Stephen Colbert (62) hat am Donnerstagabend (21. Mai) nach elf Jahren die Moderation der "Late Show" auf CBS abgegeben. Inklusive gezielter Spitzen gegen den Sender, der die Sendung aufs Abstellgleis geschoben hatte.
Bereits die Eröffnungsminuten begann mit geplantem Chaos. Bryan Cranston platzte in den Eröffnungsmonolog und war sichtlich verstimmt, als Colbert ihm eröffnete, die Gästeliste sei bereits zu voll. "Warum zur Hölle bin ich dann hier?", entrüstete sich der Schauspieler und stürmte aus dem Theater. Kurz darauf meldete sich Paul Rudd zu Wort, der ankündigte, ein "sehr langes Gedicht" vortragen zu wollen.
Prominenz auf der Tribüne
Neben Rudd wartete auch Tim Meadows geduldig auf seinen Auftritt, vergebens. Sein Kommentar: "Du kannst mich mal, Colbert!" Tig Notaro saß im Publikum, betonte aber, dass sie gar nicht auftreten wolle, sie besuche schlicht gern "historische Ereignisse". Ryan Reynolds, der ebenfalls nicht als letzter Gast geführt wurde, fasste seinen Schmerz in einem einzigen Wort zusammen: "Autsch!"
Colbert hatte zuvor verkündet, sein Traumgast für die letzte Ausgabe wäre Papst Leo XIV. gewesen. Stattdessen rettete Paul McCartney den Abend und wurde zum letzten offiziellen Gast der Sendung. Die Beatles-Legende überreichte Colbert ein gerahmtes Foto der Fab Four aus dem Jahr 1964 - aufgenommen im selben Ed Sullivan Theater, in dem die "Late Show" all die Jahre zu Hause war.
Das große Loch anlachen
Im weiteren Verlauf übernahm ein animiertes "Wurmloch" die Sendung - eine Metapher für den Sender CBS - durch das Jon Stewart, Neil DeGrasse Tyson, John Oliver, Jimmy Fallon, Seth Meyers, Jimmy Kimmel und Elijah Wood auftauchten.
Stewart stellte sich vor das grüne Loch, das sich als Leitmotiv durch die gesamte Sendung zog, und sprach Colbert direkt an: "Siehst du nicht, dass dieses Loch kein Loch ist, sondern eine Metapher?" Er fuhr fort: "Du kannst es nicht ignorieren. Die einzige Wahl, die du hast, ist, wie du hindurchgehst. Du kannst eintreten, kämpfend und schreiend, oder du kannst das tun, was du die letzten 30 Jahre getan hast, wenn dir etwas Dunkles begegnet ist: Du starrst es an und du lachst."
Jimmy Kimmel brachte es auf den Punkt: "Wir sind gekommen, um dir zu sagen, dass wir dich vermissen werden. Late Night wird ohne dich nicht mehr dasselbe sein."
Nachdenkliche Bilanz
Colbert selbst zog eine nachdenkliche Bilanz: "Es sieht aus wie das Ende, und ich wünschte, es wäre nicht so. Aber das ist nicht meine Entscheidung. Alles, was wir entscheiden können, ist, was wir mit der Zeit machen, die uns gegeben ist."
Danach folgte Musik: McCartney, Colbert, Elvis Costello, Jon Batiste und Louis Cato läuteten gemeinsam mit dem Beatles-Klassiker "Hello, Goodbye" die Abschiedszeremonie ein. Dann zogen Colbert und McCartney hinter die Bühne, wo ein Schalter mit der Aufschrift "Late Show" auf sie wartete. McCartney legte den Hebel um - und das Licht im ehrwürdigen Ed Sullivan Theater erlosch.
Das Ende einer Ära
Die Absetzung der "Late Show" hatte CBS im Juli 2025 bekanntgegeben - nur wenige Tage nachdem Colbert den Mutterkonzern des Senders, Paramount, öffentlich für dessen 16-Millionen-Dollar-Vergleich mit US-Präsident Donald Trump kritisiert hatte.
Trump hatte dem Nachrichtenmagazin "60 Minutes" vorgeworfen, ein Interview mit der damaligen Vizepräsidentin Kamala Harris aus dem Jahr 2024 manipulativ geschnitten zu haben. CBS bezeichnete die Absetzung als "rein finanziellen Schritt".