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William und Kate in L.A.: Mit 40 Kleidern, aber ohne Sonnencreme

Nach elf Tagen im kalten Kanada besuchen Prinz William und Ehefrau Kate erstmals Hollywood. Statt Strand und Mickey Mouse gibt's Polomatches auf importiertem Rasen und einen Abend mit Oprah Winfrey.

Von Frank Siering, Los Angeles

Schon am Flughafen von Los Angeles wurde Prinz William schnell klar, dass er etwas vergessen hatte. 30 Grad Celsius in Südkalifornien und keine Wolke am Himmel. Soviel Sonne war die britische Königsglatze wahrlich nicht gewohnt. Aber an Sonnencreme hatte Ehefrau Kate beim Einpacken nicht gedacht. Dafür wohl an 40 Kleider. Die hatte die zukünftige englische Königin sorgfältig ausgewählt. Für jeden Auftritt ein anderes Outfit. Und Auftritte gibt's genug für das "Royal Couple" in drei Tagen Lala-Land. Gleich nach der Ankunft am Freitagnachmittag, sogar Gouverneur Jerry Brown war zur Begrüßung trotz oder gerade ob der Budget-Krise im einstigen Vorzeigestaat eigens aus Sacramento angereist, ging es im - was sonst - Range Rover ins Beverly Hills Hilton Hotel

Martialischer Aufwand

Da in den USA die Angst vor Terrorattacken mittlerweile so groß ist, dass sogar Obdachlose auf dem Wilshire Boulevard ihre dreckigen Trenchcoats zur Kontrolle abgeben müssen, waren mit CIA, LAPD und FBI gleich drei große Beschützer-Agenturen zur Absicherung der Fahrtstrecke ins Heimathotel der Golden Globes beauftragt worden.

Dass das an einem Freitagnachmittag im Feierabendverkehr von Los Angeles zu einem absoluten Verkehrschaos führen würde, schienen Kate und William nicht zu interessieren.

Sie winkten fröhlich aus dem Fenster und genossen ganz offensichtlich die kostenlose Sightseeing-Tour. Besonders für Kate ist die Reise ins schöne Los Angeles ein Leckerbissen. Die Dutchess of Cambridge hat Amerika noch nie zuvor besucht.

Nach ein paar langweiligen Meetings mit Venture Capitalists, Geschäftsgrößen und Philanthropen ging es gleich weiter zum nächsten Checkpoint für die königliche Stippvisite.

Hancock Park. Im Privathaus - ein sicherheitstechnischer Alptraum für die involvierten Security-Agencies - der britischen Generalkonsulin Dame Barbara Hay ging es dann erst einmal unter die wohlverdiente Dusche. Hier wohnen Kate und William während ihres Aufenthalts in Los Angeles.

Und, husch, husch, im neuen Outift ging es gleich weiter zum nächsten Empfang für ein paar "enge Freunde der britischen Krone". Auch Dustin Hoffman und Barbra Streisand waren eingeladen. Angeblich zählt "Tootsie" zu den Lieblingsfilmen der Gräfin.

Da jede vom Steuerzahler bezahlte Dienstreise auch für ein aristokratisches Pärchen heutzutage einen offiziellen Grund haben muss, hatte Prinz William im Vorfeld ausdrücklich gewünscht, dass die LA-Reise doch bitte dazu dienen möge, "britische Interessen in Kalifornien zu fördern".

Teures Polo-Vergnügen

Wohl auch deshalb sind für Samstag diverse Fundraiser geplant. Prinz William schwingt im Polo & Racquet Club von Santa Barbara den Polostock. Ein Charity-Event für die American Friends Foundation von Prinz William und Prinz Harry. Das Polo-Turnier findet übrigens auf einem Rasen statt, der extra aus den Bermudas importiert wurde.

2500 Euro kostet ein "Meet and Greet the Royals"-Ticket. Aber auch die Normalreichen haben eine Möglichkeit, das Thronfolger-Paar bestaunen zu können - für 200 Euro und einen Platz hinter den Pferdegattern. Royal modern: Tiffany und Audi haben sich als Sponsoren eingeklinkt. Der Schmuckmacher mit 390.000 Euro, der Autohersteller mit einer A8 Limousine.

Samstagabend dann der große Knaller. Ein Bafta-Event mit echter Hollywood-Prominenz. Oprah Winfrey, Tom Hanks, Jennifer Lopez, Orlando Bloom. David Beckham, Sylvester Stallone, Reese Witherspoon.

Und 42 neuen englischen Jung-Stars, die eigens für dieses Event im Belasco Theater von der Insel eingeflogen werden. Alles für einen "guten Zweck", versteht sich. Diesmal geht die eingesammelte Kohle an wilde Tiere in Afrika. Ein Herzbegehren von Prinz William.

Kurzer Besuch bei den Armen

Angeblich - so kursiert es auf den Straßen von Los Angeles - kostet ein VIP-Ticket 18.000 Euro. Und Spenden sind natürlich herzlich willkommen. Dafür sprenkeln die Veranstalter aber auch Promis wie Steven Spielberg, Nicole Kidman und Judd Apatow an die Tische mit nicht so berühmten Spendern. Zusammen dürfen sie Hummer und Austern schlürfen. Und vielleicht verrät Mr. Bloom ja auch, wie sich das neue Leben als "Daddy" so anfühlt.

Sonntag dann noch schnell ein kleiner Besuch bei den Armen in Downtown Los Angeles. Und ein kurzes Hallo bei US-Soldaten, die den Übergang ins Zivilleben vorbereiten.

Ein strammes Reiseprotokoll, bevor es zurückgeht auf die Insel. Und im Moment scheint es so, als wäre nur einer unglücklich über den Hollywood-Besuch aus dem Königshaus. Arnold Schwarzenegger ist der große Verlierer dieser Tage. Auch diesmal.

War er es doch, der William und Kate angeboten hatte, in seinem Haus in Brentwood unterzuschlüpfen für die drei Tage im Juli. Ein Angebot, das das Königshaus im Vorfeld auch schon angenommen hatte. Aber dann passierte "Nanny-Gate" und die Pressesprecher aus dem Buckingham Palace machten ganz schnell einen Rückzieher. Denn ein englischer Prinz umgibt sich nur ungern mit Ehebrechern. Das erinnert dann vielleicht doch einfach zu sehr an zuhause.