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Prinzen-Hochzeiten: Frisches Blut für alten Adel

Mit Felipe von Spanien führt der nächste Prinz eine bürgerliche Braut zum Altar. Warum sind die Frauen aus dem Volke so begehrt bei den Royals? Und was bedeuten sie für die Monarchie - den Untergang?

Wonnige Schauer der Wollust wabern derzeit unter den Trockenhauben und vor den Bildschirmen dieser ansonsten so tristen Welt. Erst, am vergangenen Freitag, die Bryllup vom Kronprinsen af Danmark Frederik in Kopenhagens Domkirke mit Mary Donaldson, Juristin aus Australien. Und jetzt, am Samstag, die Enlace von Su Alteza Real el Príncipe de Asturias in Madrids Catedral de la Almudena mit Letizia Ortiz Rocasolano, TV-Journalistin aus Oviedo.

Sicher, das Bruttosozialprodukt sinkt, der Stabilitätspakt wankt, Europa hat sich vereint. Doch wenn sich europäische Royals vereinigen, keucht ganz Europa "Kronen! Kutschen! Gottogott!" und gibt sich televisionär dem "Ersatzorgasmus der schweigenden Mehrheit hin", als den britische Anarchisten einst die Monarchie geißelten - Schokoriegel, Fischlis und Kleenex-Tücher griffbereit auf dem TV-Tablett, während ARD-Pensionär Rolf Seelmann-Eggebert hierzulande eine Bresche schlägt durch Schleppen, Schärpen, Schranzen.

Auch Königskinder dürfen lieben

Besonders schön finden natürlich fast alle, dass neuerdings "auch Königskinder lieben dürfen", wie "Bunte" unlängst schmachtete. Drum können sie sich mit egal wem verheiraten, mit Krethi und Plethi nämlich - und daher rein theoretisch sogar mit Menschen wie dir oder mir.

Nur längst bedeutungslose deutsche Adelsgeschlechter wie die Preußens oder die Leiningens klammern sich noch an staubige Hausgesetze, darunter die "Ebenbürtigkeitsklausel", mittels derer bis vor kurzem all jene kurzerhand enterbt wurden, die statt hochwohlgeborenen sowie durchlauchten Edelfrauen bürgerliche Damen heimführen wollten ins Familienschloss. An diesem Privileg hat kürzlich das Bundesverfassungsgericht herumgesägt (siehe "Mehr zum Thema"), weswegen es künftig auch in den zugigen Fluren teutonischer Ritterburgen revolutionär heißen könnte: "Liberté, Egalité, Fraternité".

Handballer, Schriftsteller und Zirkusartisten

In Europas Königshäusern indes sind die Zeiten längst vorbei, da sich Prinzen und Prinzessinnen ausschließlich mit blaublütigen Damen und Herren vom Stande vermählen durften. Besonders eklektisch und manchmal geradezu exzentrisch ist die Partnerwahl bei den Zweit- und Drittgeborenen. Da gibt es neben allerlei respektablen Bankern und Blaublütern wie etwa Ernst August von Hannover, vermählt mit Caroline von Monaco, auch den Handballspieler Inaki Urdangarín, verheiratet mit Cristina, der Schwester Felipe von Spaniens, den Schriftsteller Ari Behn, Gatte von Märtha Louise von Norwegen, den Zirkusartisten Adans Lopez Peres, irgendwie vage der tätowierten Subproll-Prinzessin Stéphanie angetraut, und neuerdings sogar eine waschechte "Gangsterbraut" ("Frau im Spiegel"), nämlich Mabel Wisse Smit. Die Frau von Johan Friso der Niederlande war einst eng liiert mit einem inzwischen durch Mord mausetoten Mafioso namens Klaas Bruinsma, weswegen das Parlament gegen diese Ehe rebellierte. "Sie ist so warmherzig", fand indes ihr Gatte und verzichtete Mabels wegen auf seinen Anspruch auf die Krone.

