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Katarina-Witt-Bildband: Fotos der schönsten Geheimwaffe des Sozialismus

Eiskunstläuferin Katarina Witt blickt zurück auf eine Karriere der Superlative. Wenige Wochen vor ihrem 50. Geburtstag erscheint ein Bildband mit privaten Fotos und persönlichen Erinnerungen der Sportlerin.

Katarina Witt

Katarina Witt triumphierte im Februar 1983 bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Dortmund. Es war ihr erstes EM-Gold, fünf weitere Goldmedaillen sollten folgen.

Kurz vor ihrem 50. Geburtstag am 3. Dezember öffnet Katarina Witt ihr ganz privates Bildarchiv und gestattet ungewohnte Einblicke in ihr Leben. Ungeschminkt, verletzlich und sexy gibt sich die frühere Eis-Queen in dem an diesem Montag erscheinenden Bildband "So viel Leben". Mit rund 300 Fotos dokumentiert die Eiskunstlauf-Ikone nicht nur ihre zwei Olympiasiege, vier Weltmeister- und sechs Europameister-Titel. Die Zeilen zwischen den Bildern, die sie selbst verfasste, sind verblüffend offen: "Manchmal verdamme ich diese gnadenlose Disziplin und Perfektion, mit der wir Leistungssportler erzogen sind. Es kann ein Fluch sein, wenn man nicht irgendwann lernt loszulassen." Dem stern gab sie bereits vor Erscheinen des Bildbandes ein exklusives Interview und sprach über Erotik, Stasi und Pegida. 

Witt ist immer noch stolz, zweimal infolge Olympia-Siegerin geworden zu sein und dankt in liebevollen Worten ihrer jahrelangen Trainerin Jutta Müller. "Viel lieber als das tägliche Training hatte ich die Wettkämpfe. Je größer der Druck war und je mehr ich mit dem Rücken zur Wand stand, desto besser war ich", schreibt sie.

Katarina Witt

Katarina Witt

"So viel Leben!"

176 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

mit über 400 Abbildungen

Format 17 x 23,8 cm

19,95 Euro

ISBN: 978-3-8419-0323-5

Und sie erzählt, wie sie mit 23 Jahren für Filmaufnahmen der "Carmen on Ice" in Sevilla auf der Bühne stand, als die Mauer in ihrer Heimat fiel. Am liebsten wäre sie im November 1989 sofort nach Hause geflogen. Die Zeit nach der Wende war hart für Witt, die einst als "schönstes Gesicht des Sozialismus" galt: Sie musste viel Kritik einstecken für die Nähe zum SED-Regime.

Die Presse-Schelte empfand sie als "große Verletzung", den Fall der Mauer dagegen als Geschenk. Sie war zwar stets privilegiert, empfand die uneingeschränkte Reisefreiheit auch für ihre Eltern und die Wiedervereinigung als großes Glück. Die Jahre in den USA, als sie ihre Profikarriere bei "Holiday on Ice" startete, drücken ihr unbändiges Lebensgefühl aus. 

Der Abschied vom Eis war schwer, sie liebt das Publikum und zögerte ihn lange hinaus. Aufgaben wie der Kuratoriumsvorsitz der Olympia-Bewerbung für München 2018 füllten sie danach ganz aus. Sie erkannte allerdings auch: "Das sportpolitische Parkett ist glatter als manch frisch gewischte Eisbahn." Nach dem Scheitern der Münchner weinte sie bittere Tränen.

Inzwischen ist es etwas ruhiger um die große deutsche Eiskunstläuferin geworden - Auftritte in Shows und Galas sucht sie genau aus. Mehr und mehr genieße sie die kleinen, ungeschminkten Momente ohne Trubel und roten Teppich, schreibt Witt. "Und zu meinem Glück bin ich endlich bei mir angekommen."

jum