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Mittelmeer Banksys Rettungsschiff setzt nach zwei Einsätzen Notruf ab


Der bekannte britische Graffiti-Künstler Banksy hat ein Schiff zur Seenotrettung von Flüchtlingen gestiftet. Nach zwei Einsätzen musste das Schiff wegen einer dramatischen Situation im Mittelmeer nun einen Hilferuf absetzen.

Der britische Künstler Banksy ist für sein soziales Engagement bekannt. In seinen Werken thematisiert er immer wieder soziale Missstände. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der geheimnisumwitterte Graffiti-Künstler der Hilfsorganisation Sea Watch ein 31 Meter langes Seenotrettungs-Schiff finanzierte.

Die "Louise Michel" - benannt nach einer französischen feministischen Anarchistin - fährt unter deutscher Flagge, auf der Schiffswand ist ein Werk von ihm zu sehen, das ein Mädchen mit Schwimmweste und einem herzförmigen Rettungsring zeigt. Das Schiff, das früher den französischen Zollbehörden gehörte, ist relativ klein, dadurch aber schneller und wendiger als andere Rettungsschiffe von NGOs.

Zwei Rettungseinsätze im Mittelmeer hat das Schiff bereits absolviert: Am Donnerstag wurden 89 Personen, darunter 14 Frauen und vier Kinder, gerettet. Doch nun hat die "Louise Michel" selbst einen Notruf abgesetzt: "Wir brauchen dringend Hilfe", gab die Besatzung am Samstag auf Twitter bekannt.

Eine Leiche an Bord

Am Freitag reagierte die Besatzung europäischer Aktivist*innen auf einen Notruf von "Moonbird", einem Flugzeug, welches Bootsbewegungen im Mittelmeer überwacht. Gemeldet wurde ein Beiboot, das sich nicht bewegte und Wasser aufnahm. Die "Louise Michel" änderte sofort ihren Kurs. "Wir verteilten Rettungswesten an 130 Personen, um die Situation zu sichern", erklärte ein Pressesprecher.

Das Schlauchboot befindet sich derzeit in der maltesischen Such- und Rettungszone, ist gefährlich überfüllt und droht zu sinken. An Bord befinde sich eine Leiche und mehrere Personen, die nach mehrtägigem Aufenthalt auf See Treibstoffverbrennungen und Verletzungen erlitten haben.

Die "Louise Michel" kann jedoch nur Unterstützung leisten und nicht alle Betroffenen retten, da das Schiff bereits 89 Migrant*innen befördert und maximal 120 Personen an Bord aufnehmen kann. Der Besatzung zufolge reagierten jedoch weder die maltesischen noch die italienischen Behörden angemessen auf die Notsituation.

"Wir waren schockiert"

Lea Reisner, Einsatzleiterin der "Louise Michel", sagte dem "Guardian": "Die Menschen haben tagelang in einer Mischung aus Salzwasser und Brennstoff gesessen. Es ist Nacht, und die europäischen Staaten machen ihre verdammte Arbeit nicht. Sie leugnen die Verantwortung, während wir versuchen, alle am Leben zu erhalten. Wir brauchen sofortige Hilfe."

Neeske Beckmann war an Bord des Flugzeugs Moonbird: "Wir waren schockiert, als wir das Gummiboot sahen - es war unglaublich überfüllt, und die Menschen an Bord versuchten, mit bloßen Händen Wasser aus dem Boot zu schöpfen." Beckman bestätigt, dass lediglich die "Louise Michel" auf den Mayday-Notruf reagierte.

Bislang ist bekannt, dass im Jahr 2020 mehr als 500 Migrant*innen im Mittelmeer gestorben sind, die tatsächliche Zahl dürfte noch wesentlich höher liegen.

Quellen: DPA, Guardian

cf

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