Aber auch ein Streifzug durch das aktuelle Thronfolger-Sortiment zeigt, dass Azubi-Monarchen es leid sind, sich ihre Ehen von Staatsräson und Abstammung diktieren zu lassen. So sind die Monarchien auf dem Weg in den Mittelstand. Einzig der künftige Belgier-König Philippe heiratete in Gestalt der liebreizenden Logopädin Mathilde eine zumindest ein klein wenig adlige Demoiselle; alle übrigen Gattinnen stammen aus dem Bürgertum oder aus dem Souterrain desselben. Mal halten gestandene Karrierefrauen Hof, wie die Investmentbankerin Máxima aus Argentinien, demnächst Königin der Niederlande. Oder die anmutigen, wenngleich vor lauter Prinzessinnen-Stress inklusive Genealogie-Kunde und Anstandsunterricht bestürzend ausgezehrten Bräute Mary Donaldson, Juristin aus Tasmanien und Dänen-Königin in spe, sowie Letizia, Nachrichtenmoderatorin, geschieden, doch glücklicherweise in Erst-Ehe nicht kirchlich verheiratet, weswegen sie den Spanier Felipe nicht nur angeln, sondern auch halten konnte. In Norwegen dagegen hob Kronprinz Haakon eine gewisse Mette-Marit Tjessem-Höiby durch Heirat in den Hochadel, einst berufloses Partygirl.

"Lass mich mal ausreden!"

"Kann jetzt eigentlich jede nächstbeste Muchacha Königin werden?", ätzte der stets tadellos pomadierte spanische Königshausexperte Jaime Penafiel, als sich Letizia nach ihrer Verlobung mit Felipe nicht nur ins schulterlange Haar griff, sondern ihrem Prinzen mit einem vorlauten "Lass mich mal ausreden!" ins Wort fiel und dabei zu allem Überfluss einen weißen Hosenanzug von Armani anhatte statt eines mindestens knielangen sowie fahlfarbigen Rocks. Die Antwort auf diese bange Frage kann nur lauten: Nicht nur jede Muchacha, sondern jeder Muchacho. Denn auch Europas einzige Thronfolgerin, Victoria von Schweden, sucht ihr Glück derzeit nicht auf den Gipfeln des "Gotha", sondern in den Niederungen eines Ortes namens Ockelbo; dorther stammt Daniel Westling, seines Zeichens Fitnesstrainer, in dessen muskulösen Armen die Prinzessin regelmäßig gesichtet wird.

Während das Magazin der "Süddeutschen Zeitung" findet: "Dieser Trend rettet den Hochadel vor der Bedeutungslosigkeit", ist die Front der Bedenkenträger groß, besonders im stockkatholischen Spanien. Hunderte von Anrufen und E-Mails will Traditionsprediger Penafiel auf seine kritischen Kolumnen in "El Mundo" erhalten haben, "von Menschen, die um die Magie der Monarchie fürchten, wenn eine Frau den Thron besteigt, die noch vor wenigen Monaten neben dir in die Metro gestiegen ist". Eine deutsche Fachpostille erkennt im Paargebaren der triebhaften Thronfolger bang "Anzeichen für den Untergang der Monarchie".

Hochzeiten waren Schachzüge der Politik

Doch muss es wirklich so weit kommen? Wir fassen zusammen und blicken zurück. Vor langer, langer Zeit, als Europa fest in Monarchenhand und rappelvoll war mit Hoch- und Tiefadligen, galt deren Deszendenz als gefragtes Handelsgut. Blaublütige Kinder waren nichts weiter als Figuren auf dem Schachbrett der Politik. Als Ehepartner wurden sie zur Förderung der Diplomatie und besonders zwecks Mehrung des Reichtums in und aus allen Himmelsrichtungen im- und exportiert, bestand die Mitgift doch häufig aus ganzen Ländern nebst Untertanen. "Lass andere Länder Kriege führen - du, glückliches Österreich, heirate", lautete etwa das Motto der kinderreichen Habsburger Dynastie, die sich dank geschickter Eheschließungen Ungarn und Böhmen einverleibte. Liebe gehörte nicht ins Kalkül. Fürs Divertimento hielten sich die Könige Mätressen und die Königinnen den einen oder anderen Ritt- oder Stallmeister.

