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TV-Kritik

"Duell um die Welt": Sophia Thomalla wird aus dem Heli geschmissen, Klaas gewinnt und Joko jammert

Beim "Duell um die Welt" bleiben Joko und Klaas lieber zuhause und lassen Promis für sich arbeiten. Deren Mut ist ziemlich beeindruckend. Nur einer schafft es dabei ziemlich zu nerven.

Von Andrea Zschocher

Sophia Thomalla lässt sich aus dem Helikopter schmeißen

Belize, Taiwan, Südtirol und Frankreich – alles schöne Reiseziele, oder? Dachten sich immerhin auch mindestens zwei Promis bei "Das Duell um die Welt – Team Joko gegen Team Klaas". Marteria, bekennender Angler, hatte seine Zusage zur Show unter anderem deswegen gegeben, weil er dachte, dass er in Belize die Angel auswerfen könne. Mit Wasser hatte seine Aufgabe einiges zu tun, aber ein Fischfanggerät brauchte er dafür nicht. Stattdessen hieß es: Apnoetauchen, ungefähr 2:30Min die Luft anhalten, 25m tief tauchen (er wurde mit einem Schlitten unter Wasser und wieder an die Oberfläche gezogen) und in der Tiefe einen Pasch würfeln. Zu Beginn des Auftrags, der von einer Ärztin ("Es kann zum Lungenriss kommen") und einem Apnoetaucher begleitet wurde, konnte Marteria die Luft für 38 Sekunden anhalten. Nach einigen Atemzügen an Land und im Wasser meisterte er schließlich die Aufgabe, Punkt für Team Joko und endlich Angeln gehen für den Sänger. Für ihn übrigens das Schönste am ganzen Trip.

Uncoole Aktion: Sophia Thomalla aus Helikopter geschmissen

Sophia Thomalla hatte sich auf Sonne und Strand in Nizza gefreut, endete wegen eines Terminproblems dann aber in Ungarn. Ursprünglich angedacht war, dass die Schauspielerin mit verbundenen Augen von einem Berg aus 500m in die Tiefe springt und so, ganz nebenbei, den Weltrekord im Rope Jump aufstellt. Im Vorfeld musste Thomalla eine Augenbinde tragen, um ihre Sinne für den bevorstehenden Sprung zu schärfen. Angeblich gab es dann Terminschwierigkeiten, das Team wurde informiert, dass der Sprung für den vorangegangen Tag geplant war und am Drehtag keine Crew vor Ort sein würde, um den Sprung durchzuführen, zu begleiten und zu überwachen. Kurzerhand wurde Thomalla also im Auto nach Ungarn gefahren, aber im Unklaren darüber gelassen, dass sich die Ausgangsbedingungen ihrer Aufgabe verändert hatten. Die Schauspielerin wurde in Ungarn in einen Helikopter gesetzt und irgendwann im Flug einfach aus dem Hubschrauber gestoßen. Sie konnte nicht wissen, dass sie an einem Seil gesichert ist, sie wartete darauf, auf dem Berg in Frankreich abgesetzt zu werden und nicht in Ungarn aus einem Heli zu springen. "Die ist kein Püppchen" urteilte Klaas über die Frau, die für sein Team angetreten war. Und was auch immer man von ihr halten möge, die Aktion blind aus einem Hubschrauber geschubst zu werden, nahm sie mit großer Gelassenheit hin, was mindestens mal Respekt verdient hat.

"Kasalla" Thorsten ist aus der Zeit gefallen

Respekt haben auch Simon Gosejohann (Team Klaas) und irgendwie auch Thorsten Legat verdient. Obwohl der Fußballer einem mit seinem ewigen "Kasalla" und über sich selbst in der dritten Person reden schon ordentlich auf die Nerven geht. Dieses Machogehabe und sich selbst aufpumpen, das alles wirkt irritierend und aus der Zeit gefallen. Reden Männer in den besseren Jahren (sprich Ü50) sich wirklich mit "ein Thorsten Legat schafft alles" und "Ich kann's einfach, wahrhaftig, ein Thorsten Legat kann's" Mut zu? Brauchen sie den Applaus von sich selbst, weil sonst niemand klatscht? Die Aufgabe, auf einem Felsvorsprung in 2800m Höhe auf einem sehr kleinen Fußballteppich einen Ball 30 mal in der Luft zu halten, die kann sicher nicht jeder, aber so bescheuert-selbstbeweihräuchernd daherlabern, das sicher auch nicht. Irritierend auch, wie der Mann sofort seine Fitness unter Beweis stellte und nach der Begrüßung des Drehteams sofort hüpfende Liegestütze vorführte. An einem Samstagabend, mit Bier und Chips vorm Fernseher, ist so ein aufgedrehter superfitter Ex-Fußballer vielleicht etwas zu viel des Guten.

