Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
nach 69 Verhandlungstagen ist im Prozess gegen die mutmaßliche ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette das Urteil gefallen. Das Landgericht Verden entschied auf 13 Jahre Freiheitsstrafe wegen besonders schweren Raubs in sechs Fällen und Waffendelikten. Die lange im Untergrund lebende 67-Jährige soll mit ihren Komplizen zwischen 1999 und 2016 Geldtransporter und Kassenbüros von großen Supermärkten überfallen haben. Klettes Anwälte haben bereits Revision eingelegt.
Es war ein alles andere als gewöhnlicher Prozess, der da mehr als ein Jahr lang in Niedersachsen geführt wurde. Nicht nur wegen der spektakulären Vorgeschichte der Angeklagten: Klette wird verdächtigt, als Mitglied der Roten Armee Fraktion an zahlreichen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Nach der Selbstauflösung der RAF hatte sie viele Jahre lang unter falschem Namen gelebt und soll ihr Leben durch Raubüberfälle finanziert haben. Nein, der Prozess fiel vor allem durch die Unterstützer der mutmaßlichen Ex-Terroristin und ihr eigenes Verhalten auf. Reue gab es nicht, Gewalt wurde als legitimes Mittel verharmlost.
Der Fall Daniela Klette: Wenn linke Gewalt verklärt wird
Mit Buhrufen begleiteten rund 50 Zuschauer die Urteilsverkündung. Wie schon an anderen Verhandlungstagen gab es „Freiheit für Daniela“-Rufe. Auf ihre Unterstützer konnte sich Klette verlassen. Wenn die Angeklagte in den Gerichtssaal geführt wurde, wurde sie regelmäßig mit Standing Ovations begrüßt. Die ihr vorgeworfenen Taten hielten die Klette-Fans offenbar nicht für problematisch. Auch in den sozialen Medien solidarisieren sich Nutzer mit der mutmaßlichen Ex-Terroristin.
Klette selbst gab im Prozess eine ausschweifende Erklärung ab, die mit den ihr vorgeworfenen Taten nur wenig zu tun hatte – und mit Reue oder Reflexion schon gar nicht. Stattdessen ging es um Imperialismus, Kapitalismus und Klassenkampf. „Es geht darum, Verhältnisse zu schaffen, in denen keine Notwendigkeit besteht, sich durch Raub den Lebensunterhalt zu sichern“, beschrieb sie ihre Motivation im typischen RAF-Duktus. Das Verfahren betrachten sie und ihre Anwälte als politisch motiviert.
Man darf sich schon darüber wundern, wie im Fall Klette linke Gewalt verharmlost, gar romantisiert wird. Die Klassenkämpferin, die im Widerstand gegen das System zu allen Mitteln greifen darf. Die Losung „Gewalt gegen Sachen“ wandelte sich bei der RAF in den berühmten Satz von Ulrike Meinhof: „Und natürlich kann geschossen werden.“ Um Klettes mutmaßliche Mitgliedschaft in der letzten Generation der RAF ging es vor dem Landgericht Verden nicht, in dieser Sache könnte sie noch ein zweiter Prozess erwarten.
Doch schon in Verden entlarvte sich die Doppelmoral von Klette und ihren Anhängern. Bei einem Überfall auf einen Geldtransporter wurde unter anderem ein Fahrer schwer traumatisiert, er kann bis heute nicht mehr arbeiten. Ein klassisches Mitglied der Arbeiterklasse, für die Klette doch eigentlich zu kämpfen meint. In ihrem Schlussplädoyer rang sie sich immerhin zu der Formulierung durch, der Mann tue ihr „sehr leid“. Um dann gleich anzuprangern, dass die Angestellten durch ihre Arbeitgeber nicht ausreichend auf solche Situationen vorbereitet würden. Eine klassische Täter-Opfer-Umkehr.
Die Wut auf die Verhältnisse, die Klette und ihre Fans umtreibt, mag man noch im Grundsatz verstehen können. Gewalt kann aber kein legitimes Mittel dagegen sein – egal von welcher Seite.
Steven Spielberg glaubt an Außerirdische
Star-Regisseur Steven Spielberg wird im Dezember 80 Jahre alt. Drehschluss ist für ihn aber noch lange nicht: In zwei Wochen kommt sein neuer Film „Disclosure Day“ in den USA in die Kinos. Darin geht es – mal wieder, muss man bei Spielberg sagen – um die Entdeckung von Aliens.
Grund genug für meinen Kollegen Matthias Schmidt, Spielberg mal selbst nach seiner Einstellung zu Außerirdischen zu fragen. Und der Regisseur macht im stern-Interview keinen Hehl daraus: „Ich habe schon mein ganzes Leben lang das Gefühl, dass wir begleitet werden“, sagt er.
5-Minuten-Talk: Wirft Klingbeil den Rasenmäher an?
Der Koalition fehlen Milliarden, um Löcher im Etat zu stopfen und eine Steuerreform zu finanzieren. Eine Idee ist die sogenannte Rasenmäher-Methode: also alle Subventionen und Steuervergünstigungen einmal pauschal zu kürzen.
Unions-Fraktionschef Jens Spahn hatte den Vorschlag zuerst ins Gespräch gebracht und eine Kürzung von fünf Prozent genannt. Auch Finanzminister Lars Klingbeil ist offen dafür. Was dafür spricht – und was dagegen.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Donnerstag, dem 28. Mai 2026
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- Im Zivilverfahren im Fall Luise fällt voraussichtlich das Urteil. Die Eltern und die Schwester des 2023 getöteten Mädchens klagen gegen eine damals Zwölf- und 13-Jährige, die die Tat gestanden haben. Es geht vor allem um Schmerzensgeld.
- Am Abend wird „Germany's Next Top-Model“ gekürt. Pro Sieben überträgt das Finale der 21. Staffel ab 20.15 Uhr.
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Unsere Autorin und ihr Mann wollten ein Jahr lang unterwegs sein und ihre Kinder selbst „vor Ort“ unterrichten. Aber was ist mit der Schulpflicht?
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