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Interview

Kim Petras: "'Die Transe aus dem Fernsehen'? Ich möchte als Sängerin bekannt sein"

In den USA gilt sie als kommender Popstar, in Deutschland kennt man sie vor allem als Transsexuelle. Im Gespräch mit dem stern spricht Kim Petras über ihre Musikkarriere – und erzählt, warum Halloween ihr Lieblingsfest ist.

Von Christine Kruttschnitt

Kim Petras

Kim Petras wurde am 27. August 1992 in Köln als Tim Petras geboren. Sie ist die weltweit jüngste Transsexuelle, deren Geschlecht erfolgreich operativ angeglichen werden konnte. Mittlerweile lebt die Sängerin in den USA.

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Frau Petras, wollen wir gleich oder lieber erst später über das Thema reden, das Sie berühmt gemacht hat?
Ich wünschte, Sie meinten meine Musik.

Aber Sie ahnen, dass diejenigen, die Ihren Namen kennen, sich vor allem an Ihre Auftritte bei stern TV und in anderen TV-Dokumentationen erinnern?
Als "die Transe aus dem Fernsehen", ja. Ich hoffe dennoch, dass ich bald hauptsächlich als Sängerin bekannt bin und nicht nur als die jüngste Transsexuelle Deutschlands oder der Welt oder was immer damals über mich geschrieben wurde. 

In Amerika haben Sie Ihr Ziel erreicht: Da werden Sie als Pop-Prinzessin vom Schlage Britney Spears' gefeiert.
Ja, das ist richtig cool. Es macht mich stolz, dass ich als Trans-Girl nun ein regulärer Pop-Star werde. Darauf habe ich lange genug gewartet! 

Gerade haben Sie neue Grusel-Songs zu Halloween herausgebracht wie schon letztes Jahr um diese Zeit. Mit "Turn Off The Light, Vol. 2", schrieb ein Fan, übernehmen Sie jetzt Halloween wie Mariah Carey einst Weihnachten.
Halloween ist mein Lieblingsfest! Da kann ich der Bösewicht sein, der Psychokiller … 

Sie singen: "I'm a sickness, I am contagious, I’m a demon ...": Spielen Sie da mit den Vorurteilen und dem Missbehagen mancher Zuhörer, was Ihre Transsexualität angeht?
Ich weiß, dass es leider immer noch genug Leute gibt, die Transsexualität für freaky halten. Aber so sehr ich das ändern will: Ich habe noch nie in meinen Songs direkt über dieses Thema geschrieben. Allein die Vorstellung, ich würde meine Identität und Vergangenheit derart vermarkten, finde ich ekelhaft. Musik handelt von Gefühlen, Träumen und Fantasien – das Geschlecht der Sänger ist meiner Meinung nach nicht ausschlaggebend.

Welche Rolle spielt Ihre besondere Geschichte in Ihrer Karriere?
Grundsätzlich: Für meine Karriere ist die Qualität der Songs entscheidend, nichts sonst. Wenn die Musik nichts taugt, ist es völlig egal, was für eine Message du rüberbringen willst oder was für einen Look du promotest und wie du tanzt. Das ganze package besteht zu 90 Prozent aus dem Song und nur zu 10 Prozent aus der Verkaufe. Aber klar wollten die Leute bisher mit mir hauptsächlich über meine Geschichte reden, auch wenn das voll abgelenkt hat von der Musik.

Der amerikanischen Musik-Bibel "Billboard" haben Sie gesagt: "Ich will ein riesiger Star werden!"
Will ich auch. Aber am Anfang waren die Plattenfirmen überhaupt nicht an meiner Musik interessiert. Ich bin immer los zu diesen Meetings mit einem Freund, der hat Gitarre gespielt, ich habe gesungen. Die Studio-Leute sagten: Steh mal auf, beweg dich, tu so, als wäre das dein Video! Und ich wusste, es ging überall und immer nur darum, dass ich transsexuell bin. Ganz viele Produzenten wollten nur über dieses eine Thema reden, vergiss die Musik! Bei einem großen Label haben sie sogar gefragt, ob ich transsexuell bin, weil es gerade trendy ist. So als hätte ich beschlossen, mal vegan zu werden! Andere wollten nichts mit mir zu tun haben, weil meine Existenz gegen Gott geht, das war zum Teil ganz schön bitter. 

