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Attentat auf Weihnachtsmarkt: In Video: Amri soll Wochen vor Anschlag gedroht haben – seit wann kannte der BND die Aufnahmen?

Dem Bundesnachrichtendienst (BND) soll nach Medienberichten ein Video vorliegen, in welchem der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri schon Wochen vor seiner Tat mit Gewalt gedroht haben soll. 

Der Videoclip soll im November 2016 entstanden sein, Wochen vor dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt

Der Videoclip soll im November 2016 entstanden sein, Wochen vor dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt

DPA

Das bislang unbekannte Video des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri liegt nicht nur dem Bundesnachrichtendienst (BND), sondern auch dem Bundeskriminalamt (BKA) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz vor. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Berlin am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Der Vorwurf, der BND würde das Video zurückhalten, sei "an den Haaren herbeigezogen", wurde in diesen Kreisen betont. Das Bildmaterial sei Teil der Ermittlungs- und Aufklärungsarbeit der jeweiligen Behörden. "Für Skandalgeschrei gibt es überhaupt keinen Anlass", hieß es weiter.

Auf Anfrage äußerte sich der BND weiterhin nicht zu den Berichten über das bislang unbekannte Video. Zu operativen Aspekten seiner Arbeit und zu etwaigen Erkenntnissen berichte er grundsätzlich nur der Bundesregierung und den zuständigen, geheim tagenden Gremien des Bundestags, betonte ein Sprecher.

Video soll vor dem Terroranschlag entstanden sein

Amri soll in dem Video vor seiner Tat Terror angekündigt haben. Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR hatten am Mittwochabend berichtet, der Auslandsgeheimdienst BND habe das BKA zwar im März 2017 über die Existenz der Aufnahme informiert. Er habe sich aber geweigert, das wohl mit einem Handy aufgenommene Video zu den Ermittlungsakten zu geben. Auch die Untersuchungsausschüsse des Bundestags und verschiedener Landesparlamente, die an der Aufklärung des Falls arbeiten, hätten es offenbar nicht gezeigt bekommen. Es gebe keine Hinweise, dass dem BND oder anderen deutschen Behörden das Amri-Video schon vor dessen Tat im Jahr 2016 bekannt war.

Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz: Russel Schulz hat überlebt

Die Elf-Sekunden-Aufnahme soll im November 2016 entstanden sein, Wochen vor dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche vom 19. Dezember 2016. Amri hatte einen polnischen Lastwagenfahrer erschossen, war mit dessen Fahrzeug in die Menschenmenge gerast und hatte so elf weitere Menschen getötet und Dutzende verletzt.

Kritik von FDP und den Grünen

Obleute von FDP und Grünen kritisierten am Donnerstag das scheibchenweise Publikwerden von Informationen zu dem Fall. Nicht die volle Wahrheit zu sagen, bleibt auch eine Form der Unwahrheit", sagte der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser der dpa. Die Aufklärungsarbeit werde so bewusst erschwert und verzögert. Die FDP wüsste etwa gerne: Ist das ein Selfie-Video oder hat es ein Komplize aufgenommen? Und hat sich der BND bei dem ausländischen Nachrichtendienst, von dem er das Video bekommen haben soll, überhaupt um eine Freigabe für die Ermittlungsakten bemüht?

Auch die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic ärgert sich über die Taktik, mit der Informationen zu dem Fall stückweise bekannt werden. Das Video stelle die offizielle Chronologie der Bundesregierung zu dem Anschlag und den anschließenden Ermittlungen infrage, sagte sie der dpa. "Wir warten bis heute auf den Zugang zu Daten von Amris Handy." Unter einem so unvollständigen Wissensstand leide zwangsläufig auch die Qualität der Fragen an die Zeugen, die der Ausschuss vernehme.

ky / DPA