So blieb es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit teils betrüblichen medizinischen und auch politischen Folgen. Die europäische Noblesse, durch beständige Inzucht miteinander verschwägert und untereinander verheddert wie ein schlecht aufgerolltes Wollknäuel, litt zuhauf an der Erbkrankheit Hämophilie und hatte wegen ihres begrenzten Gen-Pools längst allerlei Ausfallerscheinungen produziert - die Habsburger neben ihrer interessanten Unterlippe etwa Ferdinand den Gütigen, bekannt auch als "Gütinand der Fertige", der mit seinem berühmtesten Satz: "Ich bin der Kaiser und will Knödel" so recht nicht reüssieren konnte als Staatsmann und bei Ausbruch der Revolution 1848 entgeistert fragte: "Ja - dürfen S' denn das?" Offenbar war ihm entgangen, dass seine Großtante Marie-Antoinette sowie ihr Gatte Ludwig XVI. schon längst guillotiniert worden waren, weil das renitente Volk nicht mehr einfach nahm, was so daherkam bei Hofe von Gottes Gnaden.

Das Volk heiraten statt es zu bekämpfen

Die Angst vor einem solchen Ableben saß allen Monarchen im Nacken. Noch bevor die russische Zarenfamilie von den Bolschewisten gemordet wurde, zeigte ausgerechnet der ansonsten erzreaktionäre Leopold II. von Belgien einen Ausweg aus der Gefahr: Statt das Volk zu bekämpfen, kann man es auch einfach heiraten. Nach einer so standesgemäßen wie sterbenslangweiligen Ehe mit einem bleichen Produkt des österreichischen Adels hatte er sich fünf Tage vor seinem Tod, 74-jährig, mit Blanche Delacroix, 26, vermählt. Die Dame, die ihm vor der Speed-Ehe zwei Kinder geschenkt hatte, war aus dem Volk und vom Gewerbe. Indes, der Skandal war gewaltig, und so blieb der kühne Anbiederungsversuch bei den Untertanen lange Zeit ohne Nachahmer.

Zum ersten großen Liebes-Gate im "Gotha" kam es 1936, als der britische König Edward VIII. abdankte, um "die Frau zu heiraten, die ich liebe", wie er seinem Volk in einer Radioansprache kundtat. Es war die klapperdürre Wallis Simpson - Motto: "Man kann nie zu dünn sein oder zu reich" - aus der überseeischen Ex-Kolonie Amerika, zweifach geschieden, "niedriger als niedrig, eine durch und durch amoralische Frau", wie ihre Schwägerin, die spätere Queen Mom, urteilte. La Wallis war eine aufregende Erscheinung, "unehelich geboren, sowohl lesbisch als auch nymphoman, Spionin für die Nazis wie für den KGB, Geliebte von Joachim von Ribbentrop, Mutter eines Kindes von Mussolinis Schwiegersohn, die ihre sexuellen Fertigkeiten in einem Bordell in Hongkong gelernt hatte", wie Philip Ziegler, Biograf ihres Mannes, einmal auflistete. Er fügte allerdings hinzu: In diesem Fall wäre es gegenüber dem Leser nicht generös, wenn man bei der Wahrheit bliebe.

La Wallis war gaga

Die Wahrheit ist, dass die Sagenumwobene den König schon betrog, als der noch gar nicht abgedankt hatte, und ansonsten reichlich gaga war. Aber noch unmöglicher als Frau Simpson war ihr Gatte, der am liebsten Gauleiter der Nazis in England geworden wäre. Durch die Ehe mit ihr konnte man ihn vom Thron schubsen; die beiden lebten fortan im französischen Exil, wo es nichts machte, dass er häufig auf Deutsch - "meine Muttersprache" - parlierte, gern "Ich weiß auf der Wieden ein kleines Hotel" sang und in den Dudelsack pustete, während sich die "sonderbare Fledermaus" (Prinz Charles über seine angeheiratete Großtante) beständig liften ließ.

Zwei Dekaden später folgte die erste wirklich spektakuläre Mesalliance in einer allerdings nicht besonders ernst zu nehmenden Euro-Monarchie: Fürst Rainier führte die Hollywood-Diva Grace Kelly aus Philadelphia, USA, heim in sein klitzekleines Klimbim-Kombinat Monaco. Zwar verwechselte Graces Mutter Ma Kelly das Lego-Land am Mittelmeer beständig mit Macao oder Marokko, aber die Ehe erwies sich als Schachzug, so klug, dass selbst die Habsburger vor Neid erblasst wären. Durch die neue Fürstin mutierte der karge Felsen zum Must für den Jet-Set, und ein jeder vergaß, dass Rainier der Enkel einer Cabaret-Künstlerin war, deren Tochter Charlotte mangels ehelicher Nachkommen von seinem Großvater Louis II. legitimiert werden musste.