Würden Sie Ihre Identität als Transsexuelle lieber totschweigen?
Totaler Quatsch, ich will unbedingt den Transsexuellen helfen, ich stehe voll zu meiner Geschichte und engagiere mich immer für die Community, also die Schwulen und Lesben und Trans-Leute. Aber ich bin auch verdammt stolz auf meine Arbeit und mein Talent. Es ist schwer, die Balance zu finden zwischen einerseits meiner persönlichen Geschichte und Rolle als LGBTQ-Botschafterin und andererseits meinem Ziel, als Sängerin und Songwriterin Erfolg zu haben – einfach mit meiner Musik, nicht meiner Sexualität. 

Welches Ziel verfolgen Sie als "Botschafterin"?
Die Leute müssen lernen, dass Transsexualität eine normale Sache ist. Eltern sollen ihre Kinder nicht zwingen, im falschen Geschlecht zu leben. Manche denken ja, ihr Kind könnte nie ein “normales” Leben führen und nie etwas erreichen. Ich will ein gutes Beispiel dafür sein, dass man trotzdem ganz ok werden kann. Und ich habe meine ganze Kindheit nur der OP entgegengefiebert. 

Sie waren zehn, als Sie mit der Hormontherapie begannen, und erst 16, als Sie sich operieren ließen. Sie brauchten eine Sondergenehmigung der behandelnden Ärzte und Psychologen und natürlich Ihrer Eltern. Hatten Sie nicht auch Angst vor diesem Schritt?
Klar war mir ein wenig mulmig, das war meine allererste Operation überhaupt. Und die Schmerzen danach waren heftig. Aber trotzdem war ich wahnsinnig glücklich. Heute denke ich darüber gar nicht mehr viel nach. Das Wichtigste ist einfach, ich hasse mich und meinen Körper nicht mehr: Und das muss man den Eltern transsexueller Kinder klarmachen.

Sie wurden von einigen Ärzten auch als verrückt erklärt und an der Schule gemobbt, weil Sie in Mädchenkleidern zum Unterricht kamen, damals aber offiziell noch den Jungsnamen "Tim" trugen. Sahen Sie sich immer schon als superblonde, sexy Pop-Diva?
Naja, ich war früher extrem unsicher. Zum Beispiel habe ich meine Singles lange ohne Foto veröffentlicht, weil ich wusste, welche Kommentare da abgegeben werden – "hm, also, das Kinn sieht aber schon sehr männlich aus …" Brutal, aber im Internet haben die Leute bekanntlich keinen Filter. 

Sie sind eine öffentliche Person, da liegt die Gürtellinie tiefer.
Ja, ist schon krass manchmal. Ob Männer oder Frauen den besseren Sex haben, wurde ich mal gefragt. Come on! Geht’s noch geschmackloser? 

Offenbar nahm der unbedarfte Frager an, dass Sie sich in beiden Geschlechtern auskennen.
Was für ein Blödsinn, ich war immer ein Mädchen, ich war nie ein Mann, und ich habe keine Ahnung, was in Männern vorgeht.

Ihre ersten Erfolge feierten Sie in Gay-Clubs.
Mit Schwulen komme ich großartig aus. Ich habe Drag-Queen-Freunde, ich habe lesbische Freundinnen, ich mag die Schwulen einfach. 

Da sind Sie ja in West-Hollywood, der Schwulen-Hochburg von Los Angeles, genau richtig.
Ich liebe meine neue Nachbarschaft! Ich bin erst vor einigen Monaten hierher gezogen, vorher wohnte ich am Hollywood-Boulevard, dort, wo sich die Filmstar-Doppelgänger von den Touristen fotografieren lassen – so eine dreckige, scheußliche Gegend. Meine ersten Schwulen-Clubs habe ich übrigens in New York bespielt. New York ist meine Lieblingsstadt. Aber die komplette Musikindustrie ist mittlerweile in Los Angeles.

Fühlten Sie sich in der Heimat unverstanden?
Ich bin "zu Pop"! Das habe ich mir immer anhören müssen, wenn ich bei deutschen Plattenlabels vorsprach. Die deutsche Musikindustrie ist hauptsächlich interessiert an Gitarren und Emo. Ich habe einfach niemanden gefunden, der mit mir Bubblegum machen wollte. 

