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Royals: Das Vermächtnis von Diana, der Prinzessin der Herzen

Vor 20 Jahren starb Prinzessin Diana bei einem Autounfall. Welche Rolle sie heute für ihre Familie und für die Menschen, die sie damals so exzessiv betrauert haben, spielen würde, bleibt ungewiss. Sicher ist, dass sie ihren Söhnen und der britischen Monarchie ein wichtiges Vermächtnis hinterlassen hat.

Lady Di: Prinzessin Diana bleibt unvergessen

Hätte sie sich doch bloß angeschnallt, damals in der Nacht in Paris im August 1997, dann wäre alles anders gekommen. Dann wäre Diana, Princess of Wales, heute noch am Leben, eine schöne, reife Frau von 56 Jahren, begeisterte Mutter und vor allem Großmutter für ihre Enkel George und Charlotte, und eine weltweit hochgeachtete Kämpferin für humanitäre Anliegen wie die Bekämpfung von Landminen oder Aids.

Sie mag eine komplexe, beratungsresistente und von heftigen Stimmungsschwankungen getriebene Persönlichkeit gewesen sein, das haben Familienmitglieder und Angestellte gleichermaßen in diversen Enthüllungsbüchern immer wieder erzählt. Aber in einem sind sich auch nach so langer Zeit ihre größten Fans und ihre schärfsten Kritiker einig: Diana war eine großartige Mutter und hatte eine besondere Gabe, auf alte, kranke oder sonst hilfsbedürftige Menschen zuzugehen und sie zu trösten. Sie hatte keine Angst davor, sich von den Menschen und ihren Schicksalen berühren zu lassen, und sie selbst zu berühren, im übertragenden Sinne wie im konkreten.

William und Harry schauen sich vor dem Kensington Palast niedergelegte Blumen an

Dianas Söhne William und Harry vor dem Buckingham-Palast am Mittwoch: Sie trafen sich mit Menschen, die dort für die Verstorbene wie vor 20 Jahren Blumen abgelegt hatten.


Dianas Tod verursachte beinahe eine Massenhysterie

Anders als die Queen, die bis heute bei Krankenhausbesuchen oder sonstigen Begegnungen mit ihren Untertanen immer Handschuhe trägt, wollte ihre damalige Schwiegertochter bewusst den direkten Kontakt, eine echte Verbindung herstellen. Und die Menschen dankten es ihr mit einer Verehrung, die am Ende, in der Woche nach ihrem Unfalltod und anlässlich der Beerdigung, beinahe das Ausmaß einer Massenhysterie annahm.

In einer von der britischen BBC ausgestrahlten Dokumentation, in der ihre Söhne William und Harry noch einmal über diese schwere Zeit sprachen, kommt deren Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass damals im August 1997 Unmengen wildfremder Menschen in London vor dem Buckingham Palast die beiden unbedingt berühren wollten. Es war für die noch unter Schock stehenden Jungen, 15 und 12 Jahre alt, schwer zu ertragen. Die beiden versuchten, Haltung zu bewahren, und nicht zu weinen, während die Menschen auf der anderen Seite des Absperrgitters hysterisch schrien, ihren Tränen freien Lauf ließen und von den eigentlich Leidtragenden getröstet werden wollten.

Lady Di: Prinzessin Diana bleibt unvergessen


Diana, der Mythos

Dass noch zwei Jahrzehnte später Medien weltweit im Hinblick auf die zwanzigste Wiederkehr des Todestages seit Monaten Diana-Geschichten bringen, die auch eifrig konsumiert werden, zeigt, dass der Mythos von der strahlenden Prinzessin, die quasi durch Handauflegen die Nöte der Menschen lindern konnte, immer noch ungebrochen weiterlebt. Es bleibt ein Faszinosum und eine traurige Erkenntnis zugleich, dass ein Mensch, der soviel Gutes bewirken, andere Menschen so sehr beflügeln konnte, privat doch so zutiefst verunsichert und unglücklich war.

