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TV-Kritik zu "Wetten, dass ..?": Grippe-Sprechstunde mit Dr. Lanz

Jennifer Lawrence, Hugh Grant, Toni Garrn - es hätte so viel Celebrity-Gossip auf dem vorletzten "Wetten, dass ..?-Sofa geben können. Markus Lanz fand Smalltalk über Grippe aber spannender.

Von Andrea Zschocher

Am Samstagabend brachte Markus Lanz die vorletzte Ausgabe der ZDF-Show "Wetten, dass ..?" über die Bühne. Im Dezember ist dann nach mehr als 33 Jahren Schluss.

Am Samstagabend brachte Markus Lanz die vorletzte Ausgabe der ZDF-Show "Wetten, dass ..?" über die Bühne. Im Dezember ist dann nach mehr als 33 Jahren Schluss.

Was für ein Spaß", entfährt es Markus Lanz bei dieser vorletzten, 214. "Wetten, dass ..?"-Sendung aus der Grazer Stadthalle. Aber ein Spaß ist das Ganze eigentlich nicht. Drei Stunden lang zieht sich die Sendung wie Gummi, gespickt mit Belanglosigkeiten. All die spannenden Themen, Gossip über die Stars, die da auf dem Sofa Platz nehmen, spart der Moderator aus. Dabei ist die Liebesbeziehung zwischen Model Toni Garrn und dem Hollywoodschauspieler Leonardo di Caprio sicher interessanter als das, was tatsächlich kurz besprochen wurde. Lanz fragt nach der Kindheit des Models, ihrer Entdeckung in Hamburg und der zweifellos wichtigen Arbeit für die Hilfsorganisation "Plan B". Alles herrlich ungefährlich. Garrn sei "so groß" und "so wunderschön". Nun ja, die Frau ist Model, da ist das irgendwie erwartbar.

Erwartbar ist natürlich auch, dass all die Stars, die zu "Wetten, dass ..?" kommen, etwas bewerben möchten. Diesmal waren das: eine Lederhosenkollektion (Andreas Gabalier), einen neuen Film (Jennifer Lawrence, Liam Hemsworth, Hugh Grant und Iris Berben), ein neues Lied (Concita Wurst, One Direction und Herbert Grönemeyer), eine Stiftung und Engagement (Eckhart von Hirschhausen und Toni Garn). Markus Lanz eröffnet diesmal nicht die Show, er lässt Gabalier sein "I sing a Liad für di" anstimmen und spielt das Klavier dazu. Die Kamera schwenkt auf ein Schild im Saal "We love Wetten, dass ..?" steht drauf. Jetzt, wo die Sendung, die am 13. Dezember ein letztes Mal aus Nürnberg gesendet wird, kann man das vielleicht auch mal zeigen, dachten sich die Macher vermutlich.

Die Viren von Iris Berben und Jennifer Lawrence

Das Hauptthema der Sendung war offensichtlich Krankheit. Wer da nicht alles krank war, unglaublich. "Heute haben Sie die einmalige Chance, sich die Viren von Iris Berben und Jennifer Lawrence einzufangen." Noch viel trauriger: Wie Lanz versuchte herauszufinden, wer sich bei wem angesteckt haben könnte. Liam Hemsworth, Jennifer Lawrence und Josh Hutcherson, die drei Stars vom Cast des neusten "Tribute von Panem" - Films waren eingeladen. Aber nur Hemsworth und Lawrence kamen die Showtreppe herunter, die Schauspielerin wirkte bereits stark angeschlagen. Sie rief Lanz sofort ein "Please don´t touch me" entgegen, aber statt eines erhofften Skandals – hatte Lanz sie etwa angefasst? - war die Frau einfach nur sehr krank und hatte Angst jemanden anzustecken.

Josh Hutcherson kam nicht zu "Wetten, dass ..?". Er war zu erkältet. Und schon witterte Lanz eine Verbindung zwischen den beiden. Lawrence war sichtlich irritiert, Hemsworth versuchte den misslungenen Scherz zu retten. Irgendwann gaben sie auf, denn spätestens als Lanz eine unglaubliche Gemeinsamkeit zwischen den Schauspielern aufdeckte, war klar, hier gibt es nichts mehr zu gewinnen. Die Gemeinsamkeit? Sowohl Lawrence als auch Hemsworth haben je noch zwei Brüder. Und sie wussten das angeblich nicht mal voneinander. Das Team um Markus Lanz hat wirklich investigativ ermittelt. An dieser Stelle konnte der Zuschauer aber immerhin erkennen, wie gut die Stars aus Hollywood für Smalltalk trainiert werden. Jennifer Lawrence scherzte fröhlich darüber hinweg und verteile wenig später trotz Ansteckungsgefahr Kuchen an die Fans.

Egal wem die kranke Jennifer Lawrence die Hand schüttelte, stets rief sie ein gut gemeintes "Wash your hands" hinterher. Nur dem Markus Lanz bei der Verabschiedung nicht, ein Schelm wer Böses denkt.