Das war es, was Sie geschrieben haben?
Seit meinem zwölften Lebensjahr! Ich saß bei uns zu Hause im Keller und dachte mir amerikanische Popsongs aus. 

Auf Englisch?
Immer. Ich schaute mir Filme und Serien im Original an, und wenn mir Sätze und Formulierungen gefielen, kamen die in meine Lyrics. Ich habe ein gutes Ohr für Wörter, die cool klingen.

So wie "Woo-ahh".
Das ist mein Markenzeichen (lacht). Einfach ein Sound, der mir gefällt. Das Größte, was ich in Deutschland hinbekommen habe, war die Musik für einen Werbespot von "Vernell". Der lief immerhin zwei Monate oder so. Wurde aber kein Klassiker.

Ein US-Kritiker nennt Sie die Pop-Regentin der kommenden Dekade in der Tradition von Madonna, den Spice Girls, Britney Spears und Lady Gaga. Daran gemessen, klingen Ihre Anfänge nicht sehr glamourös.
Nee, wirklich nicht. Als Kind saß ich die meiste Zeit allein zu Hause und schrieb meine Songs: jeden Tag einen, das war mein Ehrgeiz. Mein erster handelte von einem Jungen an der Schule, für den ich schwärmte, und der mich nicht besonders mochte. Der Song war ziemlich schlecht, aber ich war besessen von der Idee, Songwriterin zu werden. Ich hatte im Fernsehen eine Dokumentation über Carole King gesehen, da wollte ich hin. Und werden wie sie und die Bee Gees und Blondie. 

Das sind Ihre musikalischen Vorbilder?
Sagen wir so: Es gibt derzeit definitiv einen Mainstream-Sound, von dem ich weiß, dass ich nicht dazugehöre. Der hört sich eher entspannt an, ein bisschen zurückgenommen. Aber meine Songs sind beeinflusst von Madonnas "Material Girl" und "Do You Really Want To Hurt Me" von Culture Club. Diese Nummern sind der Grund, weshalb ich Musik mache! 

Als Sie vor sechs Jahren nach Los Angeles zogen, kannten Sie da schon Leute aus dem Business?
Hauptsächlich durchs Internet, weil ich als Teenager meine Songs auf Youtube gepostet habe. Ich schrieb drei, vier Songs am Tag und schickte sie an Plattenfirmen, das zog ich mehr als zwei Jahre durch. Bis dann Fergie von den Black Eyed Peas einen der 200 Songs aufgenommen hat, die ich damals auf dem Zettel hatte. Das sollte ihre Comeback-Single werden. Für kurze Zeit war ich echt heiß, alle Produzenten wollten mit mir arbeiten. Allerdings hat Fergie die Nummer nie herausgebracht.

Sie selbst sind nicht bei einer traditionellen Plattenfirma unter Vertrag, sondern veröffentlichen beim digitalen Musikvertrieb AWAL, Artists Without a Label, so wie auch Moby, Thom Yorke und Neneh Cherry. Warum?
Viele Künstler haben mir erzählt, dass ihre Label ihnen verbieten, neue Songs zu veröffentlichen, damit sie nicht ins Fahrwasser eines größeren Stars aus dem gleichen Haus geraten. Da wird dann so eine aufstrebende Karriere total gestoppt, weil Taylor Swift ein neues Album rausbringt oder weil sich die ganze Firma auf The Weeknd konzentriert. Wie soll man da als neuer Künstler was werden! Hätte ich bei einer großen Firma unterschrieben, wäre ich jetzt schon "ge-shelvt" – das heißt, sie behalten dich im Label, weil sie nicht wollen, dass du bei der Konkurrenz unterschreibst, aber sie geben dir kein Budget, du darfst nichts veröffentlichen. Man steht quasi nur im Regal.

Klingt entmutigend.
Meine Unabhängigkeit ist mir heilig. Bei AWAL behält man die Rechte an seinem Song. Ich kann alles selbst machen – was ich unbedingt will –, die Firma kümmert sich nur darum, dass meine Musik veröffentlicht wird. Vor knapp drei Jahren kam meine erste Single raus: "I Don't Want It At All", die wurde in so ziemlich jedem Schwulenclub Amerikas gespielt. Für mich war das ein Riesenerfolg, aber für ein "großes" Label wäre ich ein kleiner Fisch, eben Nischen-Programm. Die hätten mich nicht promotet. Ich aber bin gereist und gereist und habe meine Platte beworben und mir meine Fan-Gemeinde aufgebaut. 