Im Zuge der Berichterstattung rund um den 31. August 2017 veröffentlichte ihr ehemaliger Butler Paul Burrell einige Bilder, die er direkt nach ihrem Tod in ihren Räumen im Kensington Palast aufgenommen hatte, darunter ihr privates Wohnzimmer. Der Anblick des mit kitschigen Nippesfiguren im Überfluß dekorierten Zimmers, mit einer Couch, die über und über mit alten Stofftieren besetzt war, vermittelt deutlich, wie leer es tief drinnen im Herzen der Prinzessin der Herzen ausgesehen haben muss. Offenbar fühlte sie sich allein nur in einer Umgebung wohl und sicher, die vielleicht zu einem jungen Mädchen in der Barbara-Cartland-Romantiklebensphase passt - aber nicht zu einer erwachsenen Frau Mitte Dreißig mit zwei Söhnen, die täglich erfolgreich im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stand und die Kraft und das Sendungsbewusstsein hatte, so vielen Menschen zu helfen.

Die Presse verfolgte Diana überall hin

Wie ginge es der Prinzessin von Wales heute, würde sie noch leben? Hätte sie endlich ihr Glück gefunden, den Kummer und die Enttäuschungen, die ihr Ex-Mann Prinz Charles und seine Familie ihr zugefügt hatten, hinter sich gelassen, wieder geheiratet? Leider spricht vieles dafür, dass sie privat ihres Lebens nicht mehr wirklich froh geworden wäre, hätte sie länger gelebt.

Die damals wahrscheinlich berühmteste Frau der Welt hatte 1997 offenbar nicht die Option, die Urlaubswochen über den Sommer mit einem geliebten Partner oder ihren Spencer-Familienangehörigen oder guten Freunden zu verbringen. Nur ein paar Tage in Griechenland in Begleitung von Rosa Monckton konnte sie verbringen, während derer die beiden Frauen durchgehend auf der Flucht vor der Pressemeute waren, dann musste die Freundin wieder zurück zu Mann und Kindern. Dianas Beziehung mit ihrem Geliebten, dem Herzchiruren Hasnat Khan, war gerade auseinandergegangen, und sowohl ihre Familie als auch viele ihrer Freunde scheuten sich, Diana zu sich auf ihre Landsitze im In- oder Ausland einzuladen, weil sie die unvermeidlich folgenden Paparazzi nicht vor ihren Toren haben wollten.

Mangels anderer Möglichkeiten nahm die Prinzessin von Wales also die Einladung von Dodi Al-Fayed an, eines Mannes an, der zwar reich und gutaussehend war, ihr aber nicht wirklich etwas bedeutete. Sie wollte aus London wegkommen, während ihre Söhne Zeit mit der königlichen Familie auf Balmoral in Schottland verbrachten. Ein weiterer Grund war scheinbar, dass sie den Mann, den sie immer noch zurückzugewinnen hoffte, eifersüchtig machen wollte. Hasnat Khan hatte sich von ihr getrennt, weil er sah, dass er als Muslim niemals die Mutter des künftigen Königs von Enlgand würde heiraten können. Eine heimliche Beziehung wie bisher aber war aufgrund des übermäßigen Medieninteresses für ihn unlebbar geworden.

ARD zeigt Doku "Unsere Mutter Diana": "Sie war die beste Mutter der Welt, sie hat uns mit Liebe umschlungen"
Ihr Leben und ihr Vermächtnis

Die Söhne William (hinten) und Harry waren ihr größtes Glück: Prinzessin Diana, deren Todestag sich am 31. August zum 20. Mal jährt, war eine hingebungsvolle Mutter. Auf dem Foto aus den Achtzigern ist auch Dianas Verlobungsring an der linken Hand zu sehen. Den erbte Prinz William nach ihrem Tod und steckte ihn später seiner heutigen Frau, Herzogin Kate, an den Finger. In der ARD wird nun die Dokumentation "Unsere Mutter Diana – Ihr Leben und ihr Vermächtnis" ausgestrahlt. Darin gedenken die Prinzen William und Harry auf sehr persönliche Weise ihrer verstorbenen Mutter und zeigen bisher unveröffentlichte Fotos der Familie.


