Fährunglück in New York "Der Knall war laut wie eine Bombe"


Bei einem Fährunglück in New York sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Es gab zahlreiche Verletzte. Die Ursache des Unfalls ist nocht nicht geklärt. Der Kapitän wollte sich das Leben nehmen.

Bei dem schweren Fährunglück vor New York sind nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg mindestens zehn Menschen getötet worden. Nach Medienberichten wurden Dutzende von Menschen verletzt. Die Unglücksursache war auch nach Stunden noch unklar. Jedoch soll die Fähre nach ersten Erkenntnissen zu schnell gefahren sein, als sie gegen einen Hafenkai des Stadtbezirkes Staten Island prallte.

Vom Kurs abgekommen

Das Schiff sei bei starken Windböen vom Kurs abgekommen. Der Kapitän habe diesen Fehler aber nicht mehr rechtzeitig korrigieren können, hieß es unter Berufung auf die Polizei. Dadurch sei das Anlegemanöver am Hafenkai St. George Terminal missglückt, sagten Behördensprecher. Die Fähre sei am Bug durch den Stahlbeton des Kais mehrere Meter weit aufgerissen worden. In diesem Teil gab es offenbar die meisten Opfer.

Der zum Unglückszeitpunkt verantwortliche Bootsführer sei unter Schock geflüchtet und habe kurz darauf einen Selbstmordversuch unternommen. Der Mann habe sich Schnittwunden an den Handgelenken zugefügt und sich mit einem Luftgewehr zwei Mal in die Brust geschossen. Nach anderen Berichten soll er sich einen Kopfschuss zugefügt haben. Er sei in kritischem Zustand in ein Krankenhaus gekommen.

Vielleicht noch mehr Tote

An Bord des Schiffes gebe es möglicherweise noch weitere Leichen, sagte Bloomberg am Mittwochabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. Insgesamt seien 1500 Menschen auf dem Schiff gewesen. Die Bergungsarbeiten dauerten in der Nacht an. 34 Menschen seien nach bisherigen Informationen verletzt worden, viele von ihnen schwer. Mindestens zwei der Unfallopfer hätten Gliedmaßen verloren. "Lasst uns beten, das sich die Zahl der Toten nicht noch weiter erhöht", sagte der Bürgermeister.

New York sei erneut von einer "furchtbaren Katastrophe getroffen worden". Es gebe aber keinerlei Hinweise auf einen Terroranschlag, sagte Bloomberg. Die US-Bundesbehörde für Verkehrssicherheit leitete eine Untersuchung ein. Mit eindeutigen Erkenntnissen wird aber erst in mehreren Wochen gerechnet. Die Besatzung des Schiffes wurde noch in der Nacht verhört und auf Alkohol und Drogen getestet.

Grauenvolle Szenen

Augenzeugen schilderten grauenvolle Szenen. "Wir dachten an eine Bombe, so laut war der Knall, als sich das Schiff in den Beton am Kai bohrte", sagte Sorona Jones, die das Unglück im Achterdeck der Fähre unverletzt überlebte. Die dreistöckige Fähre, die seit Jahrzehnten rund um die Uhr zwischen der Südspitze von Manhattan und dem Stadtbezirk Staten Island unterwegs war, kann bis zu 6000 Passagiere aufnehmen.

Dutzende Menschen seien ins Wasser gesprungen, als klar geworden sei, dass die Fähre gegen die Hafenanlagen prallen würde, berichteten Augenzeugen. Viele von ihnen hätten mehr als 20 Minuten in dem kalten Wasser ausgeharrt, ehe sie geborgen wurden. "An Bord gab es lange überhaupt kein Durchsagen, wir wussten nicht, wo wir hin sollten, um uns zu retten", sagte ein älterer Mann Reportern.

Atemberaubende Blicke

Unter den Passagieren waren auch einige Dutzend Touristen. Die Fährverbindung ist bei New-York-Besuchern seit Jahrzehnten populär, weil sie einen atemberaubende Blicke auf die Südspitze der Wolkenkratzer-Insel ermöglicht, die bis zum den Terroranschlägen am 11. September 2001 von den Türmen des Welthandelszentrums überragt wurde. Auch die Freiheitsstatue ist von der Staten Island Ferry aus zu sehen.

DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker