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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Das Elend der männlichen Popstars

Männliche Popstars geben derzeit kein gutes Bild ab. Latino-Queen Ricky Martin verarbeitet sein Outing, Eminem klagt über Einsamkeit - und der harte Bursche Bushido hat Rücken!

Von Stefan Mielchen

Was ist nur mit unseren männlichen Popstars los? Während Gossip-Frontfrau Beth Ditto sogar Karl Lagerfeld verzückt, der sie bei der Bambi-Verleihung liebevoll einen "strammen Brummer" nannte, sind ihre männlichen Kollegen derzeit eher ein Häufchen Elend. Rüpel-Rapper Bushido beispielsweise hat Rücken! Das ist noch die beste Nachricht der Woche, denn der 32-jährige Voll-Proll musste ob eines akuten Bandscheibenvorfalls seine Tournee verschieben - bleibt einem das also vorerst erspart. Noch vom OP-Tisch ließ Bushido die Nation via Facebook wissen, dass der Eingriff gut verlaufen sei. Nun folgen für den Macho-Mann allerdings zwölf Wochen strengster Bettruhe. Und man fragt sich: mit wem?

Altmeister Udo Lindenberg sorgt derweil bei seinen Fans für Panikattacken. Der einst so autoritätskritische 64-Jährige findet nämlich Bundespräsident Christian Wulff neuerdings "cool" - eine Zuschreibung, auf die man selbst nie im Leben gekommen wäre. Das Schlimme daran: Udolito nuschelt mittlerweile so stark, dass man sich bei jedem Interview fragt, ob die Erfindung der Haftcreme gänzlich an ihm vorbeigegangen ist. Das Staatsoberhaupt ficht das nicht an: "Wir haben Udo Lindenberg viel zu verdanken", betonte Wulff, als habe dieser mit seinem Honecker-Song die Wiedervereinigung persönlich herbeigeführt. Lindenberg bedankte sich auf die ihm eigene Art: "Wir müssen uns noch viel besser kennenlernen" drohte er dem Bundespräsidenten an. "Zum Vergnügen nach Rügen und nach Schmusedom." Das hat uns gerade noch gefehlt!

Wiedervereinigung unter Schmerzen

Dass Wiedervereinigung nicht nur Spaß macht, beweisen Take That derzeit eindrucksvoll. Bald gehen die Jungs wieder auf Tour, doch das Training hierfür hinterlässt erste Spuren: Howard Donald wurde in dieser Woche gesehen, wie er mit schmerzverzerrtem Gesicht an Krücken durch London humpelte - ein Fitnessunfall. Das kommt davon, wenn man mit 42 noch glaubt, Teil einer Boyband sein zu müssen.

Doch die wahren Schicksalsschläge haben derzeit ganz andere Jungs zu verkraften. Latino-Queen Ricky Martin vermarktet seine tragische Veranlagung neuerdings in jeder sich bietenden Talkshow. Dass er schwul ist, lockt dabei allerdings kaum noch jemand hinter dem Ofen hervor. Also wird Martin nun politisch und beschwert sich, dass er in seiner Heimat Puerto Rico nicht heiraten dürfe. Das ist zweifellos nicht nett, denn Martin würde ganz in Weiß bestimmt eine prima Figur machen. Doch Rickys Einlassungen klängen deutlich überzeugender, würde er nicht in jedem zweiten Halbsatz auf sein Buch verweisen, in dem er die Gefühle während seines Coming-outs tränenreich beschreibt. Das ist wirklich zum Heulen!

So ist auch einem Kollegen zumute, der dem guten Ricky wohl nicht einmal die Hand geben würde, weil er fürchtet, davon schwul zu werden. US-Rapper Eminem, in seinen Songs ein Ausbund an Homophobie, ist einsam: "Natürlich hätte ich gerne wieder eine Beziehung. Wer hätte das nicht gerne", klagt der 38-Jährige im "Rolling Stone". In seiner Position sei es jedoch schwer, neue Leute kennenzulernen oder eine Frau fürs Leben zu finden: "Ich kann nicht mal normal zum Abendessen oder ins Kino gehen", klagt Eminem. Prima Ausrede - an ihm selbst liegt es natürlich nicht. Die neue Weinerlichkeit hat aber immerhin zu einer Erkenntnis geführt: "Jetzt muss ich erst mal ein bisschen an mir selbst arbeiten", glaubt der Rapper. Klar, dann klappt's bestimmt auch wieder mit den Nachbarn.

Prügelstrafe für die Kleinsten

Sängerin Pink geht die Dinge im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen weit souveräner an. Letzte Woche markierte sie noch die Mackerin und forderte: "Eltern sollten ihren Kindern die Flausen aus dem Leib prügeln!" Diese Woche ist sie bereits schwanger - so schnell kann's gehen. Angeblich sei sie bereits in der zwölften Woche, berichtet "US Weekly", wo eine der üblichen anonymen Quellen behauptet: "Sie wird eine brillante Mutter sein!" Nun, das ist wohl alles eine Frage der Maßstäbe. Sollte Pink ihre eigenen anlegen, darf man sich auf einiges gefasst machen: "Ich habe mit neun Jahren zu rauchen angefangen und bin mit 15 zu Hause rausgeflogen", erinnert sie sich. "Ich hatte meine Abstürze ziemlich früh und habe das damit aus der Welt geschafft." Wer's glaubt, wird selig.

War sonst noch was? Na klar: Queen Elizabeth II. adelt den "Silver Surfer" genannten Stand der Netz-Senioren künftig einmal mehr mit ihrer Anwesenheit. Die britische Monarchin ist nun auch bei Facebook vertreten - mit 84! Doch wer hoffte, künftig mit einer echten Königin befreundet sein oder Lizzy gar anstupsen zu können, hat sich zu früh gefreut. Die Präsenz ist rein geschäftlich, Freundschaftsanfragen sind nicht möglich. Immerhin: Während man allzu kritische Untertanen früher kurzerhand köpfte, werden deren Einträge heute lediglich gelöscht. Auf der Seite werden Videos und Fotos der Queen gepostet, die sie und ihre Sippschaft bei der Arbeit zeigen. Außerdem kann man ihre Reden nachlesen. Statusmeldungen gibt die Königin leider nicht ab. Wäre ja auch zu schön, wenn es dort plötzlich hieße: Elizabeth II. dank jetzt ab - und Prinz Charles gefällt das.