Es gibt noch adlige Köigspaare

Anderswo in Europa blieb jedoch zunächst alles beim Alten: 1962 führte der heutige Bourbonen-König Juan Carlos von Spanien, dessen Familie der Thron allerdings kurzfristig abhanden gekommen war, die Griechen-Prinzessin Sofia vor den Traualtar; die niederländische Beatrix, damals noch Prinzessin, heiratete 1966 den deutschen Legationsrat Claus von Amsberg, zwar nur von Land- und Tief-, aber immerhin von Adel; im Jahr drauf traute sich ihre kettenrauchende Kollegin Margrethe von Dänemark standesgemäß mit dem französischen Grafen und Diplomaten Henri de Laborde de Monpezat.

Derweil tobte im hohen Norden Europas schon seit Jahren ein Familiendrama: Prinz Harald hatte sich unsterblich verliebt in Sonja Haraldsen, Kaufmannstochter, doch sein Vater Olav V. verweigerte eine Dekade lang die Zustimmung zu dieser Ehe. Schützenhilfe bekam er ausgerechnet von der Arbeiterpartei. Als das Paar 1968 endlich heiraten durfte, blieben zahlreiche Monarchen der Fusion fern.

Bürgerliche erobern die Königshäuser

Doch das Tabu war gebrochen, und in der Folgezeit "brach Liebe Dämme, trug Hindernisse weg, unterspülte Beton, löste Wälle auf", wie "Gala" einmal delirierte, und schwappte nur so durch die Schloss-flure. Zunächst ließ die strenge Briten-Queen, die 1955 noch ihre Schwester Margaret gezwungen hatte, ihre Liaison mit dem geschiedenen Peter Townsend aufzugeben, ihr zweitältestes Kind Anne einen feschen, wenngleich geistig armen Offizier namens Mark Phillips heiraten. 1976 verlor der stammelnde Schwerstlegastheniker Carl Gustaf von Schweden sein Herz an eine Heidelbergerin namens Silvia Sommerlath, seither hierzulande auch "unsere Sülviah" geheißen, und die ließ, ganz deutsche Hausfrau, "erst mal alles abstauben und auf Hochglanz bringen" im Junggesellen-Hof von Stockholm, wie man hierzulande anerkennend vermerkte.

Kritiker könnten hier natürlich einwenden, dass die Liebe nicht nur Wälle auflöst, sondern eventuell die Monarchie gleich mit, und zum Beweis grämlich auf die Kinder von Grace, Sonja und Silvia verweisen. In Monaco hat sich einzig Caroline aus dem Seeräubergeschlecht der Grimaldis hinauf- und hinausgeheiratet ins Schloss Calenberg zu Pattensen bei Hannover, wenngleich erst in Dritt-Ehe. Erbprinz Albert dagegen eroberte bereits "230 Frauen - die Richtige war nicht dabei", wie "Frau im Spiegel" es nicht besser hätte formulieren können, und Stéphanie, täglich tätowierter, reist unterdes mit dem Camping-Car als Mater Dolorosa von drei Kindern mit zwei Männern von Bodyguard zu Barkeeper zu Akrobaten. Und es ist natürlich schön, dass Sonjas Sohn Haakon demokratisch gesinnt ist, aber musste er wirklich so tief stapeln und eine Frau ehelichen, deren trunkener Vater mit einer Dame namens "Cowboy-Leila" liiert ist? Sicher, Silvias Victoria ist niedlich und auch nicht mehr anorexisch, aber unter der Last eines so monoglotten Beaus aus Ockelbo würde vermutlich selbst ein Thron von Ikea zusammenbrechen.

"Du kannst jede heiraten, nur nicht irgendeine."

