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Fahrverbot für Lkw in NRW Winterwetter bremst Verkehr aus


Nach mehr als 20 Zentimeter Neuschnee in Köln, Düsseldorf und Aachen werden in Nordrhein-Westfalen Lkws von den Autobahnen verbannt. Die Lage an den Flughäfen bleibt europaweit angespannt.

Mit einem flächendeckenden Autobahn-Verbot für Lastwagen versucht Nordrhein-Westfalen ein winterliches Verkehrschaos abzuwenden. Die Behörden in dem bevölkerungsreichsten Bundesland mit seinen vielen wichtigen Verkehrsknoten verbannten in der Nacht zum Montag alle Lkw jenseits der 7,5 Tonnen von den Autobahnen. Damit stand die Berufskraftfahrt in NRW just zum Wochenanfang nahezu still.

Die schneebedingte Sperrung gelte in NRW auch für einige Bundesstraßen und werde bis auf weiteres aufrechterhalten, sagte ein Polizeisprecher in Neuss am frühen Montagmorgen. Für Köln, Aachen und Düsseldorf hatte der Deutsche Wetterdienst DWD am Sonntagabend Schneedecken jenseits der 20 Zentimetermarke gemeldet.

Für die Mittelgebirge warnte die Meteorologen vor starkem Schneefall und heftigen Schneeverwehungen. Besonders im Norden bleibe es zunächst eisig kalt, weiter Richtung Süden sei aber auch Tauwetter möglich. Neuer Schnee könne im Laufe des Vormittags besonders in Brandenburg und Sachsen zu neuen Behinderungen führen.

Unklar, wann die Räumdienste durchkommen

Die Polizeidienststellen in NRW berichteten, dass die umfangreiche Sperrung den Lkw-Verkehr in dem bevölkerungsreichsten Bundesland nahezu zum Erliegen gebracht habe. Die meisten Fahrer hätten für die Nacht Rastplätze angesteuert und harrten nun der Dinge. Nur äußerst selten hätten Kraftfahrer versucht, über Landstraßen weiterzukommen. "Die Lage ist relativ entspannt", sagte ein Sprecher in Düsseldorf.

Grund für das Fahrverbot sei vor allem der Schnee und weniger die Glätte. So berichtete die Polizei am Montagmorgen, dass etwa auf der Autobahn 2 nahe Dortmund nur noch eine Spur befahrbar war. Wann die Räumdienste für freie Fahrt sorgen könnten, sei noch nicht absehbar.

Ramsauer rät zu Schneeketten

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat Lastwagenfahrern geraten, sich im Kampf gegen die teils chaotischen Straßenverhältnisse Schneeketten zuzulegen. Die Spezialausrüstung sei in bestimmten Situationen empfehlenswert, sagte Ramsauer der "Bild"-Zeitung. Für eine Pflicht plädierte er aber nicht. Die Schneeketten seien "wenn möglich" zu benutzen - etwa bei steilen Anstiegen, die trotz Winterbereifung und genügend Profiltiefe nicht zu bewältigen seien.

Politiker von SPD und Grünen forderten eine Schneekettenpflicht für Laster. Der Auto Club Europa (ACE) warnte jedoch vor überhasteten Aktionen. Auf geräumten Straßen beispielsweise würden Schneeketten den Asphalt zerstören.

Fahrverbot auch in Luxemburg und Frankreich

Warten hieß es auch für alle Lkw-Fahrer, die mit einem Gefährt von mehr als 7,5 Tonnen nach Luxemburg oder Frankreich wollten. Nach Auskunft der Polizei Trier erließen die Behörden der Nachbarländer ein ähnliches Autobahn-Fahrverbot wie in Nordrhein-Westfalen. So wurden etwa auf der Autobahn 64 (Rheinland-Pfalz) und auf der Autobahn 8 (Saarland) die Lastwagen kurz vor der Grenze heruntergeleitet. Auch dort habe der Großteil der Fahrer Rastplätze angesteuert und sei nicht über Landstraßen weitergefahren.

Am Frankfurter Flughafen herrscht weiterhin Chaos

Angespannt blieb die Lage auch an den Flughäfen: Auf Deutschlands größtem Luftdrehkreuz Frankfurt/Main war nach einem turbulenten Wochenende nur wenig Besserung in Sicht. Mit Stand vom frühen Morgen waren von den 1325 für Montag geplanten Starts und Landungen 292 Flüge gestrichen worden - also ein gutes Fünftel. Das berichtete der Flughafenbetreiber Fraport. Am Sonntag hatten die Fluggesellschaften bis zum Abend erst knapp die Hälfte der geplanten Flüge abgewickelt.

Hoffnung gab es hingegen am Düsseldorfer Flughafen. "Es ist hier recht entspannt", sagte eine Sprecherin am Morgen. Am Sonntag hatten wegen des winterlichen Wetters noch Dutzende Verbindungen gestrichen werden müssen. Nun sei Besserung in Sicht: "Nur einzelne Flüge, die gestern nicht reingekommen waren, werden ausfallen, weil jetzt die Rotation fehlt", sagte die Sprecherin. Der Flugverkehr der beiden Berliner Flughäfen war erneut beeinträchtigt. Es gab in Tegel mehr als zehn Flugstreichungen, in Schönefeld verlief der Verkehr dagegen nahezu normal.

In Heathrow, dem weltweit größten Drehkreuz für Passagierflüge, schlug die Stimmung unter den Wartenden am Sonntagabend mehr und mehr in Frust und Wut um, nachdem die Verwaltung vor weiteren Engpässen und Annullierungen am Montag warnte. Auf dem Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulles blieben zwei der vier Rollbahnen geschlossen, Dutzende Flüge wurden gestrichen. Nach Angaben der Flughafenbehörden mussten rund 3000 Menschen die Nacht in den Terminals verbringen. Erst im Laufe des Montags sollte sich die Lage entschärfen. Auf dem Brüsseler Flughafen mussten sich rund 1500 gestrandete Passagiere mit einer weiteren Nacht auf dem Fußboden abfinden. In Norditalien dagegen besserte sich die Lage auf den Straßen und den Flughäfen nach zweitägigem Chaos deutlich.

Auch Bahn hat weiterhin Probleme

Probleme hatte erneut auch die Deutsche Bahn im Regional- und Fernverkehr. Die meisten Zug-Verspätungen lagen am Morgen allerdings unter 30 Minuten. Noch am Sonntag hatte die Bahn Reisende wegen der chaotischen Wetterzustände gebeten, die Züge wegen Überfüllung nicht zu nutzen. In Berlin traf es am Montag erneut die S-Bahn: Technische Probleme mit zugefrorenen Sandstreuanlagen führten auf allen Linien zu Verspätungen - teilweise verkehrten die Bahnen im einsetzenden Berufsverkehr mit weniger Waggons nur im 20-Minuten-Takt.


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