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Erste deutsche MTV-Moderatorin: Was macht eigentlich ... Kristiane Backer?

Die gebürtige Hamburgerin Kristiane Backer war 1989 die erste Deutsche, die beim britischen Musiksender MTV moderierte. Heute macht sie etwas ganz anderes.

Kristiane Backer

Kristiane Backer im März 2015 in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz"

Picture Alliance

Frau Backer, spielt Musik in Ihrem Leben noch eine Rolle?

Die Charts verfolge ich nicht mehr, aber ich gehe noch gern zu Konzerten. Ich habe gerade erst meine alten Freunde von den Simple Minds und den Pretenders live gesehen und hinterher auch backstage begrüßt. Wir kennen uns von früher.

Sie waren 1989 die erste deutsche Moderatorin bei MTV. Es war die große Zeit der Musikvideos, Sie trafen all die Stars von damals. Wer beeindruckte Sie am meisten?

Ich fand Bob Geldof interessant, weil er mit Live Aid so viel Humanitäres gemacht hat. Mick Jagger war natürlich eine schillernde Persönlichkeit ...

... hat er Sie angebaggert?

Ein bisschen geflirtet! Aber ich war ja in festen Händen, und der Mensch, mit dem ich damals zusammengelebt habe, hat mich am meisten beeindruckt. Das war Imran Khan.

Kristiane Backer

Backer, 1965 in Hamburg geboren, volontierte von 1987 bis 1989 bei Radio Hamburg. Dann bewarb sie sich bei MTV, ging nach London und moderierte für den damals nur englischsprachigen Sender Musikshows. Zudem bekam sie eine eigene Sendung auf RTL 2: "Bravo TV". Mitte der 90er Jahre zog sie sich aus dem Fernsehgeschäft zurück. 2009 erschien ihr Buch "Von MTV nach Mekka", in dem sie erzählt, wie sie zum Islam konvertierte. Backer ist geschieden und besitzt inzwischen auch die britische Staatsangehörigkeit.

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Zu der Zeit ein berühmter Kricketspieler. Sie waren drei Jahre mit ihm zusammen. Heute ist Khan der Regierungschef Pakistans. Haben Sie noch Kontakt?

Seit er Premierminister geworden ist, eher weniger. Aber ich kenne fast das ganze Kabinett, habe viele Verbindungen nach Pakistan.

Durch Khan kamen Sie zum Islam, konvertierten. Was hat Sie daran fasziniert?

Die Muslime, die ich getroffen habe, die haben sehr viel für andere Menschen getan, ein Krankenhaus gebaut, in dem arme Leute umsonst behandelt werden. Ich habe entdeckt, dass der Islam ganz anders ist als in den Medien dargestellt. Der Koran ist das Wort Gottes, es ist die direkteste und letzte Offenbarung, die es gab. Aber es war die spirituelle Dimension, die mich dazu gebracht hat, zu konvertieren. Weil ich gern beten, fasten, das Ganze praktizieren wollte. Erst dann kommt man näher an Gott heran und entwickelt sich.

Wann tragen Sie Kopftuch?

Zum Beten und in konservativen Gesellschaften, wo es jeder trägt.

Wie erleben Sie die Islam-Debatte? Sie wohnen in London, die Stadt hat immer wieder Terroranschläge aushalten müssen. Ist das etwas, worüber Sie abends beim Dinner diskutieren?

Ehrlich gesagt, das Hauptthema hier, bei jedem Treffen - ist der Brexit. In Deutschland ist das eins von vielen Themen, hier gibt es nur dieses eine Thema. Die marode EU und die Flüchtlingsgeschichte waren der Anstoß für den Brexit. Da wurde Angst geschürt, dass Brüssel die Briten regiert und eine riesige Flüchtlingswelle diese kleine Insel überschwappt, die eh schon viel zu voll ist. Dabei ist England eigentlich ein Vorbild für Integration. Durch das britische Weltreich gab es immer eine enge Bindung zu anderen Kulturen, gerade zum Indischen Subkontinent, woher die meisten Muslime kommen.

Eine Rückkehr nach Deutschland war nie ein Thema für Sie?

Ich denke immer wieder darüber nach, aber mein Arbeitsmittelpunkt ist London.

Sie sind "Art Consultant", was heißt das?

Ich vermittele Kunstgeschäfte. Und bin hier sehr gut vernetzt. Mein Fokus ist die Klassische Moderne, Expressionisten wie Kirchner und Pechstein, eigentlich aber die ganze Spannbreite der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts bis jetzt: Monet, Magritte, Picasso, Warhol, Gerhard Richter oder Kiefer. Ich liebe es, vor einem Meisterwerk zu stehen und die Energie auf mich wirken zu lassen. Viele Leute aus der Kunstwelt haben damals übrigens auch MTV geschaut. Damit hat sich der Kulturkreis geschlossen.

Interview: Ulrike von Bülow