HOME

Pädophilen-Banden in England: "Man hätte die Mädchen ertränken sollen" – wie die Polizei einen Missbrauchsskandal vertuschte

Dutzende von Männern missbrauchten jahrelang Mädchen aus der Unterschicht. Die Ermittlungen wurden unterdrückt. Die ehemalige Polizistin Maggie Oliver beschreibt nun, wie menschenverachtend ihre Vorgesetzten über die missbrauchten Mädchen gedacht haben.

Die BBC Serie "Three Girls" brachte das Behördenversagen ins breite Bewusstsein.

Die BBC Serie "Three Girls" brachte das Behördenversagen ins breite Bewusstsein.

PR

In Rotherham und Rochdale ereignete sich der größte Missbrauchsskandal in Großbritannien. Mehrere Gruppen von Männern missbrauchten jahrelang unzählige Kinder und Teenies.

Dann gab es den ungeheuren Verdacht: Die Behörden wussten davon und deckten die Täter. Der Grund klingt absurd. Die Behörden wollten Rassenspannungen vermeiden, denn die Täter waren pakistanischen Ursprungs, die Opfer allesamt weiß. Weil sie aus Unterschichtsfamilien stammten, hatten sie keine Lobby und das Schicksal der "White Trash"-Mädchen kümmerte niemand - weder die Stadtverwaltung, noch die Polizei.

Kampf einer Frau

Außer eine Frau: Maggie Oliver versuchte, den Fall aufzuklären und die Mädchen zu schützen. Vergeblich. Sie wurde behindert und aus dem Dienst gedrängt. Nun ist die zornige Abrechnung der Polizistin als Buch erschienen. Maggie Oliver kann nicht loslassen, denn der Skandal geht immer weiter. An dem Missbrauch waren Hunderte beteiligt, die meisten unbescholtene Familienväter. Einige wurden zu vergleichsweise geringen Strafen verurteilt, die meisten gingen straffrei aus."

Oliver schreibt, dass sie die beiden Schwestern, die im Zentrum des Verfahrens standen, quasi adoptiert habe. Amber und Ruby – die Namen sind geändert - seien inzwischen erwachsen, schreibt Oliver, aber nach wie vor werden sie von ihren Peinigern gequält. Eine der Täter lauert Amber und ihrer Tochter auf. Er beobachtet das kleine Mädchen auf dem Spielplatz, dann grinst er die Mutter an und verschwindet. Er weiß, dass ihm nichts passieren wird.

Kein Interesse an einem Skandal

Oliver weiß auch, wer schuld an der Lage ist. Sie sagt: "Als ehemalige Polizistin, die im Zentrum der Sexbandenuntersuchung stand - und als Informantin, die die schrecklichen Fehler aufdeckte - glaube ich, dass ich die Antwort kenne. Es ist Politik." Ihren Beruf als Familienverbindungsoffizierin bei der Greater Manchester Police empfand sie als Traumjob, bis sie den schweren sexuellen Missbrauch randständiger weißer Kinder durch Männer asiatischer Herkunft untersuchen sollte. Sie musste feststellen, dass es jahrelang Untersuchungen gegen diese Bande gegeben hatte, die aber zu keiner einzigen Anklage geführt hatten. Der Staat hatte die Kinder zu Tätern gemacht. Dass sie missbraucht wurden, läge eben an ihrer "Lifestyle-Entscheidung" Prostituierte werden zu wollen, so die Staatsanwaltschaft.

Schon Jahre zuvor hatte Oliver an einer ähnlichen Operation teilgenommen, die zu keinem Verfahren führt. Damals gab es komplette Listen missbrauchter Kinder aber keine Aktionen der Polizei. Die Vorgehensweise war immer gleich. Die Opfer waren weiße Mädchen, ungefähr elf Jahre alt und meist aus dem Pflegeheim. Erst wurden sie von jungen Männern angesprochen, die ihre "Freunde wurden. Die gaben sie dann an ältere Männer für den Sex weiter, ihnen wurde mit Schlägen gedroht und es gab auch ein bisschen Geld. Oliver berichtet von Sexpartys, auf denen 20 Männer über ein kleines Mädchen herfielen.

