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Helmut Berger im Dschungelcamp 2013: Ein unwürdiges Schauspiel

Noch vor Beginn des Dschungelcamps schockierte Teilnehmer Helmut Berger mit einem bizarren Auftritt am Frankfurter Flughafen, wo er offenkundig alkoholisiert erschien. Geht RTL hier zu weit?

Von Carsten Heidböhmer

Die Bilder am Frankfurter Flughafen sind erschütternd: Wir sehen einen alten Mann, der nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Der ganz offensichtlich stark alkoholisiert ist, Prosecco aus der Dose schlürft und eine dunkle Sonnenbrille trägt. Auf seiner Backe strahlt ein roter Knutschfleck. Der Eindruck, der entsteht, ist eindeutig: Hier macht sich jemand zum Affen, wird vorgeführt. Ein unwürdiges Schauspiel.

Schon immer basierte die Ekel-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" darauf, dass sich abgestürzte Promis zwei Wochen lang unter extremen Bedigungen rund um die Uhr filmen lassen. Solange sie körperlich und mental fit sind, ist das kein Problem. Es gab immer wieder grenzwertige Fälle: Für Bata Ilic, Werner Böhm oder im vergangenen Jahr Magier Vincent Raven war der Aufenthalt im Camp eine große Belastung. Letztendlich kam aber keiner zu Schaden. Bei Giulia Siegel sah es schon anders aus: Sie litt nach ihrem Dschungelcamp-Aufenthalt unter dem schlechten Image, das im TV von ihr transportiert wurde. Noch Jahre später beklagte sie sich über die unfaire Behandlung von RTL, der Sender habe sie falsch dargestellt und Dialoge zusammengeschnitten.

Das ist alles seit Jahren bekannt. Insofern weiß jeder Star, der hier mitmacht, worauf er sich einlässt. Dennoch scheint im Fall von Helmut Berger eine Grenze überschritten worden zu sein. Geht RTL hier zu weit?

"Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst"

Nein, sagt RTL. "Helmut Berger geht freiwillig ins Dschungelcamp und kennt die dortigen Herausforderungen und Bedingungen genau", heißt es in einer Stellungnahme des Senders. Die Kandidaten würden permanent psychologisch und ärztlich überwacht. "Wir nehmen unsere Verantwortung für die Gesundheit der Prominenten sehr ernst und sind uns unserer Fürsorgepflicht bewusst." Fragen zum Zustand Bergers möchte der Privatsender nicht beantworten. Man solle die ersten Sendungen abwarten.

Jo Gröbel sieht den Fall ganz anders: Für den Medienpsychologen und Leiter des Deutschen Digital-Institutes ist Helmut Berger jemand, der in den letzten Jahren nur noch als begrenzt wahrnehmungsfähig in Erscheinung getreten ist. Man müsse den Schauspieler vor sich selbst schützen: "Berger ist offensichtlich physisch und mental k.o.", so Gröbel im stern.de-Gespräch.

Auch "Spiegel"-Redakteur Alexander Kühn, der ihn vor einigen Wochen in Salzburg besuchte, hat seine Zweifel: Über sein Treffen mit Berger schrieb er einen eindringlichen Artikel. Im "Spiegel-Blog" schilderte er seinen Eindruck von der Begegnung: "Dass Berger so gelangweilt, müde, angegriffen, ja: fertig mit der Welt wirkte, hat mich schon irritiert."

"Man muss immer noch einen draufsetzen"

Klar ist: Durch Bergers bizarren Auftritt am Flughafen ist die Sendung schon jetzt im Gespräch. Für Gröbel ist die Verpflichtung Bergers eine logische Entwicklung: "Man muss immer noch einen draufsetzen. Dazu gehört der kalkulierteTabubruch." RTL profitiere davon, dass die "Bild"-Zeitung immer mit dabei sei und sogar einen Reporter im Flieger nach Australien platziert habe.

Dabei spielt es für Gröbel keine Rolle, ob dies mit Billigung von RTL geschehen sei. Der Sender dementiert jedenfalls, der "Bild" Informationen über den Abflug zugespielt zu haben. Es gibt genug andere Möglichkeiten: Das Management eines der elf Kandidaten könnte geplaudert haben, vielleicht hat auch die Fluglinie das Boulevardblatt informiert. In jedem Fall profitiert RTL von der Medienaufmerksamkeit, die der am Freitag beginnenden Sendung widerfährt - zumindest kurzfristig.

Die Quoten dürften jedenfalls zum Start gigantisch werden. Die Frage ist, ob sich der Sender mit dem schonungslosen Ausschlachten von Bergers Zustand nicht sein Image ramponiert. Nachdem das Dschungelcamp anfangs arg umstritten war, hat das Format in den vergangenen Jahren an Akzeptanz gewonnen. Niemand muss sich mehr schämen zuzugeben, dass er die Sendung guckt. Die Dschungelshow ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, unter den Zuschauern der letzten Staffel befanden sich erstaunlich viele Akademiker.

Gut möglich, dass ein Teil des Publikums nicht mehr mitmacht, wenn ein Kandidat ganz offensichtlich durch den Ring geführt wird. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob sich der Coup, Helmut Berger zu engagieren, für RTL langfristig auszahlt.