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60. Geburtstag: Party bei Kanzlers

Gerhard Schröder lud ein und über 400 illustre Gäste aus Wirtschaft, Politik, Sport, Kultur und Showgeschäft kamen. Neun Tage nach seinem 60. Geburtstag feierte der Kanzler eine exklusive und gut bewachte Party in seiner Heimatstadt Hannover.

Es war nicht nur eine der exklusivsten, sondern wohl auch eine der am besten bewachten Partys des Jahres. Mehr als 400 hochkarätige Gäste aus Wirtschaft, Politik, Sport, Kultur und Showgeschäft gaben sich in Hannover ein Stelldichein, um in dem von Scharfschützen und Polizeihubschraubern geschützten Theater am Aegi mit Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dessen 60. Geburtstag anzustoßen - neun Tage nach dem eigentlichen Termin am 7. April. Der Kanzler hatte es vorgezogen, diesen Tag mit Frau Doris und Tochter Klara auf einem Weingut in der Toskana zu verbringen.

Grünen-Chef Bütikofer brachte eine grüne Torte mit

Einen solchen Ansturm von Prominenten wie an diesem Freitagabend hatte die ansonsten eher beschauliche Heimatstadt des Kanzlers seit der Weltausstellung Expo 2000 nicht mehr erlebt: Neben Russlands Präsident Wladimir Putin, Bundespräsident Johannes Rau und Altkanzler Helmut Schmidt zählten der Schriftsteller Günter Grass, Fußball- "Kaiser" Franz Beckenbauer, der Boxer Darius Michalczewski sowie Deutsch-Rocker Marius Müller-Westernhagen und Die Prinzen zu den geladenen Gästen. Zu den allerersten an diesem Abend gehörte die 90- jährige Mutter des Kanzlers, Erika Vosseler, die im Taxi vorfuhr und vom Kanzlerehepaar draußen abgeholt wurde.

Auf der Liste außerdem: DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, Regisseur Sönke Wortmann sowie die Maler Markus Lüppertz und Jörg Immendorf. Vom Bundeskabinett fehlte nur Außenminister Joschka Fischer, der beim Treffen der EU-Außenminister in Irland weilte. Grünen-Parteichef Rainhard Bütikofer brachte als Präsent für Schröder eine grüne Torte mit grünen Fröschen mit. Präsident Putin erfreute seinen Gastgeber mit einem Kosaken-Chor aus Moskau.

Jürgen Trittin wurde ausgepfiffen

Doch einer stahl an diesem Abend allen die Show: Als ZDF-Moderator Thomas Gottschalk aus seiner Luxuslimousine stieg, brandete tosender Beifall von rund 500 Neugierigen auf, die das Schaulaufen der Prominenz an diesem Abend beobachteten. Brav verteilte Gottschalk Autogramme, bevor er mit Landwirtschaftsministerin Renate Künast zur Party eilte. Nur Umweltminister Jürgen Trittin erwartete auf seinem Weg in den Festsaal ein gellendes Pfeifkonzert.

Mit großem Aufwand und mehr als 3000 geladenen Gästen hatte Schröders Vorgänger Helmut Kohl (CDU) seinen 60. Geburtstag 1990 in der Bonner Beethovenhalle gefeiert. SPD-Kanzler Schröder dagegen zeigte sich bemüht bescheiden. Den Partygästen ließ er kulinarische Spezialitäten aus Niedersachsen servieren. "Das Ganze wird recht rustikal, mit landestypischen Gerichten - das hat der Bundeskanzler sich so gewünscht", sagte Hans-Hermann Eikemeier, dessen Partyservice für den Gaumenschmaus sorgte. Was genau auf der Speisekarte stand, wollte er aber nicht verraten.

Bei den Sicherheitskräften herrschte unterdessen höchste Alarmbereitschaft: "Wir haben darauf zu achten, dass Terroristen hier in Hannover kein neues Spielfeld eröffnen", sagte Polizeipräsident Hans-Dieter Klosa. "Hannover ist eine Weltstadt", rief angesichts des Spektakels ein begeisterter Passant. Zumindest an diesem Abend sah es so aus als hätte er Recht.

Petra Albers und Michael Kirner, DPA