Die Mädchen wurden verachtet

Die Täter schienen sakrosankt. Als eines der Opfer einen der Männer wiedererkannte, ließ Oliver sein Kennzeichen überprüfen. Innerhalb von fünf Minuten wurde sie wegen dieser Anfrage von einem Vorgesetzten angerufen, der Mann war Polizist. Wegen einer Erkrankung verließ Oliver die Einheit, die Untersuchungen wurden kurz darauf eingestellt. "Durch die Einstellung der Operation konnte die Polizei Vorwürfe der Islamophobie und die Gefahr von Unruhen auf den Straßen vermeiden," behauptet Oliver. Sie glaubt, dass es für die Regierung bequemer gewesen sei, die Not der Mädchen aus der "Unterschicht" zu ignorieren, als die Verbrechen ihrer Täter anzugehen.

Doch in Rochdale werde es keine Einstellung geben, das wurde ihr von ihrem Superintendenten versprochen. Es dauerte Wochen, bis Oliver das Vertrauen der Mädchen und ihrer Mutter gewann. Sie wusste, dass die Mutter wegen des Missbrauchs Hilfe bei Polizei, den Sozialdiensten, und den Schulen gesucht hatte. Nichts war geschehen. Als die Mutter bereit war, auszusagen, wurde die 15-jährige Amber verhaftet und in eine Zelle gesperrt. Eine Polizei-Aktion, die die junge Frau noch heute verfolgt. Weil gegen sie – das Opfer – in einer Sexualstrafsache ermittelt wurde, habe man das Mädchen aus der Hilfsstation für junge Mütter und ihrem College Kurs geworfen, so Oliver.

Nach dem Schock der Verhaftung wollte Amber nicht mehr reden, doch Oliver ließ nicht locker. Schließlich nannten die Mädchen die Namen von 33 Verdächtigen. Amber sagte auch aus, dass ein Mann sie mit einer Waffe bedroht habe, weil sie keinen Sex wollte. "Das machte ihn wütend, also sagte er mir, er würde mich töten, mich erschießen. Ich hatte wirklich Angst. Die jüngere Ruby berichtete, wie sie ein Mann in ein Haus brachte. "Da saßen zehn Männer im Kreis. Sie gaben mich wie einen Ball herum und wechselten sich ab, um mit mir Sex zu haben." Bezahlt wurde in einem Geldkasten für "ehrliche" Kunden.

Keine Freude über Ergebnisse

Oliver hatte einen wasserdichten Fall zusammen. Sie hatte einen DNA-Beweis, detaillierte Aussagen und acht identifizierte Täter. Doch als sie damit zu ihren Vorgesetzten ging, merkte sie, dass etwas nicht stimmte. Niemand beglückwünschte sie. "Sie hätten ekstatisch sein sollen. Stattdessen fühlte sich die Situation an, als wäre jemand gestorben." Dann kam der Schock ihres Lebens als Polizistin. Ein leitender Beamter wandte sich an sie und sagte: "Maggie, seien wir ehrlich. Was werden diese Kinder jemals zur Gesellschaft beitragen? Ich meine, man hätte die Mädchen alle nach der Geburt ertränken sollen."

Rache der Behörden

Und genauso wurde die Untersuchung geführt. Oliver wurde von dem Fall abgezogen. Amber wurde nicht als Zeugin aufgerufen. Um ihre Aussagen dennoch verwenden zu können, wurde Amber als Täter gelistet. Anstatt mehrerer Dutzend Täter wurden 2012 acht Männer verurteilt. Maggie Oliver ließ sich nicht zum Schweigen bringen, sie arbeitete an dem "BBC"-Dokudrama "Three Girls" mit, das 2017 ausgestrahlt wurde. Damals waren nur noch zwei Täter in Haft.

Die Behörden haben die Demütigung durch die viel beachtete Serie der "BBC" nicht vergessen. Als Amber ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte, wollte das Sozialamt sofort verhindern, dass sie das Kind mit nach Hause nehmen konnte. Unterlagen, die bewiesen, dass das Baby gefährdet war, gab es nicht. Seitdem wird Amber von Mitarbeitern des Amtes verfolgt.

Doch als ihr Haus auf Facebook im Zusammenhang mit der Serie markiert wurde, suchte sie Hilfe bei der Polizei. Wenig überraschend wollte man für sie gar nichts tun. Amber war überhaupt nicht mehr als Opfer registriert, sie wurde zur Sex-Täterin gemacht.

Quelle: "Survivors: One Brave Detective’s Battle To Expose The Rochdale Child Abuse Scandal"

Lesen Sie auch:

Paar folterte Au-pair zu Tode - sie glaubten, das Mädchen wäre verhext

Mobbing und Nacktfotos – Erwachsene geschockt, als sie wieder zur Schule gingen

Verzweiflungsgedicht eines Schulmädchens "Ihre Grausamkeit schneidet mein Ich hinweg"

Über diese Dinge spricht man in der Familie nicht