Joko Winterscheidt schwächelt

Dann doch lieber Joko und Klaas dabei zuschauen, wie sie 20m Laufband leerfuttern müssen. Da fielen reichlich Markennamen von Süß- und Salzwarenherstellern. Schöner wäre doch gewesen, diese Aufgabe hätte einen Dreh ins Dschungelcamp bekommen und zwischen lauter bunten Bonbons wären auch ein paar Rattenschwänze gewesen. Oder Würmer. Oder wenigstens Maden. Da Winterscheidt sich aber schon bei Gummischlangen und Törtchen (fast) übergeben muss, ist die Erwartung hier vielleicht etwas hoch.

Apropos Winterscheidt. Der hatte ja, ohne mit der Wimper zu zucken, Thomalla mit verbundenen Augen aus dem Hubschrauber schubsen lassen. Als er aber auf 2m Höhe auf einer Stange sitzend gegen Klaas kämpfen sollte, jammerte er was von Höhenangst und unfair. An seiner Stelle sollte Gosejohann (eigentlich Team Klaas) spielen, was dieser auch tat. Angeblich ein spontaner Einfall, allerdings wirkte das wenig glaubhaft. Gosejohann (43), wurde von Winterscheidt (40) mehrfach als "Legende" beschworen, als Grund, wieso letzterer überhaupt zum TV kam. Dass die beiden nur drei Jahre und nicht drei Jahrzehnte trennen, ergab sich erst aus einer Recherche, so groß war die Verehrung für den Helden aus Jugendtagen, dass es wirkte, als sei der Ex- Vivamoderator kurz vor der Pensionierung und nicht nur drei Jahre älter als Winterscheidt. Natürlich hat Gosejohann seine Hochzeit mit seiner Sendung "Comedystreet" bereits hinter sich. Aber "Das Duell um die Welt – Team Joko gegen Team Klaas" kann ja für den Mitvierziger zu einem Sprungbrett werden, Winterscheidt wurde jedenfalls nicht müde, seinen Freund ins Spiel zu bringen für neue Comedyformate. Ach, das ist alles soo langweilig.

Böller, Pannen, Happy End

Die Aufgabe Gosejohanns war aber tatsächlich insofern interessant, als das sämtliche Feuerwerksaficinados und Böllerexperten vielleicht ein neues lohnenswertes Ziel in Tainan, einer Stadt in Taiwan, ansteuern werden. Die BewohnerInnen Tainans ballern angeblich in einer Nacht eine Million Raketen aus aufgestellten Wagen und stellen sich in Schutzanzügen vor eben diese. Wer von einer Rakete getroffen wird, dem ist besonderes Glück beschert. Wenn Sie sich also für Hörstürze, Qualm und Böllerei nie bekannten Ausmaßes interessieren, dann könnte das doch was für Sie sein.

Gewonnen hat übrigens zum dritten Mal in Folge Klaas Heufer-Umlauf. Ist aber vielleicht auch nicht ganz so wichtig, denn so richtig scheinen beide Moderatoren nicht zu wissen, wie die Sendung hieß, zu der sie überhaupt angetreten waren. Die Frage nach dem korrekten Titel der Sendung konnte jedenfalls keiner der beiden beantworten. Ist ja aber auch fast egal, wenn man sich gut unterhalten fühlt. Die knapp vierstündige Show hatte ihre Längen, aber alles in allem war es doch ein vergnüglicher Samstagabend. Das lag an den spektakulären Prüfungen, den Frotzeleien zwischen Joko und Klaas und der Moderatorin Jeannine Michaelsen, die beide Männer ganz gut im Griff hatte und ordentlich Paroli bot. "Where is the Haken", wollte Gosejohann bei seiner Challenge wissen. Für den gestrigen Abend gab es eigentlich keinen. Darauf ein Kasalla!