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Gottschalk lebt

Der Auftritt der Teenieband "One Direction" verzögerte sich, einem der Sänger ging es kurz vor dem Auftritt nicht gut. Ob der wohl Jennifer Lawrence auch schnell die Hand geschüttelt hatte? Als dann noch Iris Berben vollkommen verschnupft und mit rauer Stimme die Bühne betrat, war der "Wetten, dass ..?"-Abend im Zeichen der Krankheit perfekt. Dr. Eckhart von Hirschhausen, ebenfalls zu Gast, hatte jede Menge unlustiger Ratschläge für die Kranken: "Jede Wundheilung ist eine Wunderheilung." Überhaupt kalauerte der Mann sich durch die Sendung, als Sidekick zu Lanz war er perfekt besetzt. Männer, die flache Witze erzählen und sich dabei für charmant halten, das war zu Zeiten von Thomas Gottschalk irgendwie auch schon so.

Genauso wie diese nervigen Fankreischspiele. Im Saal saßen viele Fans von oben genannter Boyband, die jedesmal, wenn Lanz "One Direction" rief, sofort in Lärm ausbrachen. "One Direction, One Direction, One Direction". Dass Lanz diese englischen Worte überhaupt über die Lippen kamen, verwundert. Denn im weiteren Gespräch mit seinen englischsprachigen Gästen blieb er auch fürs kurze "Danke schön" nach den Auftritten stets beim Deutsch. Traut sich Lanz keinen englischen Satz zu?

"Rubel die Katz, waren die Kinder da"

Hugh Grant nahm ebenfalls für kurze Zeit auf dem "Wetten, dass ..?-Sofa Platz. Bevor er, so gegen 22.30 Uhr die Show verlassen musste, "weil er noch soviel zu tun hat". Vermutlich seine drei Kinder versorgen. Als der britische Schauspieler nach seiner Familie gefragt wird, ist von drei Kindern die Rede. Ob alle von derselben Frau seien, will Andreas Gabalier, ein weiterer Gast an diesem Abend, wissen. "Well almost, irgendwie schon", antwortet Grant. Lanz hätte den Ball von Gabalier aufnehmen können, winkt stattdessen aber ab. "Rubbel die Katz, waren drei Kinder da" meint er. Vermutlich hat es bei Lanz, der vor wenigen Wochen ebenfalls zum zweiten Mal Vater geworden ist, auf diese Weise geklappt.

Ach ja, Wetten gibt es bei "Wetten, dass ..?" natürlich auch. Gewonnen hat die Gedächtniswette von Christian Schäfer, der sich zunächst 30 verschiedene Bilder merken und diese dann unter Wasser richtig anordnen musste. Das gelang ihm so mühelos, dass nur die Tatsache, dass er zwei Minuten die Luft anhalten konnte, einen wirklich verblüffte. Die wirklich schöne Baggerwette vom "Schebesta, Bernhard" bei der er mithilfe eines Baggers von vier gedeckten Tischen die Tischdecke runter riss, war da deutlich spektakulärer. Das fand auch Iris Berben, die als Wettpatin sehr sympathisch mit dem Österreicher mitfieberte.

Was bei einer Livesendung heutzutage ja fast zum guten Ton gehört, ist ein Heiratsantrag. Und richtig, auch das hatte "Wetten, dass ...?" dieses Mal zu bieten. Obwohl er unromatischer kaum hätte formuliert sein können. Milan Zivojinovic hat mit handelsüblichen Spielkarten 10 Salatgurken durchgeschnitten. Nach gewonnener Wette bat er Lanz um ein Wort und wandte sich an seine Freundin. "Schatz, es wird Zeit, dass wir heiraten." Die Freundin, die flugs auf die Bühne geholt wurde, war vom Treffen mit Hugh Grant sichtlich mehr mitgenommen als von dem knappen Antrag. "Ja" hat sie aber trotzdem gesagt.

Die Andreas-Gabalier-Show

Die Stadtwette, moderiert von Mirjam Weichselbraun, war diesmal als Werbeshow für Andreas Gabalier konzipiert. Es sollte genug Menschen auf den Hauptplatz in Graz kommen, um den Sänger von einer Bühne zur anderen auf ihren Händen zu befördern. Stagediving nennt sich das auf neudeutsch und die Grazer kamen. So muss Lanz nun den Rest des Novembers einen Schnauzer tragen, in Anlehnung an den Movember. Männer weltweit tragen im November die Rotzbremse, um auf Prostatakrebs hinzuweisen. Wie lange es bei Lanz dauert, bis da überhaupt ein anständiger Schnurres gewachsen ist, wollte Weichselbraun wissen. "Das könnte bis in den Dezember gehen", war Lanz´ betretene Antwort und das glaubt man auch sofort.

Herbert Grönemeyer sang seine "neue Hymne", wie Lanz befand, Conchita Wurst ihren neuen Song. Die beiden saßen brav bis zum Ende der Sendung, die 30 Minuten länger als geplant dauerte, auf dem Sofa. Am 13. Dezember kehrt dieser bunte Strauß Langeweile zum letzten Mal auf den Bildschirm zurück. Dann hat der Spaß endlich ein Ende.