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Bahn will Klimaanlagen austauschen: Neue Aggregate sollen bis 45 Grad arbeiten

Nach einer knappen Woche Hitze-Drama bei der Bahn hat Konzernchef Rüdiger Grube angekündigt, die Kühlsysteme zu erneuern und eine Erneuerung der Klimaanlagen des ICE-2 zu prüfen. Mit dem Sparkurs der Bahn hätten die Probleme in den Hitze-Zügen nichts zu tun.

Neue Klimaanlagen in Zügen der Deutschen Bahn sollen künftig auch bei Außentemperaturen bis zu 45 Grad funktionieren. Dies habe Bahnchef Rüdiger Grube zugesichert, sagte der Grünen-Verkehrspolitiker Winfried Hermann der "Mitteldeutschen Zeitung". Demnach werden die Geräte vor allem in der zweiten ICE-Baureihe ausgetauscht, die von diesem Jahr an modernisiert werden soll. "Darüber bin ich froh. Das ist ein Ergebnis der Chaostage", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag. Auch bei Kälte müsse man mit größeren Problemen rechnen, wurde Hermann zitiert. Auch brauche die Bahn mehr Reserven.

Die technische Anpassung dauere aber Jahre. "Die Kapazitäten sind begrenzt." Zugleich erhob Hermann schwere Vorwürfe gegen das frühere Konzernmanagement unter Hartmut Mehdorn. Das Unternehmen sei ausschließlich mit dem Ziel geführt worden, es an die Börse zu bringen. "Da wurde nur das Nötigste investiert, weil alles andere die Bilanzen versaut hätte. Das müssen Rüdiger Grube und die neue Bahnführung jetzt bitter bezahlen."

Grube: Sparkurs nicht Schuld

Die Bahngewerkschaft Transnet hat die Bundesregierung aufgefordert, der Deutschen Bahn mehr Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen. Der Bund mache einen großen Fehler, wenn er der Bahn eine jährliche Dividende von 500 Millionen Euro abpresse, sagte Vorstandsmitglied Reiner Bieck der "Berliner Zeitung". Die Bahn brauche das Geld für Investitionen. Im Rahmen ihres umfassenden Sparpakets beansprucht die Bundesregierung vom Staatskonzern Bahn eine höhere Dividende von 500 Millionen Euro.

Bahnchef Grube führt die Probleme nicht auf den Sparkurs des Unternehmens zurück - sagt er. Vielmehr habe die Bahn für die Wartung der Fernzüge in den vergangenen Jahren mehr ausgegeben, so Grube im Deutschlandfunk. Ganz ausschließen konnte er weitere Saunafahrten trotzdem nicht, betonte aber: "Wir geben uns alle Mühe, dass so etwas nicht vorkommt." Verbraucherschützer fordern für Hitzeopfer jetzt Geld statt Gutscheine von der Bahn.

Dem Unternehmen war immer wieder vorgeworfen worden, wegen seines geplanten Börsengangs einen Sparkurs zu fahren. Dem hielt Grube nun entgegen, allein für die Fernverkehrsflotte seien die Materialausgaben von 298 Millionen Euro 2004 auf 405 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Der Personalaufwand sei von 84 Millionen auf 96 Millionen Euro erhöht worden. Grube betonte, dass bei der anstehenden Generalüberholung der 44 ICE-2-Züge wegen der Ausfälle überlegt werde, "ob es nicht besser ist, dass wir auch die Klimaanlage entsprechend überarbeiten".

"Da darf man nichts verharmlosen"

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, griff Grube und seine Kollegen an. Es gebe offensichtlich Fehler im System, sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Es geht um die Gesundheit von Menschen. Da darf man nichts verharmlosen."

Wegen der großen Hitze fielen bei der Deutschen Bahn nach eigenen Angaben innerhalb einer Woche in etwa 50 Zügen die Klimaanlagen aus. Am vergangenen Wochenende mussten etwa in Bielefeld viele Fahrgäste mit Kreislaufproblemen behandelt werden. Betroffen sind vor allem ICE 2.

APN/Reuters/swd / Reuters