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Aufstand in Tunesien: Ein Häufchen Deutscher trotzt den Unruhen

Tunesien kommt nicht zur Ruhe, das Chaos auf den Straßen hält an. Hunderte deutsche Urlauber wollen dennoch in dem Land bleiben.

Tunesien kommt auch drei Tage nach dem Sturz des Präsidenten nicht zur Ruhe. Nach einer unruhigen Nacht kam es am Montag bei einer Kundgebung erneut zu Auseinandersetzungen. Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi kündigte für Montag die Bildung einer neuen Regierung an. Weil er aber als enger Weggefährte des nach Saudi-Arabien geflohenen Staatschefs Ben Ali gilt und weil viele bisherige Minister wohl ihre Posten behalten, wurden auch nach Ernennung des neuen Kabinetts Unruhen erwartet.

Am Montag zogen rund 1000 Menschen durch die wichtigste Straße in Tunis und forderten die Regierungspartei auf abzutreten: "Raus mit der RCD! Raus mit der Partei der Diktatur!" Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, die sich in der Nähe des Innenministeriums versammelten. Mit Schüssen in die Luft versuchten sie, die Menge auseinanderzutreiben, berichtete ein Reuters-Reporter.

In der Nacht und bis zum Montagmorgen waren in der Hauptstadt Schüsse zu hören gewesen. Anwohner berichteten, Männer hätten aus vorbeifahrenden Autos und von Motorrädern gefeuert. Auch zu Fuß seien Bewaffnete schießend durch die Straßen geeilt. Mieter durchsuchten ihre Wohnhäuser, nachdem es geheißen hatte, auf den Dächern hätten sich Scharfschützen verschanzt und feuerten auf die Passanten in den Straßen.

Auch Ministerpräsident Ghannouchi wird abgelehnt

Präsdent Ben Ali war wie von den wütenden Demonstranten gefordert nach schweren Unruhen am Freitag nach Saudi-Arabien geflüchtet. Seit seinem Sturz herrscht in Tunesien der Ausnahmezustand. Während am Montag eine Übergangsregierung vorgestellt werden sollte, forderten Demonstranten in mehreren Städten die Auflösung von Ben Alis Partei Konstitutionelle Demokratische Versammlung (RCD). Die Europäische Union stellte Unterstützung für die anstehenden Neuwahlen in Aussicht. "Die Revolution geht weiter", skandierten Demonstranten in Tunis bei zwei Kundgebungen mit mehreren hundert Teilnehmern. Sie verlangten auch den Abgang des schon unter Ben Ali amtierenden Ministerpräsidenten Mohammed Ghannouchi, der mit der Bildung der Übergangsregierung beauftragt worden war. Die Polizei löste die Kundgebungen mit Wasserwerfern und Tränengas auf. In den Straßen waren Schüsse zu hören, ein Armeehubschrauber überflog die Stadt.

500 bis 1000 Deutsche sind noch im Land

Mit einem Kraftakt hatten die großen Reiseveranstalter am Wochenende deutsche Urlauber aus Tunesien nach Hause geholt. Am Sonntagabend kamen in Deutschland die letzten Sondermaschinen an. Bei ihrer Rückkehr berichteten viele Reisende von Schüssen und Gewalt.

Genaue Angaben, wie viele Bundesbürger jetzt noch in Tunesien sind, hat auch die Bundesregierung nicht. Nach Schätzungen eines Sprechers des Auwärtigen Amtes sind es "zwischen 500 und knapp über 1000 Leuten". Sie haben sich dafür entschieden, im Land zu bleiben. Darunter sind auch Deutsche, die in Tunesien ihren ersten Wohnsitz hätten. Das Auswärtige Amt rät bereits seit vergangener Woche von Reisen nach Tunesien ab.

fw/kng/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters