HOME

Mädchenmangel rund um Gorleben: Radioaktivität soll Geburtenstatistik beeinflussen

Mädchenschwund durch radioaktive Strahlung? Was sich nach einer wilden Theorie anhört, versuchen Forscher hartnäckig mit Zahlen zu belegen. Die Erklärungen kommen bislang über den Status von Vermutungen nicht hinaus - noch.

Die These klingt erst einmal nach Öko-Spinnern: Die Castor-Behälter im Atomzwischenlager Gorleben sind Schuld daran, dass rund um die niedersächsische Gemeinde weniger Mädchen geboren werden. Führt radioaktive Strahlung unterhalb aller Grenzwerte aber tatsächlich zum Mädchenschwund? Kritiker bezweifeln das. Für Hagen Scherb, Mathematiker am Helmholtz-Zentrum München, ist diese Theorie inzwischen aber alles andere als lächerlich. "Dieser Effekt in der Geburtenstatistik ist knallhart", sagt er am Freitag in Berlin. "Das kann kein Zufall sein, obwohl man den Mechanismus nicht kennt."

Doch welchen anderen Grund könnte es geben, wenn die ersten Castoren 1995 anrollen - und die auffällige Mädchenlücke 40 Kilometer rund um Gorleben 1996 beginnt? Bis 2010 fehlten bereits 1000 Mädchen in der Statistik, betont Scherb.

Für die Deutsche Umwelthilfe ist das kein brandneues Thema. Doch das Rätsel um den Mädchenschwund sei trotzdem nicht gelöst, sagt Sprecher Gerd Rosenkranz. "Wir wissen auch nicht, was da los ist. Aber bei solchen Ergebnissen kann man nicht schweigen." Die Menschen in der Nähe von Atomanlagen seien besorgt. "Und deshalb hat der Staat die Pflicht zu prüfen, woran es liegt", fordert er. "Wir wollen, dass das systematischer untersucht wird als bisher."

In Gorleben waren die Zahlen am auffälligsten

Zuhören ist ein erster Schritt. Hagen Scherb, bärtiger Biomathematiker, wirkt sehr besonnen. Er ist ein Herr der Zahlen und Beweise, wilde Theorien sind nicht sein Ding. Doch die auffälligen Geburtenstatistiken im Zusammenhang mit künstlicher radioaktiver Strahlung haben ihn irgendwann nicht mehr losgelassen. Zuerst zählte Scherb die Totgeburten nach dem Reaktor-GAU von Tschernobyl (1986) in Europa. Dabei fiel Mitarbeitern auf, dass deutlich mehr Jungen starben. Scherb fragte sich, was mit den Mädchen passierte - und warf einen Blick auf die Lebendgeburten. Auch hier fehlten Mädchen. Sie wurden gar nicht erst geboren, folgerte Scherb. Aber warum?

Gemeinsam mit Kollegen hat er ersten Anfeindungen zum Trotz die Geburtenstatistiken an 32 europäischen Atomstandorten untersucht. In der Summe wiesen sie alle weniger Mädchen aus - mal war der Effekt mehr, mal weniger deutlich. Am auffälligsten aber waren die Zahlen aus Gorleben. Sie übertrafen alle Geburtenregister rund um Atomkraftwerke. Andere Ursachen als die Castoren fand Scherb für sich nicht. "In einem Castor lagern die Brennelemente eines ganzen Atomkraftwerks", sagt er. Auch unterhalb von Grenzwerten könnte die Strahlung also stärker sein als anderswo. In Stein gemeißelt ist diese Theorie für ihn nicht. "Man muss ermitteln, woran es genau liegt", sagt er. "Vielleicht kann man es abstellen, indem man die Castoren besser abschirmt."

Auf 100 Mädchen kommen 109 Jungen

Kritiker hat Scherb genug. Das niedersächsische Landesgesundheitsamt nahm die Statistiken lieber selbst unter die Lupe. Im September 2011 kam das Amt allerdings auch zu dem Ergebnis, dass sich seit der ersten Einlagerung von Castoren in Gorleben im Umland das Geschlechterverhältnis verändert hat. Vorher wurden auf 100 Mädchen rund 101 Jungen geboren - danach auf 100 Mädchen 109 Jungen. Der statistische Mittelwert liegt bundesweit bei 100 Mädchen auf 105 Jungen. Der Bericht betonte jedoch, dass damit noch kein Beweis für eine erfolgte Strahlenbelastung im Niedrig-Dosisbereich durch das Lager Gorleben gegeben sei.

Schützenhilfe für seinen Erklärungsversuch bekommt Hagen Scherb nun aus der Berliner Charité. Dort vermutet der Humangenetiker Karl Sperling, dass radioaktive Strahlung - auch unterhalb der Grenzwerte - das väterliche X-Chromosom schädigen kann. Weibliche Embryonen, die nur durch dieses Chromosom entstehen, könnten deshalb vermehrt absterben. So früh, dass eine Frau die Schwangerschaft nicht bemerke.

Die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle sei ein extrem fehleranfälliger Prozess, erläutert Sperling. "Aus 1000 befruchteten Eizellen entstehen ohnehin nur zu 30 Prozent Geburten." Selbst sehr niedrige Strahlendosen können nach seiner Hypothese diesen hochempfindlichen Zeugungsprozess negativ beeinflussen - in diesem Fall durch das Ausschalten des väterlichen X-Chromosoms in einer frühen Phase der Zellteilung. Das Y-Chromosom des Vaters sei kleiner und nicht so komplex, berichtet Sperling. Vermutlich funktioniere die Zeugung deshalb fehlerfreier - aber es entstünden eben nur Jungen.

Er sieht die Vermutung im Zusammenhang mit anderen mutmaßlichen Folgen radioaktiver Strahlung im Mutterleib. "Nach Tschernobyl hatten wir in einen deutlichen Anstieg von Trisomie 21 in Berlin", sagt Sperling. Das ist das Down-Syndrom bei Neugeborenen.

Nochmal ganz genau messen

Der Berliner Epidemiologe Christoph Zink zweifelt seit den statistischen Ergebnissen an Grenzwert-Festlegungen für Strahlung. "Für mich zeigen die biologischen Befunde, dass mit den bisherigen Rechenmodellen etwas nicht stimmen kann", sagt er. Vielleicht sei es zu einfach, wie man sich die Sache bisher vorgestellt habe. "Unterschiedliche Strahlenarten und Elemente können im Körper unterschiedlich wirken." Für Zink gibt es nur eine Lösung: "Man muss in Gorleben ganz genau messen, was da eigentlich herauskommt."

Ulrike von Leszczynski, DPA / DPA
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.