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Unwetter in Deutschland: Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller

Dauerregen hält in vielen Teilen Deutschlands die Rettungskräfte in Atem: Der Pegel der Donau steigt, die Rhein-Schifffahrt ist eingestellt. In Südniedersachsen entspannt sich hingegen die Lage.

Akute Hochwassergefahr bedroht viele Städte im Süden und Osten Deutschlands. Dauerregen zum meteorologischen Sommeranfang hat größere und kleinere Flüsse anschwellen lassen. Tief "Frederik" bringt vor allem dem Süden Deutschlands reichlich Regen. Viele Wetterstationen dort haben innerhalb von 24 Stunden mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags für des gesamten Monat Mai erreicht.

Starker Regen und Überflutungen verursachten viele Unfälle. Bundesstraßen und mehrere Autobahn-Abschnitte wurden gesperrt. Auf der Autobahn 8 bei

Pforzheim

trat die Enz über die Ufer und überschwemmte einen Teil der Fahrbahn. Bei Karlsruhe waren die Autobahn 5 und die Bundesstraße 10 nach Erdrutschen blockiert.

In

Sachsen

werden vor allem an der Mulde und der Weißen Elster bis zum Sonntag steigende Wasserstände und die höchste Alarmstufe vier erwartet. Die Kleinstadt

Grimma

war teilweise schon überflutet. Die Mulde war dort in der Nacht zum Samstag über die Ufer getreten. Die Einsatzkräfte in Grimma erwarten, dass die Mulde dort in der Nacht zum Sonntag bis auf sechs Meter ansteigt und die höchste Alarmstufe vier ausgerufen werden muss.

Extreme Niederschläge verschärften auch in

Bayern

die Lage. Der Pegelstand der Donau in

Passau

ist laut Polizeiangaben nach dem Dauerregen auf gut 7,60 Meter angestiegen. Der Höchststand wurde in der Nacht zu Sonntag erwartet. Normalerweise liegt der Pegel bei rund 4,50 Meter. Erst am Montag werde die Lage in Bayern einigermaßen ausgestanden sein, sagte Dirk Mewes vom Deutschen Wetterdienst. Bis dahin werden sich die Niederschläge vom Frankenwald bis ins Alpenvorland weiter ausbreiten.

In

Thüringen

stieg die Zahl der Pegel, an denen die höchste Alarmstufe galt, bis Samstagmittag von sieben auf elf Stationen an. Im südlichen

Sachsen-Anhalt

steigen die Wasserstände an Saale, Weißer Elster und Mulde. Die Deiche hielten, doch drohten weitere schwere Regenfälle bis zu 80 Liter pro Quadratmeter. In

Sachsen

rüsteten sich viele Kommunen wegen der steigenden Wasserstände für den Hochwasser-Ernstfall.

Wie sich die Lage am Neckar entwickelt, war ungewiss.

Heidelberg

meldete Hochwasser, die Altstadt sei aber derzeit nicht in Gefahr. In der Nacht war der Pegel des Neckar stark angestiegen. Die Hochwasserlage in Südniedersachsen hat sich in der Nacht zum Samstag weiter entspannt.

Schifffahrt auf dem Rhein eingestellt

Ein Rheinzufluss drohte, die südhessische Kleinstadt Biblis zu überschwemmen. Die ganze Nacht stockten Feuerwehrleute einen Damm auf, um das zu verhindern.

Die

Rhein-Schifffahrt

ist auf der rund 30 Kilometer langen Strecke zwischen der Schweizer Kleinstadt Rheinfelden und der Schleuse Kembs eingestellt worden. Wie die Schweizer Rheinhäfen am Samstag mitteilten, stieg der Pegel des Flusses bei

Basel

wegen andauernder Regenfälle auf mehr als 8,30 Meter.

Wegen Hochwassergefahr wurde auch ein Abschnitt der

Aare

für die Schifffahrt gesperrt. Betroffen ist die Strecke zwischen Solothurn und Biel. Der Wetterdienst MeteoSchweiz warnte vor starkem Dauerregen entlang der Alpen auf der Alpennordseite.

Der meteorologische Frühling endete am Freitag in vielen Regionen mit überfluteten Straßen umgestürzten Bäumen und vollgelaufenen Kellern. Der Dauerregen verursachte in Teilen Bayerns Überschwemmungen. Die Schifffahrt auf dem Main ist wegen der hohen Pegelstände nur noch eingeschränkt möglich. In Würzburg wurde sie dem Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt zufolge eingestellt. Vereinzelt standen Straßen unter Wasser. Die Hochwasserwelle verlagerte sich weiter flussabwärts. Am Oberen Main und der Fränkischen Saale wurden verschiedene Warnstufen erreicht.

Glück hatte ein junger Mann in

Mittelfranken

, der eine wegen Hochwassers gesperrte Straße bei Gutenstetten befahren wollte. Sein Auto wurde von der Strömung an eine Böschung gespült und drohte zu kippen. Der 22-Jährige rettete sich auf das Autodach. Mit einem Radlader gelang es Hilfskräften, den Mann zu befreien.

In

Baden-Württemberg

ist ein 46-jähriger Bauarbeiter in einem Hochwassergebiet verschollen. Die Polizei nimmt an, dass der Mann am Freitag in Bad Urach in die Fluten eines Nebenflusses der Erms stürzte, sagte ein Sprecher. Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten die ganze Nacht erfolglos nach dem Vermissten gesucht. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Auch in

Brandenburg

sind viele Flüsse über die Ufer getreten. Vor allem im Süden an der Schwarzen Elster sei die Tendenz steigend, sagte ein Sprecher des Landesumweltamtes in Cottbus. Meteorologen sagten für Samstag und die Nacht auf Sonntag bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter in Brandenburg voraus.

Auch Feldarbeit ist schwierig: Der Dauerregen hat nach Angaben der agrarmeteorologischen Forschungsstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 40 Prozent der Äcker unbefahrbar gemacht.

Rekordnässe: Ernteausfälle drohen

Der DWD in München warnt für diesen Samstag vor extremen Regenfällen in Südbayern. Von Lindau am Bodensee bis zum Berchtesgadener Land müsse in vielen Kreisen bis Sonntag mit Dauerregen und bis zu 120 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gerechnet werden. Straßen könnten überflutet werden - auch Erdrutsche seien möglich, teilte der DWD mit. Der Mai brachte nach einem extrem kalten März und einem durchwachsenden April mancherorts rekordverdächtige Regenmengen.

In einem breiten Streifen von den Küsten im Norden bis zu den Alpen - das war der Weg der Regenwolken in den vergangenen Wochen - seien die Böden so nass wie seit 50 Jahren nicht mehr. "Wenn es nächste Woche nicht besser wird, drohen enorme Schäden", sagte der DWD-Agrarmeteorologe Franz-Josef Löpmeier in Braunschweig. "Ideal wären 14 Tage schönes Wetter." Auf manchen niedersächsischen Spargelfeldern schauten kaum noch die Dämme aus dem Wasser. Große Schäden drohten bei den Kartoffeln, bei denen die Ernte der frühen Sorten anstehe.

lea/dho/DPA/AFP / DPA