. Auf die Golden-Globe-Nominierung angesprochen sagt er, dass er sich auf die Veranstaltung freue, schließlich kenne er sie ja schon. Depp raucht, Jolie lacht. Und im Saal wird getuschelt, dass die US-Kritiker weniger Probleme mit dem Film als mit dem ebenfalls hünenhaften Ego seines Regisseurs hatten.

Welche Kritiker?

Auf der Tribüne wird ein Witz über seinen langen Namen gemacht - "Wir nannten ihn immer nur Florian" -, und dann, endlich, hat die Teflonharmonie tatsächlich Pause. Aber nur kurz. Sofort beginnt Donnersmarck mit dem Spiel: "Was ich nicht sehe, existiert nicht". Denn es gibt nichts, das man nicht zerreden könnte:

Welche harschen Kritiken? Für ihn gebe es nicht die Gruppe "der Kritiker", so Donnersmarck, das seien doch alles unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen. Und außerdem "macht man Filme nicht für seine Kritiker", sondern hoffe, dass das Publikum einen versteht, erklärt der 37-Jährige, dessen seltsame Kälte irgendwie auch Jolie hat einfrieren lassen. Nur Depp reißt noch ein paar Witzchen. Man selbst sei der Maßstab, und müsse sich über alles andere hinwegtrösten können, so der Graf. Die letzte schiefe Ecke der Harmonie biegt er gerade, indem er darauf hinweist, dass "The Tourist" genau der Film sei, den er mit seiner Frau und seinen drei Kindern zu Weihnachten sehen wolle. Aber der ist doch erst ab zwölf, Herr Donnersmarck. Der schwärmt jedoch schon von "all der Spannung, dem Witz und der beschaulichen Schönheit" des eigenen Werkes.

Dann geht es um die Chemie zwischen Jolie und Depp, die einigen Zuschauern nicht ausgeprägt genug war. Aber auch die gibt es laut Donnersmarck gar nicht. Schon Sidney Pollack habe ihm immer gesagt: "Es gibt keine Chemie, es gibt nur gute Schauspieler." Ja dann. Das Budget von 100 Millionen Dollar, von dem die Rede ist, gibt es übrigens auch nicht. Das seien alles Spekulationen. Zuguterletzt räumt er auch noch mit den Stars auf: Auch die gebe es nicht, schließt Donnersmarck. Jolie und Depp seien einfach sehr gute Schauspieler.

Keine Kritiker, kein Budget, keine Chemie, keine Stars. Warum sollen wir eigentlich ins Kino gehen?