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Erstes Interview nach Netz-Phänomen: Julia Engelmann spielt ihren Erfolg runter

Applaus für ihren Auftritt bekam Julia Engelmann sofort. Bekannt wurde die Poetry-Slammerin erst Monate später, als ein Video zum Netzphänomen wurde. Sie selbst schwieg dazu - bis jetzt.

Beinahe über Nacht wurde Julia Engelmann deutschlandweit bekannt. Die sympathische Poetry-Slammerin aus Bremen traf mit ihrem Text, den sie an der Uni Bielefeld vortrug, den Nerv der Zeit. Das Video verbreitete sich in Windeseile im Netz und hat mittlerweile über fünf Millionen Klicks. Auch stern.de berichtete über das Netzphänomen Engelmann. Einmal mehr wurde deutlich, wie schnell das Internet jemanden bekannt machen kann. Doch die 21-Jährige äußerte sich bislang nicht zu ihrer plötzlichen Prominenz. Jetzt gab sie Radio Bremen ein Interview, das mittlerweile nicht mehr bei Youtube verfügbar ist. Teile des Gesprächs sind jedoch in diesem Fernsehbeitrag zu sehen.

Der überwältigende Zuspruch ließ vermuten, dass Julia Engelmann Stimme einer Generation sei. Doch das wollte die junge Bremerin in dem Interview nicht bestätigen: "Ob das so ist, kann ich gar nicht beurteilen. Das ist eine absurde und aufregende Sache", sagte sie. Nachdem ihr Video im Netz zum Hit wurde, habe sie zunächst viele Nachrichten bei Facebook erhalten. Dann folgten E-Mails und Anrufe: "Ich hab ein bisschen staunend davorgesessen." Trotz des überwältigenden Medienechos fühlt sich die Bremerin aber nicht "berühmt", sondern eher als "gerade sehr präsent". Auf die Frage, wie sie ihre Texte schreibe, antwortete sie: "Wenn ich das so gut beschreiben könnte, würde ich längst Kurse darin geben. Das passiert bei mir intuitiv, weil ich das gerne mag. Ich hab keine Technik, keinen Zehn-Punkte-Plan."

Engelmann will weiter "slammen"

Wegen ihres etwas melancholischen Textes wurde ihr auch die Frage gestellt, ob sie Zukunftsängste habe. Darauf antwortete sie lachend: "Ich versuche in meinen Texten Antworten zu finden." Sie schreibe aber für sich selbst. "Ich hab mir einfach Ruhe genommen und Zeit zu überlegen." Deshalb habe man zuletzt nicht so viel von ihr gehört. Mit vereinzelter Kritik sei sie locker umgegangen. "Klar finden das nicht alle toll oder doof. Es freut mich, dass es zufällig mehrere Leute gesehen und gemocht haben und alles andere finde ich nicht weiter tragisch", so die 21-Jährige. Poetry-Slammen und schreiben möchte sie weiterhin: "Ich würde gerne zufrieden sein und die Sachen machen, die mir Spaß machen." Ob sie einen Tipp für das nächste Online-Phänomen habe? "Nein, glaub ich nicht, leider (…) jeder hat ja seine eigene Geschichte." Die Geschichte ihres Videos wird eine der Geschichten sein, die Julia Engelmann erzählt, wenn sie alt ist.

amt
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?