Familie von US-Arzt mit Ebola wird ebenfalls in Berliner Charité gebracht

Gebäude der Charité in Berlin
Gebäude der Charité in Berlin
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Nach dem Eintreffen eines mit Ebola infizierten US-Arztes zur Behandlung in der Berliner Charité am Mittwochmorgen werden nun auch fünf seiner Familienmitglieder aufgenommen. Die US-Regierung habe ein Hilfeersuchen zur Aufnahme der Ehefrau und von vier Kindern gestellt, die sich ebenfalls in der Demokratischen Republik Kongo aufhielten, erklärte das Bundesgesundheitsministerium. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft das Risiko einer Ebola-Ausbreitung in Zentralafrika als hoch, weltweit aber weiter als gering ein.  

Die Frau und die vier Kinder sollen nun wie der Arzt in eine Sonderisolierstation der Berliner Charité kommen, erklärte das Bundesgesundheitsministerium. Die US-Regierung habe Deutschland wegen seiner Expertise bei der Behandlung von Ebola-Patienten und der kürzeren Flugzeit um Hilfe gebeten, sagte ein Sprecher der Bundesregierung.

US-Außenminister Marco Rubio dankte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und den "Freunden in Deutschland für ihre schnelle Hilfe bei der Versorgung der von dem Ebola-Ausbruch betroffenen Amerikaner". Er fügte im Onlinedienst X hinzu: "Wir sind dankbar für Ihre Partnerschaft."

Laut dem Gesundheitsministerium hatte die US-Regierung den Transport des Arztes von Kongos Nachbarland Uganda nach Deutschland mit einem speziellen Flugzeug zum Transport hochinfektiöser Patienten organisiert. Die Fahrt vom Flughafen ins Krankenhaus sei dann mit einem speziellen Infektions-Rettungswagen erfolgt. Die Familienangehörigen sollen demnach auf gleichem Wege in die Charité gebracht werden. 

Deutschland verfügt laut Bundesgesundheitsministerium über "medizinische Expertise" bei der Behandlung von Ebolafieber. 2014 seien bereits drei bestätigte Ebola-Patienten in Deutschland behandelt worden. Auf der Sonderisolierstationen würde zunächst eine "umfassende Untersuchung" des US-Arztes erfolgen, "um die nächsten diagnostischen und therapeutischen Schritte festzulegen", erklärte das Ministerium. 

Laut der christlichen US-Hilfsorganisation Serge handelt es sich bei dem Infizierten um ihren Arzt Peter Stafford, der mit seiner Ehefrau Rebekah - ebenfalls eine Ärztin - und vier Kindern in der Demokratischen Republik Kongo lebt und arbeitet. Der Arzt habe sich angesteckt, als er Patienten in Bunia in der Provinz Ituri behandelt habe. Die Organisation bestätigte am Mittwoch die Ankunft des 39-Jährigen in der Berliner Charité. 

Neben Staffords Ehefrau und den vier Kindern wurde nach den Angaben von Serge auch der Arzt Patrick LaRochelle aus der Demokratischen Republik Kongo ausgeflogen. Rebekah Stafford und LaRochelle seien bei ihrer Arbeit in Bunia ebenfalls einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt gewesen, erklärte Serge. Sie seien unterwegs an Orte, wo sie überwacht und bei Bedarf behandelt werden können.   

Durch die Behandlung des US-Patienten auf der Sonderisolierstation der Charité bestehe "kein Risiko für die Bevölkerung", erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer. Auch das Bundesgesundheitsministerium und die EU-Kommission stufen das Risiko, sich in Deutschland oder Europa mit Ebola zu infizieren, als sehr gering ein.

Im Kongo wurden nach Angaben der WHO bisher 51 Infektionsfälle nachgewiesen. Laut WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gibt es aber zudem fast 600 Verdachtsfälle, darunter auch 139 Todesfälle. "Wir erwarten, dass die Zahlen weiter steigen werden", sagte Tedros am Mittwoch in Genf. Am Dienstag hatte er sich bereits "zutiefst besorgt" über das "Ausmaß und die Geschwindigkeit" der Ebola-Ausbreitung gezeigt.

Die WHO rief wegen der Epidemie am Wochenende eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" aus - ihre zweithöchste Alarmstufe. Die Kriterien für eine Pandemie-Warnung seien aber weiterhin nicht erfüllt, sagte die Leiterin des WHO-Notfallkomitees, Lucille Blumberg. Am Mittwoch erklärte die Organisation, dass die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo "angesichts des Ausmaßes" wahrscheinlich schon seit "einigen Monaten" andauere.

Das Zentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten des zentralafrikanischen Landes, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Die Region ist schwer zugänglich und zudem Schauplatz bewaffneter Konflikte. In einem Krankenhaus in der Stadt Bunia trifft Ausrüstung zur Isolierung von Ebola-Verdachtsfällen und Schutzausrüstung für das Pflegepersonal nur schleppend ein. "Wir heben Gräber aus und beerdigen Tote ohne Handschuhe oder jeglichen Schutz", sagte der örtliche Vertreter Salama Bamunoba.

Die Übertragung des Ebola-Virus' geschieht durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten, die Inkubationszeit kann bis zu drei Wochen betragen. 

Die Epidemie wird von der erstmals 2007 nachgewiesenen seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 30 bis 50 Prozent. 

AFP