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Ungewöhnliche Freundschaft: Affenbaby wächst mit Menschenkind auf

Weil es von seiner Mutter verstoßen wurde, wächst Affe Lui unter Menschen auf - und hat schon eine beste Freundin: Die kleine Viktoria. Die Parallelen zwischen Mensch und Tier sind verblüffend.

Äffchen Lui und Menschenkind Viktoria bekommen beide die gleiche Milch - wenn auch aus verschiedenen Fläschchen.

Äffchen Lui und Menschenkind Viktoria bekommen beide die gleiche Milch - wenn auch aus verschiedenen Fläschchen.

Wenn Tierparkchefin Alexandra Grothaus morgens zur Dienstbesprechung kommt, sind die Kinder mit dabei. Grothaus' sechs Monate alte Tochter Viktoria sitzt auf dem Schoß von Mama. Und Tierpfleger Ralf Haidenkummer hält Lui im Arm - ein drei Monate altes Gibbon-Baby. Affenbaby und Menschenkind wachsen nun gemeinsam auf - und scheinen einander immer ähnlicher zu werden.

Die Mutter von Lui konnte das kleine nicht aufziehen. Haidenkummer sprang ein und zieht ihn nun per Hand groß - seit Anfang März hat er den kleinen Lui Tag und Nacht bei sich.

Lui wurde nach etwa vier Wochen von seiner Mutter aufgegeben. "Wir haben festgestellt, dass sie zu wenig Milch hatte." Das Tierpark-Team habe zwar versucht, das Affenbaby wieder zur Mutter zu geben. Doch die Affenmutter habe ihr Junges immer wieder fallen lassen. Da stellte sich die Frage: Was tun? Der Natur ihren Lauf zu lassen, hätte den Tod des kleinen Lui bedeutet. Das wollte keiner - also sprang Tierpfleger Haidenkummer ein.

Gibbonbaby Lui wird von seinem Tierpfleger per Hand aufgezogen, da das Muttertier keine Milch mehr hatte.

Gibbonbaby Lui wird von seinem Tierpfleger per Hand aufgezogen, da das Muttertier keine Milch mehr hatte.

Gemeinsame Gehversuche

Nun wachsen Affenbaby und Menschenkind gemeinsam auf. "Die Morgenbesprechungen nutzen wir, um den Babys Fläschchen zu geben", sagt Grothaus. Beide Kinder bekommen dieselbe Milch, natürlich aus verschiedenen Flaschen.

Die Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier seien verblüffend. "Wir können immer wieder feststellen, dass es Parallelen in der Entwicklung gibt", sagt Grothaus. Affe Lui mache inzwischen erste Gehversuche, denn auch Gibbons können auf zwei Beinen laufen. "Es sieht zwar im Moment so aus, dass er mehr hüpft, als dass er geht, aber er versucht schon ein bisschen was." Auch ihre Tochter Viktoria versuche nun, sich aufzurichten, so Grothaus.

Die Babys fallen den Erwachsenen ins Wort

Die zwei Babys finden immer mehr Interesse aneinander. "Anfangs waren sie sehr zurückhaltend. Jetzt fassen sie dem anderen ins Gesicht, genauso, wie das Kinder auch machen würden", sagt Alexandra Grothaus. Lui und Viktoria würden forscher, fallen den Erwachsenen auch schon mal ins Wort. "Das macht der Affe genauso wie das Kind."

Wichtig sei, dass Menschen, Affen und alle Säugetiere in ihren ersten Lebensmonaten Bindungsfähigkeit aufbauen können, sagt der Direktor des Osnabrücker Zoos, Michael Böer. "Es muss von einem Lebewesen betreut werden, es muss Wärme spüren, den Herzschlag spüren, das ist ganz wichtig", sagt er. Ebenso wichtig sei es für die weitere Entwicklung, dass das Sozialverhalten von seinen Artgenossen gelernt werde. "Es ist wichtig, dass in dieser Prägungsphase andere Affen zur Verfügung stehen", sagt der Zoodirektor. Auch später sei die Prägung durch Artgenossen wichtig für die Sexualentwicklung.

Ralf Haidenkummer zieht Baby Lui hat Erfahrung in der Handaufzucht - er kümmter sich Tag und Nacht um das kleine Äffchen.

Ralf Haidenkummer zieht Baby Lui hat Erfahrung in der Handaufzucht - er kümmter sich Tag und Nacht um das kleine Äffchen.

Luis Artgenossen sind vom Aussterben bedroht

Damit Lui den Kontakt zu seinen Artgenossen nicht verliert und ein 'richtiger' Gibbon-Affe ist, wenn er groß ist, geht Tierpfleger Haidenkummer regelmäßig mit dem Kleinen zum Affengehege.

Dass das Affenbaby nun per Hand aufgezogen werde, sei wichtig, sagt Böer. "Man beschützt das Leben des Jungtieres, und auch Artenschutzaspekte muss man berücksichtigen." Alle Menschenaffen seien heute vom Aussterben bedroht. "Da geht es um jedes Individuum, was man erhalten muss."

Dass sich ihr Mitarbeiter Haidenkummer nun Tag und Nacht um Lui kümmern muss, akzeptiere auch seine Familie, sagt Grothaus. "Seine Frau ist sehr verständnisvoll." Tierpfleger sei kein normaler Büroberuf. "Dafür entscheidet man sich schon bewusst."

Elmar Stephan/DPA / DPA