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NS-Kriegsverbrechen: Demjanjuks Sohn greift deutsche Justiz an

Die Auslieferung seines Vaters nach Deutschland ist vorerst gestoppt, nun geht der Sohn des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk in die Offensive. Seiner Ansicht nach riskieren die deutschen Strafverfolger wissentlich das Leben seines Vaters.

Der Sohn des früheren KZ-Wächters John Demjanjuk hat schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden erhoben. Deutschland betreibe die Abschiebung des 89-Jährigen aus den USA in voller Kenntnis der Möglichkeit, dass der Flug für seinen Vater tödlich enden könnte, sagte der 42-jährige John Demjanjuk junior der "Süddeutschen Zeitung". Sein Vater sei "nicht nur nicht fit", er würde wahrscheinlich schon den Flug nach Deutschland nicht überleben.

"Wir haben Informationen, dass die Behörden längst wissen, dass mein Vater prozessunfähig ist", sagte Demjanjuk junior der "SZ". "Wir haben alle Informationen rübergeschickt, Gutachten von vier Fachärzten, inklusive der Blutwerte."

Ein US-Berufungsgericht hatte am Dienstag den einstweiligen Stopp des Auslieferungsverfahrens angeordnet, während Demjanjuk bereits von Beamten der US-Einwanderungsbehörde zum Flughafen gebracht wurde. In Cleveland sagte der Sohn am Mittwoch, sein Vater sei nach dem Abschiebeversuch erschöpft und leide unter Schmerzen.

Demjanjuk wird Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen zur Last gelegt. Er soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften des NS-Vernichtungslagers Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gehört haben. Demjanjuk muss sich in München vor Gericht verantworten, da er vor seiner Auswanderung in die USA in der Nähe der bayerischen Landeshauptstadt lebte.

AFP/AP / AP