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Ein Jahr nach Verschwinden: Krude Verschwörungstheorien um Flug MH370

Vor genau einem Jahr verschwand der Flug MH370 vom Radar und wurde nie gefunden. Die mysteriöse Geschichte ruft Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Aber auch Experten finden keine plausible Lösung.

Auch ein Jahr nach dem mysteriösen Verschwinden von Flug MH370 weiß niemand, was genau mit der Maschine passiert ist. "Es ist eindeutig das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte", sagt Flugunfallermittler Malcolm Brenner in einer Dokumentation des Fernsehsenders National Geographic. Zu mysteriös für einen Unfall seien die Umstände, meinen Experten in dem Film. Ein Cockpitkenner müsse die Maschine bewusst gelenkt haben.

Dafür spricht zum einem der Stopp zweier Kommunikationssysteme gleichzeitig, der nach Ansicht der Ermittler von Menschenhand durchgeführt worden sein muss. Darüber hinaus passierte dies direkt im Übergang zwischen zwei Lufträumen und im Anschluss gab es noch zwei abrupte Kurswechsel. Nach dem Verschwinden auf dem Radar soll die Maschine noch sieben Stunden gen Süden geflogen sein, ehe sie vermutlich ins Meer stürzte.

Ermittler und Experten, Wichtigtuer und Wahrsager bieten ihre Expertise in Sachen MH370 an. Was geschah mit dem Flug der Malaysia Airlines, der am 8. März 2014 mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwand? Bei Luftfahrtunglücken geben Wrack und Blackboxen, die Stimmen im Cockpit und Daten aufzeichnen, früher oder später Aufschluss über die Ursache. Aber von MH370 gibt es nichts - außer Theorien, was passiert sein könnte. Keine davon ist wirklich überzeugend.

Theorie Terroranschlag

Als die Kursänderungen eine Woche nach dem Verschwinden enthüllt wurden, sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak: "Diese Bewegungen deuten auf absichtliches Eingreifen durch jemanden an Bord hin." Die Ermittler haben alle Passagiere und Besatzungsmitglieder unter die Lupe genommen. Niemand hatte Terror-Sympathien oder -Verbindungen, auch die beiden Iraner nicht, die mit gefälschten europäischen Pässen an Bord waren. Sie träumten vom besseren Leben in Europa. Keine Terrororganisation hat sich je zu einem Anschlag bekannt.

Theorie "Schurkenstaat"

Das behauptet der Amerikaner Christopher Green in einem auf YouTube populären Video, allerdings ohne jedwede Indizien. Ein Schurkenstaat habe die Maschine gekapert, wolle sie mit Atomwaffen ausstatten und eines Tages auf eine US-Stadt lenken. Der US-Autor Jeff Wise vermutet die Maschine dagegen in russischen Händen und spekuliert wild über abwegige Motive.

Theorie US-Komplott

Das FBI taucht immer bei Verschwörungstheorien auf: Die USA seien hinter etwas her gewesen, das an Bord war, meint der chinesische Blogger He Xin. Die US-Botschaft in Kuala Lumpur sah sich sogar genötigt zu dementieren, dass das Flugzeug auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean landete. Ex-Airline-Chef und Buchautor Marc Dugain kombiniert diese Theorien zu seiner Version: Hacker manipulierten die Bordcomputer von außen und lenkten die Maschine auf den US-Stützpunkt, vor dem das US-Militär die Maschine abschoss.

Theorie Abschuss

Das behauptet der britische Autor Nigel Cawthorne in einem Buch. Bei einer damals stattfindenden thailändisch-amerikanischen Militärübung im Südchinesischen Meer sei scharfe Munition verwendet worden. Die Geschichte vom stundenlangen Flug in Richtung Süden sei erfunden worden, um sicherzustellen, dass das Wrack an falscher Stelle gesucht und nie gefunden wird. Seriöse Experten zweifeln nicht an den Angaben der Satellitenfirma Inmarsat, die Stunden nach dem Verschwinden Daten von der Maschine auffing.

Theorie Technischer Defekt

An Bord war zwar eine Ladung mit gut 200 Kilogramm hoch brennbaren Batterien. Ein Brand hätte womöglich die beiden Kommunikationssysteme zerstören können - aber die Piloten hätten zuvor im Cockpit Alarm gehört und über Funk eine Notsituation gemeldet, sagen Piloten. Hätten toxische Dämpfe oder ein Druckabfall Passagiere und Crew bewusstlos gemacht, hätte die Maschine nach dem letzten Radarkontakt nicht zwei abrupte Kursänderungen nehmen können.

Theorie Piloten-Selbstmord

Das halten mehrere erfahrene Unfallermittler für die wahrscheinlichste Variante. Sie äußern sich in einer Dokumentation des Senders National Geographic: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Warum würde aber jemand auf Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen?

  • Die Kollegen von der "Neuen Zürcher Zeitung" haben die Ereignisse rund um das Verschwinden des Fluges MH370 beleuchtet und in einer Multimedia-Reportage optisch aufbereitet.
fin mit Material von DPA