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Der Preis der Panik: Warum die Tankrechnung steigt, obwohl genug Benzin da ist

Energiepreise
Die Energiepreise in Deutschland bewegen derzeit viele. Trotz zahlreicher Maßnahmen der Regierung sind die Kosten für Benzin noch immer hoch
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Tanker drehen um. Länder horten, was sie kriegen können. Das treibt die Energiepreise hoch. Ein teurer Kreislauf. Und: Thorsten Frei – ist zu schwach? Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die Energiepreise scheinen derzeit fast nur den Weg nach oben zu kennen. Der Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus haben die Versorgung der Welt mit Öl und Gas aus dem Persischen Golf stark eingeschränkt. Länder und Bündnisse, die über die ausreichenden finanziellen Mittel verfügen, wie China, Japan, Europa oder die USA, versuchen sich auf dem Weltmarkt so viel Öl wie möglich zu sichern – teilweise zu absurden Preisen. In einigen Fällen sind Tanker, die bereits zu anderen Ländern unterwegs waren, noch umgekehrt, weil ein anderes mehr Geld geboten hat.

Einige Länder haben den Export von Öl, Gas und Kerosin inzwischen verboten, und wollen so sichern, was sie haben. Die Welt hortet Energie – und an vielen Stellen des Weltmarkts herrscht das Recht des Stärkeren. Billiger macht das die Versorgung mit den wichtigen Rohstoffen aber nicht – im Gegenteil. So werden die Preise weiter steigen – das werden Sie auch an den Tankstellen spüren.

Wie schon während der Corona-Pandemie ist die Welt damit konfrontiert, dass die Angst vor Knappheit selbsterfüllend werden kann. Damals waren es die Masken und Impfstoffe, heute sind es die Rohstoffe Öl und Gas. Steigende Preise für kritische Güter werden dabei durch einen Teufelskreis aus Alarm und panischen Einkäufen verstärkt. Natürlich wollen Länder ihre Versorgung absichern, lebenswichtige Güter sollen nicht ausgehen. Aber genau diese Art der Absicherung sorgt dafür, dass auch andere Länder beginnen, ihre Lager vollzumachen. Man kann sagen: Nichts dazugelernt.

Länder überbieten sich im Kampf um Öl, das lässt die Energiepreise steigen 

Der Handelsexperte Eswar Prasad von der amerikanischen Cornell University sagt in der „New York Times“ dazu: „Wieder trifft ein überraschender Schock die Weltwirtschaft und jedes Land kämpft für sich selbst.“ Er erklärt: „Die Welt versucht nicht, gemeinsam das Problem zu lösen. Jedes Land geht einfach in den Überlebensmodus.“

Deshalb riefen kürzlich der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Internationale Energieagentur Länder weltweit auf, Energie nicht zu horten, so verschlechtere sich die Lage nur. Der gut gemeinte Aufruf verhallte allerdings weitestgehend ungehört. Nachdem Thailand und China den Export von Kerosin stoppten, sagte die Direktorin des IWF, Kristalina Georgieva: „Richtet keinen Schaden an.“  

Fast alle Länder der Welt handeln derzeit nur mit den eigenen Interessen im Blick. Die Auswirkungen dieser egoistischen Haltung sind aber global. Länder, die über die finanziellen Mittel verfügen, schieben ärmere an den Rand. Und wem das egal ist, der spürt die Auswirkungen im eigenen Geldbeutel. Wenn sich die Welt im Kampf um Öl und Gas ständig überbietet, steigen die Preise immer weiter. Nichts wird billiger, fast alles wird teurer. 

Wie gesagt, es ist ein Teufelskreis.

Prozessauftakt im Mordfall Fabian

Der Fall erschütterte im vergangenen Oktober das Land: Der achtjährige Fabian aus Güstrow verschwand aus der Wohnung seiner Mutter. Seine Leiche wurde vier Tage später an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden – von Gina H., einer Frau, die den Jungen persönlich kannte. Nun wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor, Fabian erstochen zu haben. Anschließend soll sie den Leichnam mit Brandbeschleuniger angezündet haben, um die Spuren zu verwischen. Heute beginnt in Rostock der Prozess gegen sie wegen Mordes. Wir beantworten dazu alle wichtigen Fragen.

5-Minuten-Talk: Ist Thorsten Frei der Schwachpunkt in der Union?

Thorsten Frei ist kein Scharfmacher. Schon in der Opposition hat er für Friedrich Merz in aller Ruhe die Unionsfraktion gemanagt. Auch deshalb machte ihn der Sauerländer vor einem Jahr zum Kanzleramtschef. Ein guter politischer Handwerker, das war bislang das Urteil in der Partei.

Aber stimmt es? Frei werden so manche Fehler angelastet. Und dass die Regierung nicht zur Ruhe kommt, habe auch damit zu tun, dass der Mann aus Baden-Württemberg zuweilen selbst den Überblick verliere. Warum die Schwäche von Thorsten Frei für Merz ein solches Problem ist – darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.

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Mein Kollege Gunnar Herbst wollte mit 43 Jahren den Beruf wechseln – und Lehrer werden. Er hatte Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert und 1999 das erste Staatsexamen gemacht. Aber bislang als Journalist gearbeitet. In Hamburg begann er ein Referendariat für Lehramt Oberstufe an allgemeinbildenden Schulen. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu lernen, dachte er. Aber die Ernüchterung kam schnell. Er schreibt, phasenweise habe er sich im Klassenzimmer gefühlt, als sei er in einen Autounfall verwickelt. Als er merkte, dass der neue Beruf ihn unglücklich machte, schmiss er hin. Geschichte einer Niederlage.

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Alexandra Kraft

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