"I Don't Want It All" ist eine Art "Material Girl" für Ihre Generation.
Ich wollte einen lustigen Song darüber machen, was man als L.A.-Mädchen so erlebt! Ich wohnte damals in WGs oder surfte von Couch zu Couch, hatte überhaupt kein Geld, aber alles um mich herum drehte sich ums Einkaufen und Klamotten und Luxus! Eine Bekannte von mir fragte Paris Hilton, ob sie in meinem Video mitspielen wollte, und die sagte: Ich bin dabei!

"Wir sehen wie Schwestern aus!", haben Sie damals über das Video gescherzt.
Ich fand's toll, aber ein bisschen ging die Geschichte auch nach hinten los. Viele dachten, ich sei total oberflächlich und schlicht, eben wie das Image von Paris. Ein Freund erzählte mir mal, Madonna habe sich fast nicht von "Material Girl" erholt, man warf ihr vor, Männer auszunützen für Geld … also, die Leute haben keinen Humor. Ich liebe "Material Girl"! Ich bewundere Frauen, die kriegen, was sie wollen. 

Ihr Produzent Dr. Luke hat Sie mit Larry Rudolph zusammengebracht, dem Manager auch von Britney Spears, Miley Cyrus und Justin Timberlake. Von ihm stammt der Satz: "Ich bin im Star-Geschäft, und Kim ist ein Star." Ihre Transsexualität nennt er eine "Fußnote".
Das müssen die Industrie-Leute auch noch kapieren. Die glauben nicht, dass man transsexuell und trotzdem lukrativ sein kann. Und dann war meine Tour in fünf Minuten ausverkauft!

Ihre neue Tour, die Sie Anfang 2020 nach Hamburg, Berlin und Köln führt, heißt, wie Ihre Debüt-LP, “Clarity”. Der Name als Programm?
Ja, ich sehe alles ganz klar. Für meine frühen Singles habe ich mir immer Rollen ausgedacht, weil ich glaubte, mein Leben sei nicht interessant genug. Aber jetzt schreibe ich ganz offen, wie es mir so geht, wenn ich von der Bühne runterkomme. Ich merke einfach, dass meine Fans wissen wollen, was ich zu sagen habe. Was wirklich in mir vorgeht. 

Bereuen Sie manchmal die Offenheit, mit der Sie als Kind über Ihr Seelenleben gesprochen haben?
Über meinen Doktor hat stern TV mich damals gefragt, ob ich mich interviewen lassen will. Ich bekomme heute noch Briefe von Leuten, die sagen, du hast mir Mut gegeben. Darauf bin ich stolz. Aber wenn ich zurückschaue, habe ich doch auch einige gruselige Sachen erlebt.

Fühlten Sie sich ausgenutzt?
Eher gedrängt, Dinge zu tun, die ich nicht wollte. Ich war halt ein Kind, ich kann mich erinnern, dass beim Arzt einmal meine Eltern kurz vor die Tür gingen und die Kameraleute zum Doktor sagten, so, jetzt untersuch mal die Brüste! Die wurden zwar ausgepixelt, aber es kam eben im Fernsehen, und die ganze Schule hat es gesehen. Das war total peinlich, und ich wurde noch mehr gemobbt. 

Haben Sie sich nicht beschwert?
Nein, ich wollte damals die Berichterstattung auf keinen Fall kritisieren, im Gegenteil. Ich wollte ja dieses Bild projizieren vom Trans-Mädchen Kim, das Glück hat, weil seine Eltern es verstehen und unterstützen und das ganz normal leben kann. 

Und in dieser stressigen Zeit flüchteten Sie sich in die Musik?
Pop war mein Lebensretter. Es gab Zeiten, da rannte ich jeden Tag von der Schule nach Hause und tauchte ab in Gwen-Stefani-Videos, sodass ich nicht über mein Leben nachdenken musste. Gwen, Britney und Madonna waren damals meine einzigen Freunde. Das ist heute mein Ziel: Meine Musik soll wegführen von den Problemen im Alltag.