Denn auch bei Ehen mit Bürgerskindern gilt, was Don Juan, Conde de Barcelona, seinem Sohn Juan Carlos stets einbläute: "Du kannst jede heiraten, die du willst, aber nicht irgendeine." Denn einerseits schreit das vampiristische Volk nach Prinzen zum Anfassen und Abschlabbern, andererseits wünscht es Glamour und Magie statt Szenen aus dem Maggi-Kochstudio. "Warum sollten wir jährlich Millionen für eine Familie ausgeben, die uns zeigt, wie man im großen Stil alles falsch machen kann, was uns auch zu Hause völlig danebengeht?", fragte einmal streng die bitterböse Briten-Kolumnistin Julie Burchill in Bezug auf das Diana-Debakel.

Die so selige wie untote Prinzessin von Wales geistert wie ein Gespenst durch Europas Herrscherhäuser - und ist das beste Argument gegen standesgemäße Vernunftsehen. Denn Lady Diana Spencer, Tochter eines Earls, erfüllte sämtliche Kriterien, die der Mental-Sklerotiker Jaime Penafiel und auch Letizias künftige Schwiegereltern vermissen. "Heirate nie eine Frau, von der andere Männer später behaupten können, sie hätten mit der Königin geschlafen", hatte Juan Carlos seinem Sohn stets empfohlen und ihm eine Auserwählte nach der anderen weggebissen, zuletzt das norwegische Dessous-Model Eva Sannum, die indes auch von den allermeisten Spaniern für eine Zumutung irgendwo zwischen Lingerie-Luder und Billy-Regal gehalten wurde.

Königin der Herzen

Genau das tat Prinz Charles, als er vor mehr als zwei Dekaden die jungfräuliche Braut aus einer anderen Zeit zur Frau nahm, gekleidet in ein elfenbeinfarbenes Gewand, so schüchtern, so jung, so rein, so aristokratisch wie sonst keine. Allein, die ahnungslose Hilfskindergärtnerin mutierte an der Seite ihres lieblosen Gatten zur "größten republikanischen Kraft seit Oliver Cromwell" (Burchill) und hätte um ein Haar der britischen Monarchie den Todesstoß versetzt, wenn nicht ihr jäher Unfalltod sie gerade noch rechtzeitig zur Windsor-Rettung aus dem Leben gerissen hätte. Seither welkt Charles dahin, in der bislang vergeblichen Hoffnung, dass aus ihm, dem Dauer-Prinzen, irgendwann mal ein Monarch werden möge.

Auch darum hat sich jetzt das stolze Bourbonen-Geschlecht mit Letizia abgefunden und muss klaglos ertragen, dass Fernsehkameras genüsslich auf das Lotterbett gehalten werden, in dem die künftige Prinzessin dereinst ihre erste Hochzeitsnacht verbrachte, während der frühere Gatte in Talkshows auftritt, um für seine zweitklassigen Bücher zu werben. Und Königin Sofia, zu deren Ahnen deutsche Kaiser, russische Zaren und haufenweise Könige gehören, hat mit der ihr eigenen Grandezza geschluckt, dass der Großvater ihrer Nachfolgerin Taxis fuhr und ihre Mutter sich als Krankenschwester und Gewerkschaftsaktivistin durch das Leben schlägt.

Letizia geht bereits neue Wege

Im Gegenzug küsst die einst ungläubige Letizia inzwischen die Füße des Gekreuzigten. Das Attentat vom 11. März bescherte der angehenden Herrscherin zudem eine dramatische Lektion im Fach Umgang zwischen Monarch und Mensch: Bei der Totenmesse in der Almudena-Kathedrale bach das Königspaar jedes Protokoll, um Arm in Arm mit den Angehörigen der Opfer zu weinen, füllte ohne Pathos das Vakuum zwischen einem verletzten Volk und der Regierung - und zeigte, wozu Monarchien gut sein können.

Drum mahnt der angesehene Kommentator Fernando Vallespin angesichts der künftigen "Fernseh-Prinzessin": "Sie mag objektive Qualitäten haben. Das Problem ist, dass ihr Profil das Risiko einer Desakralisierung der königlichen Funktionen birgt." Doch schon der sizilianische Fürst Giuseppe Tomasi di Lampedusa ließ in seinem Roman "Der Leopard" einen Adligen sagen, der eine Bauerstochter heiraten will: "Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert."

Stefanie Rosenkranz und Daniela Horvath / print