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Flughafen Schiphol: Reporter schmuggelt Sprengstoff-Imitat in Flugzeug

Erneute Sicherheitspanne auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol: Einem TV-Journalisten ist es gelungen, eine Flasche mit Sprengstoff-Imitat in ein Passagierflugzeug in die USA zu schmuggeln - mit einer verblüffend einfachen Methode.

Gut zwei Monate nach dem knapp vereitelten Bombenanschlag auf eine in Amsterdam gestartete US-Passagiermaschine hat ein Reporter nach eigenen Angaben auf dem Flughafen Schiphol ein Sprengstoff-Imitat in ein Flugzeug geschmuggelt und ist damit bis in die USA geflogen. Der für derartige Aktionen bekannte Fernsehjournalist Alberto Stegeman berichtete, er habe einen Liter Flüssigkeit im Handgepäck durch alle Kontrollen geschleust und sei damit von Amsterdam zum britischen Airport Heathrow und weiter bis zur US-Hauptstadt Washington geflogen.

Das Nationale Koordinierungsbüro der Niederlande für Terrorismusbekämpfung (NCTB) ordnete nach der TV-Sendung eine sofortige Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an. "Wir haben die Fernsehsendung ausgewertet und sind im Gespräch mit Vertretern des Flughafens Schiphol über Veränderungen, die nötig sind, um das Problem rasch zu lösen", sagte ein Sprecher der Behörde.

"Es ist immer noch recht einfach, eine Bombe in ein Flugzeug zu bekommen", erklärte Stegeman Sonntagabend im Recherche-Magazin "Undercover Nederland" des TV-Senders SBS6. Für seine Aktion habe er Sicherheitslücken im Bereich des Duty-Free-Verkaufs auf Schiphol ausgenutzt. Der "Trick": Ein Mitglied des Stegeman-Recherche-Teams kaufte dort eine Literflasche Alkohol, ohne den Flug, für den er sich dabei mit seiner Bordkarte ausgewiesen hatte, tatsächlich zu nehmen. Außerhalb des Airports wurde die Flasche mit einer anderen Flüssigkeit aufgefüllt, die "jederzeit auch Explosivstoff hätte sein können".

Auch Bombenbauer Abdulmutallab startete von Schiphol

Stegeman legte dann die präparierte Flasche an der Kasse des Duty-Free-Shops zum Kauf vor, wo sie von einem ahnungslosen Verkäufer ordnungsgemäß versiegelt wurde. Damit konnte Stegman - obwohl Beamte den in Holland prominenten Journalisten erkannten und seine Sachen besonders genau durchsuchten - die Sicherheitskontrolle passieren. In Teilen des Amsterdamer Airports liegen die Duty-Free-Shops zwar nach der Pass-, aber noch vor der Sicherheitskontrolle am Einsteige-Gate.

Schiphol war in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein Nigerianer dort am ersten Weihnachtstag 2009 am Körper versteckten Plastiksprengstoff in eine Maschine der US-Gesellschaft Delta/Northwest Airlines geschmuggelte und versucht hatte, die Bombe beim Landeanflug auf Detroit zu zünden. Der 23-jährige Umar Farouk Abdulmutallab war von Passagieren und Besatzungsmitgliedern überwältigt worden. Nach dem Anschlagsversuch führte Schiphol als erster Flughafen der Welt sogenannte Nacktscanner zur routinemäßigen Kontrolle von Passagieren bei Flügen in die USA ein.

Bereits im Dezember 2008 hatte Stegeman Sicherheitslücken im niederländischen Luftverkehr angeprangert. Damals war es ihm und einer Mitarbeiterin gelungen, mit auf einem einfachen Kopierer gefälschten Ausweisen der Gesellschaft KLM bis zur Sondermaschine von Königin Beatrix zu gelangen.

DPA / DPA