Sie singen von Liebe, Sex und so weiter, auf Ihrem neuen Album auch von enttäuschter Liebe.
Weil ich zum ersten Mal betrogen worden bin. Ich war völlig am Boden! Früher spielte ich so richtig die Superheldin auf der Bühne, war immer gut drauf. Aber nachdem mir das passiert ist, wollte ich ehrlich sein mit meinen Fans und zeigen, dass es mir auch nicht besser geht als anderen Frauen. "Icy" ist meine Befreiungshymne. Da sage ich dem Typen: Baby, in Wahrheit du hast mir einen Gefallen getan! Du hast mich stärker gemacht! Ich bin also aus dieser Beziehung raus und habe mir gesagt: Ich bin Single und fabelhaft. 

Den Namen Ihres Ex verschweigen Sie, er war "so ein Berühmter". Haben Sie generell Glück mit Männern?

Nee, ich suche mir immer die Falschen aus und stürze mich in Beziehungen, die meistens nicht gut für mich ausgehen. Mein gebrochenes Herz verarbeite ich dann in meinen Songs.

Sie sind befreundet mit transsexuellen Youtube-Stars wie Nikita Dragun und Gia Gunn, kennen Caitlyn Jenner aus dem Kardashian-Klan, die auf dem Cover von "Vanity Fair" posierte. Erleichtert die mediale Präsenz dieser Celebrities den Alltag der LGBTQ-Szene im konservativen Amerika?
Einerseits ja. Vieles wird normaler oder ist kein Thema mehr. Zum Beispiel wurde zum ersten Mal die "Gay Pride"-Schwulenparade im US-Fernsehen übertragen, das ist schon mal was. Und neulich im Frühstücksfernsehen habe ich Laverne Cox gesehen …

... die Schauspielerin aus "Orange is the new Black", die in der Serie eine Trans-Frau spielt und im wahren Leben auch ist …
... und sie wurde nach ihrem neuen Film befragt und nicht nach ihrer Geschlechtsoperation. Kein Wort dazu! Das finde ich schon mal super. Andererseits kommt schon wieder der Backlash: Die Leute regen sich auf, wie "lukrativ" es sei, trans oder schwul zu sein. Das ist so verlogen. In Amerika werden Trans-Frauen bedroht und ermordet, aber wenn sie im Fernsehen Erfolg haben, heißt es: Na, das haben sie aber nicht verdient.

Man sollte Internet-Hater nicht überbewerten.
Ich sehe das Internet als Unterhaltung, mehr nicht. Ich mache da lustige Sprüche, rede mit meinen Fans – aber alles Superwichtige muss draußen bleiben. Das Internet ist nicht die richtige Welt. Aber dann wieder wird's total ernst, wenn der Präsident auf Twitter loslegt.

Folgen Sie ihm?
Nein, auf keinen Fall!

Werden Sie bald Amerikanerin?
Ich will hier wohnen bleiben, irgendwann mal ein Haus haben. Derzeit bemühe ich mich um eine Green Card, aber ich will meinen deutschen Pass behalten.  

Sind Sie Kontakt mit Ihrer Familie in Deutschland?
Zu meiner Mutter habe ich eine sehr gute Beziehung, sie ist mein Vorbild, und wir hören jeden Tag voneinander. Sie ist auf Twitter, was einerseits süß ist, aber manchmal auch ein Problem. Neulich war hier in L.A. ein Erdbeben, da hat sie mich bombardiert mit besorgten Fragen, obwohl ich zu dem Zeitpunkt gar nicht in der Stadt war. Meine Eltern kommen immer zu meinen Konzerten und verfolgen meine Karriere im Internet. Sie finden alles, was ich mache, mega! (lacht)

Ihr Vater ist Architekt. Hat Sie so ein Beruf nie gereizt?
Und wie, ich wollte als Kind "Imagineer" für Disney werden, Achterbahnen bauen. Ich liebe Vergnügungsparks! Wenn ich mal Freizeit habe, zieht es mich ins Disneyland. Mein Vater gab mir damals die Konstruktionspläne von Achterbahnen, und ich spielte mit dem Gedanken, Architektur zu studieren … 

Aber?
Dann habe ich gemerkt, dass ich dafür gut in Mathe sein muss. Nee, habe ich mir gesagt. Dann lieber Popstar.