Reality-TV-Show
Vergewaltigungsvorwürfe bei UK-Version von „Hochzeit auf den ersten Blick“

Hochzeit auf den ersten Blick
Bei der Sendung „Hochzeit auf den ersten Blick“ werden Kandidaten „blind verheiratet“ – rechtlich sind diese Ehen nicht bindend (Symbolbild)
© Westend61 / Imago Images

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Zwei Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen die Drehpartner der britischen Version von „Hochzeit auf den ersten Blick“. Die Produktion will dem nachgehen. 

Die Reality-TV-Sendung „Hochzeit auf den ersten Blick“ ist so simpel wie unterhaltsam. Kandidaten werden gecastet und müssen bei ihrem ersten Treffen entscheiden, ob sie den jeweils anderen heiraten. Anschließend werden ihre Flitterwochen und das Zusammenleben dokumentiert. Doch in Großbritannien werden nun schwere Vorwürfe laut: Zwei Kandidatinnen erklärten anonym, dass sie von ihren Drehpartnern vergewaltigt worden seien, eine dritte Frau gab an, Opfer einer sexuellen Handlung ohne Zustimmung geworden zu sein. Das hatte zuerst BBC Panorama veröffentlicht. 

Die mutmaßlichen Opfer werfen der Produktion von „Married at First Sight UK“ vor, wie die Sendung in Großbritannien heißt, ihre Kandidatinnen nicht genug vor sexuellen Übergriffen zu schützen. 

Britische Version von „Hochzeit auf den ersten Blick“: Sender löscht betroffene Folgen

Laut BBC Panorama habe der Sender der Show, Channel 4, bereits vor der Ausstrahlung der Folgen mit den mutmaßlichen Betroffenen von den Vorwürfen gewusst. Dennoch seien die Episoden bis vor Kurzem auf allen Plattformen verfügbar gewesen. Am Montag reagierte der Sender schließlich und gab an, die entsprechenden Passagen aus den Mediatheken und von Social Media gelöscht zu haben. 

Wie der britische „Guardian“ berichtet, habe Channel 4 mitgeteilt, dass dem Sender bereits im April „schwerwiegende Vorwürfe“ gegen eine kleine Anzahl ehemaliger Teilnehmer vorgelegt worden seien, die von diesen jedoch zurückgewiesen worden seien.

Channel 4 will „unverzüglich angemessene Maßnahmen ergriffen“ haben

Allerdings betonte man, dass „unverzüglich angemessene Maßnahmen ergriffen“ worden seien, „sobald Bedenken hinsichtlich des Wohlergehens der Teilnehmer“ vorgebracht worden seien. „Channel 4 weist jegliche gegenteiligen Behauptungen entschieden zurück“, so der Sender weiter. 

Die Produktionsfirma CPL, die die Show für Channel 4 produziert, erklärte über ihre Anwälte gegenüber der BBC, dass ihre sogenannten „welfare protocols“ für Teilnehmer „Goldstandard“ seien und dass sie in all diesen Fällen angemessen gehandelt habe. Welfare protocols sind Leitfäden zum standardisierten Umgang mit Vorwürfen von Missverhalten, also etwa bei sexuellen Übergriffen oder Gewaltanwendungen.

Laut dem BBC-Bericht erklärte eine Frau, ihr TV-„Ehemann“ habe sie vergewaltigt und ihr mit einem Säureangriff gedroht. Sie behauptete, der Sex mit ihm sei bald gewaltvoll gewesen, und sie habe „immer wieder ‚Hör auf‘ gesagt“. Sie habe zunächst zu viel Angst gehabt, jemandem von den mutmaßlichen Vorfällen zu erzählen. „Er sagte, wenn ich jemandem erzählen würde, was passiert ist, würde er jemanden beauftragen, Säure auf mich zu schütten.“ Der Beschuldigte ließ die Vorwürfe über seinen Anwalt bestreiten. 

Produktionsfirma: Mutmaßliches Opfer soll zuvor von „einvernehmlichem Sex“ berichtet haben

Die Anwälte der Produktionsfirma CPL erklärten, die Frau habe dem Unternehmen nicht berichtet, dass ihr Partner ein „Nein“ nicht akzeptiert habe und dass die Bemerkung über das Überschütten von Säure als beiläufige Bemerkung und nicht als Drohung gemeldet worden sei. CPL hätte sofort gehandelt, wenn sich die Frau unsicher gefühlt hätte, so die Anwälte weiter.

Eine zweite Frau behauptete, sie habe sowohl Channel 4 als auch CPL vor der Ausstrahlung darüber informiert, dass sie von ihrem TV-„Ehemann“ vergewaltigt worden sei, doch ihre Folgen seien trotzdem ausgestrahlt worden. CPL ließ seine Anwälte erklären, das Unternehmen habe die welfare protocols befolgt und die Bedenken ernst genommen. Die Kandidatin habe vor den Vergewaltigungsvorwürfen mitgeteilt, alle sexuellen Handlungen seien vollständig einvernehmlich gewesen. Eine dritte Frau beschuldigte ihren TV-„Ehemann“ des sexuellen Fehlverhaltens.

Channel 4 erklärte, die Sendung werde nach den „umfassendsten und strengsten Schutzrichtlinien der Branche“ produziert. Unter anderem gebe es gründliche Hintergrundüberprüfungen, einen Verhaltenskodex, tägliche Rücksprachen mit den Mitwirkenden und ein spezielles Schutzteam.

Senderchefin: „Channel 4 hat schnell, angemessen und einfühlsam“ gehandelt

Priya Dogra, die Geschäftsführerin von Channel 4, erklärte im vergangenen Monat, eine externe Überprüfung sei in Auftrag gegeben worden. Dabei soll untersucht werden, wie mit etwaigen Beschwerden umgegangen wurde und ob die welfare protocols aktualisiert werden sollten.

„Ich möchte den Mitwirkenden, die nach ihrer Teilnahme an ‚Married at First Sight UK‘ sichtlich unter Stress standen, mein Mitgefühl aussprechen“, so Dogra. „Das Wohlergehen unserer Mitwirkenden hat stets oberste Priorität.“

„Was die Vorwürfe betrifft, Channel 4 habe seine Fürsorgepflicht verletzt, bin ich der Ansicht, dass Channel 4, als Bedenken hinsichtlich des Wohlergehens der Teilnehmer geäußert wurden, auf der Grundlage der damals verfügbaren Informationen schnell, angemessen und einfühlsam gehandelt hat, wobei das Wohlergehen im Mittelpunkt stand“, sagte Dogra.

pgo

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