Warum war Diana nicht angeschnallt?

Der Fluch der Berühmtheit, der es insbesondere auch Prinz Harry schwer gemacht hat, eine Frau zu finden, die es auf sich nehmen würde, immer in der Öffentlichkeit zu stehen und ständig von Fotografen verfolgt zu werden, hatte seiner Mutter schon seit der Trennung von Prinz Charles 1992 die Partnersuche schwer gemacht.

Einige ihrer Männer aus dieser Zeit haben sich später genau wie ihr Ex-Bodyguard Ken Wharfe im Detail über Dianas Beziehungen geäußert, man hörte, sie sei sehr besitzergreifend und anspruchsvoll gewesen und hätte bei Nichterfüllung ihrer Erwartungen ihre Liebhaber wahlweise gestalkt oder geghostet. Dazu der Druck immer in der Öffentlichkeit zu stehen, das ist belastend für jede Beziehung. Einfach eine Weile miteinander ausgehen und diskret prüfen, ob es passt, ist kaum möglich. So beschränkte sich die Auswahl an potentiellen Partnern für die geschiedene Prinzessin von Wales am Ende auf den kleinen Kreis reicher Männer, die Bodyguards, eigene Yachten und abgeschirmte Wohnsitze ihr eigen nennen konnten, Männer wie Dodi.

Prinz William spricht über Dianas Essstörung

Dianas ältere Schwester Lady Sarah McCorquodale sagte kürzlich in einem Interview, Diana hätte immer sehr sorgfältig darauf geachtet, sich im Auto sofort anzuschnallen. Warum sie es ausgerechnet in jener Nacht vor 20 Jahren nicht tat, obwohl der angetrunkene Chauffeur, gejagt von einer Paparazzi-Meute, mit 180 Stundenkilometern viel zu schnell durch Paris fuhr, bleibt ihr Geheimnis.

Durch Diana haben die Windsors viel gelernt

Aber vielleicht ist es wie bei vielen jung verstorbenen Ikonen unserer Zeit ganz gut, dass die Welt sich genau so und nicht anders an sie erinnern kann, als die gute und schöne Prinzessin der Herzen. Sie hat vielen Menschen Trost und Hilfe gebracht durch ihre gefühlvolle, ehrlich zugewandte Art. Sie war immer authentisch, lange bevor das salonfähig wurde, als insbesondere in Großbritannien und dort im Königshaus die "stiff upper lip" noch als Ideal galt. Ihre Söhne erinnern sich ausschließlich an die liebevolle Mutter und können diese Wärme und Zuwendung an ihre eigenen Kinder weitergeben. Dass William und Kate eine glückliche Ehe führen, hat auch darin einen Grund, dass William, anders als sein Vater im Studium, mit seiner bürgerlichen Freundin an der Uni schon zusammenleben und prüfen konnte, ob die Beziehung trägt. Genauso versucht gerade sein Bruder Harry, das Zusammenleben mit seiner Freundin Meghan Markle (wenn auch in einer Fernbeziehnung) zu testen, bevor er ihr einen Antrag macht.

Durch Diana und ihre wechselvollen Geschichte haben die Windsors dazu gelernt, die britische Monarchie ist offener und moderner geworden, dadurch haben ihre Mitglieder heute mehr Freiraum bei der Ausübung ihrer royalen Pflichten und bei der Partnerwahl – eine echte Chance auf glückliche Partnerschaften statt liebloser königlicher Vernunftehen, wie die angebliche Traumhochzeit des Prinzen und der Prinzessin von Wales am Ende eine war. Das ist vielleicht Dianas schönstes persönliches Vermächtnis für ihre Nachkommen.

Pikantes Detail: Darum trug Prinzessin Diana häufig zwei Uhren am Handgelenk