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ORKAN »JEANETT«: Schweres Unwetter fordert zahlreiche Todesopfer

Mit Windgeschwindigkeiten bis zu Windstärke 12 zog das Sturmtief »Jeanett« über Deutschland hinweg. Zehlreiche Menschen kamen dabei ums Leben.

Beim ersten schweren Herbststurm dieses Jahres sind in Deutschland mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Bei Windgeschwindigkeiten bis zur Windstärke 12 zog Sturmtief »Jeanett« bis zum Morgen über den Osten Deutschlands hinweg. Europaweit kamen mindestens 25 Menschen ums Leben. Der Sturm hat bereits am Sonntag im Westen erhebliche Schäden verursachte und zog in der Nacht Richtung Osten ab. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia muss am Vormittag von der Ostsee bis zum Erzgebirge aber noch mit schweren Sturm- und Orkanböen gerechnet werden. Erst am Nachmittag flaue der Wind ab.

Besonders schwer traf es am Sonntag Nordrhein-Westfalen, wo allein fünf Menschen bei sturmbedingten Unfällen starben. Auch in Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein und Brandenburg gab es Todesopfer. In Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz kamen ebenfalls insgesamt 13 Menschen durch das Orkantief ums Leben.

Tief »Jeanett« erreichte zum Teil Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern. Dabei wurden ganze Landstriche verwüstet: Bäume und Strommasten krachten um, Gebäude wurden beschädigt, Dächer abgedeckt. Starke Regenfälle überfluteten Straßen und Keller. Wegen Lebensgefahr wurden die Menschen aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Der Flug- und Bahnverkehr brach vielerorts zusammen. Zehntausende Bahnreisende saßen noch in der Nacht teilweise stundenlang in blockierten Zügen fest, Straßen und Autobahnen waren gesperrt. Auch am Montagmorgen hatten die Einsatzkräfte noch keine Übersicht über die Schäden. Vielfach waren noch Straßen und Bahnverbindungen blockiert.

Schwere Stürme in ganz Europa

Die stärksten Böen wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Samstag auf der 2964 Meter hohen Zugspitze gemessen. Dort jagte der Sturm mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde über Deutschlands höchsten Berg. In Würzburg rissen in der Nacht zum Samstag heftige Böen die Turmspitze der barocken Neumünster Kirche weg. Die Trümmer bohrten sich in das Kirchendach. In Österreich kam ein 83-jähriger Mann und seine 69 Jahre alte Frau ums Leben, als sie bei einem Spaziergang von einem umstürzenden Baum getroffen wurden.

Schwere Stürme haben am Sonntag auch im Westen Großbritanniens zu Verkehrsbehinderungen und Schäden geführt. Wie Meteorologen berichteten, erreichten die Stürme Geschwindigkeiten von 130 Kilometern in der Stunde. Die Tendenz wurde am Sonntagmittag als »zunehmend« beschrieben. In Wales, Schottland und England stürzten zahlreiche Bäume um, Häuser wurden abgedeckt und Fährverbindungen gestrichen. In vielen Teilen des Landes brach die Stromversorgung wegen umgestürzter Masten zusammen.

Ein spanischer Fischer wurde im Atlantik per Hubschrauber von seinem Schiff geborgen. Im Hafen von Portsmouth wurde eine Fregatte vom Wind gegen eine Fähre gedrückt. Nach Angaben der Behörden entstand kein wesentlicher Schaden. Auch in Belgien warnte das Innenministerium die Bevölkerung vor dem Sturm. Zahlreiche Parkanlagen und Straßentunnel wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Stürmisches Herbstwetter am Montag - Dienstag freundlicher

Das stürmische Herbstwetter hält Deutschland auch am Montag fest im Griff. Am Dienstag wird es aber vorübergehend etwas freundlicher. In Ostdeutschland wird der Orkan noch am Montagmorgen mit einer Geschwindigkeit bis zu 160 Stundenkilometern stürmen. Im übrigen Deutschland sieht es etwas besser aus. Der heftige Wind beruhigt sich dort in den frühen Morgenstunden allmählich, trotzdem bleibt es mit einer Windstärke von 9 immer noch sehr stürmisch. »Der Wind lässt im Laufe des Tages aber nach, bis zum Abend wird es in ganz Deutschland nur noch schwach wehen«, sagte die Meteorologin Marilott Grosch vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Sonntag.

Der heftige Wind brachte auch kühlere Temperaturen ins Land. Das Quecksilber steigt am Montag auf Werte zwischen 7 und 13 Grad, der Himmel ist grau. Der einzige Trost des DWD für den Montag: Es wird zumindest nicht ständig regnen.

Vom schlechten Wetter können sich die Menschen in Deutschland am Dienstag kurz erholen. Es ist zwar zeitweise sehr bewölkt, aber es bleibt trocken. Laut der Meteorologin des DWD sind sogar »sonnige Augenblicke« möglich. Doch damit ist es am Mittwoch vorbei. Vom Atlantik naht ein neues Tief, und das bringt viel Regen mit sich. An den Temperaturen ändert sich nichts.