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Folgen von Fukushima: IAEA-Chef fordert weltweite AKW-Stresstests

440 Mal den Stresstest, bitte. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) will alle Kernkraftwerke weltweit überprüfen lassen. Doch die Betreiberländer sind sich uneinig. Selbst Japan will sich nicht für weltweit bindende Standards einsetzen.

Yukiya Amano, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, hat als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan rasche Stresstest für alle 440 Kernkraftwerke auf der Welt gefordert. "Ein 'Weiter so' ist keine Option", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano am Montag in Wien zum Auftakt eines fünftägigen Ministertreffens zu den Lehren aus Fukushima. Das Vertrauen der Menschheit in die Atomenergie sei "tief erschüttert", einige Staaten wie beispielsweise Deutschland hätten den Ausstieg beschlossen. "Atomkraft wird aber für viele Länder bedeutend bleiben", konstatierte Amano. Es müsse ein internationales Herangehen an die Frage geben, wie die Sicherheit von Atomkraftwerken gewährleistet werden könne.

Uneinigkeit bei den Mitgliedsländern

Unter den Mitgliedern der UN-Unterorganisation ist das Ausmaß der Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen umstritten. Russland möchte die IAEA-Kriterien, die bisher nur empfehlenden Charakter haben, rechtsverbindlich machen, stößt damit aber auf Widerstand. Der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, begrüßte deshalb Amanos Vorstoß. Deutschland hat als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 bekräftigt, in Italien erneuerte die Bevölkerung in einem Referendum ihr Nein zur Kernkraft.

Japan hält sich zurück und wird kritisiert

Japan will sich wegen der Meinungsverschiedenheiten unter den IAEA-Mitgliedsländern hingegen nicht für weltweit bindende AKW-Sicherheitsstandards einsetzen. Das Land wolle aber sicherstellen, dass Lehren aus der Atomkatastrophe von Fukushima gezogen würden und die Sicherheit der Anlagen im Land erhöht werde, sagte der japanische Wirtschaftsminister Banri Kaeide.

Die IAEA will bei dem Treffen in Wien auch einen Bericht zu der Atomkatastrophe in Fukushima vorlegen. Darin wird auch Japans Reaktion nach dem Unfall in Folge des Erdbebens vom 11. März kritisiert. Das Land hätte nach dem schweren Erdbeben, dem Tsunami und dem anschließenden Atomunfall auf ein von der IAEA vorgesehenes Übereinkommen für Hilfsleistungen zurückgreifen müssen, heißt es in dem am Wochenende bekanntgewordenen Bericht der Behörde. Das Übereinkommen regelt im Fall eines Atomunfalls die Zusammenarbeit zwischen der IAEA und verschiedenen Ländern hinsichtlich Hilfsmaßnahmen, Sicherheit und Kommunikation.

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters