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Europol bittet um Unterstützung: Erkennen Sie irgendetwas wieder? So können Sie beim Kampf gegen Kindesmissbrauch helfen

Fast ein ganzer Kontinent bleibt wegen des Coronavirus zuhause. Europol will diesen Umstand für Unterstützung im Kampf gegen Kindesmissbrauch nutzen: Jede und jeder kann vom Küchentisch oder dem Sofa aus helfen, Kinder zu schützen.

Europol

Mit dem Projekt "Stop Child Abuse – Trace an Object" will Europol Internetnutzer im Kampf gegen Kindesmissbrauch mit ins Boot holen. Jetzt hat die europäische Polizeibehörde neue Fotos veröffentlicht. Können Sie Fragen zu den Bildern beantworten? Klicken Sie sich durch die Aufnahmen. (Für Hinweise hier auf das betreffende Foto klicken, dann öffnet sich ein Kontaktformular.)

Die Verbrechensrate in Deutschland sinkt. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die das Bundesinnenministerium an diesem Dienstag veröffentlicht hat. Ein Bereich sticht dennoch besonders negativ hervor: Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften. Laut den Zeitungen der "Funke-Mediengruppe" (u.a. "Berliner Morgenpost") spricht das Bundeskriminalamt hier von einer "bedenklichen Entwicklung" – im vergangenen Jahr hat es fast 65 Prozent mehr Fälle in diesem Bereich gegeben (12.262). Die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern stieg binnen Jahresfrist um rund elf Prozent auf 13.670. Die Missbrauchsfälle von Lügde und Bergisch Gladbach sind dabei die nur prominentesten Beispiele.

Europol kämpft gegen Kindesmissbrauch

Hinter jedem Bild, hinter jedem Videoclip, in dem sexuelle Misshandlung von Kindern zu sehen ist, steckt unvorstellbares Leid. Millionenfach werden diese Aufnahmen ins Internet geladen, getauscht, verkauft, angeschaut – ein weltweites Problem, das schon lange die europäische Polizeibehörde auf den Plan gerufen hat.

In Homeoffice-Zeiten des Coronavirus bitten die Ermittler nun erneut die Bevölkerung um Mithilfe beim Kampf gegen Kindesmissbrauch. "Etwas Zeit übrig, während Sie von zuhause arbeiten?", fragt Europol. "Dann können Sie das Leben eines Kindes verändern, indem Sie sich diese Objekte ansehen. Sie stammen alle aus dem Hintergrund von Missbrauchsdarstellungen."

20 Bilder hat die Polizeibehörde dazu veröffentlicht. Sie zeigen Gegenstände, die in Fällen von Kindesmissbrauch eine Rolle gespielt haben, zum Beispiel Kleidungsstücke der Opfer. Die Hoffnung der Europol-Beamten: Dass irgendjemand aus der riesigen Menge der Internetnutzer Angaben zu den Gegenständen oder zu der Umgebung machen kann. Wo wurde dieses T-Shirt verkauft? Wo befindet sich jener Balkon? Wo hängt ein solcher Kalender an der Wand? 

Wer Hinweise zu den Aufnahmen geben kann, kann sich direkt – auch anonym – an die europäische Polizeibehörde mit Sitz in Den Haag  (hier auf das betreffende Foto klicken, dann öffnet sich ein Kontaktformularoder an jede andere Polizeidienststelle wenden, von wo aus sie an die zuständigen Ermittler in den jeweiligen Ländern weitergeleitet werden. "Die kleinsten Hinweise können manchmal helfen, einen Fall zu lösen", so Europol. "Je mehr Menschen die Bilder zu Gesicht bekommen, desto mehr kann letztendlich dazu beigetragen werden, Kinder zu schützen."

In den vergangenen Jahren sind durch das Projekt " "Stop Child Abuse – Trace an Object" (Kindessmissbrauch stoppen – Objekt aufspüren) bereits zehntausende Tipps bei den Ermittlern eingegangen und führten zu Festnahmen oder neuen Ermittlungsansätzen. Auch wurden laut Europol mehrere Opfer identifiziert und konnten so in Sicherheit vor weiteren Taten gebracht werden.

Die derzeit veröffentlichten Bilder stellen nur einen Bruchteil des Archivs von Europol dar. Dort lagert noch die schier unfassbare Menge von mehr als 40 Millionen weiterer Aufnahmen, die im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch entstanden sind. Es ist ein fast aussichtsloser Kampf, dennoch: "Wenn wir nur einem Kind helfen konnten, ist es schon ein Erfolg für uns. Jedes Kind mehr ist großartig", sagte ein Beamter im vergangenen Jahr der britischen BBC.

Nutzen Sie die Zeit zuhause und klicken Sie sich oben durch die Europol-Bilder. Wie es einem Finnen von seinem Schreibtisch aus gelang, Europol wichtige Hinweise zu einem Missbrauchsfall in China zu geben, lesen Sie hier im stern.

+++ Lesen Sie hier die Reportage: "Die furchtbaren Bilder, das Leid der Opfer, die Ausreden der Täter – Menschen im Kampf gegen Kinderporno" +++ 

Quellen: BundeskriminalamtEuropolBBC, "Berliner Morgenpost"

wue