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Warnstreik: Lufthansa fliegt kaum noch

Das Lufthansa-Bodenpersonal macht ernst: Seit dem frühen Morgen geht bei Deutschlands größter Fluglinie fast nichts mehr. Wegen des Streiks werden von den sonst üblichen 1720 Abflügen nur 32 starten.

Der angekündigte Warnstreik bei der Lufthansa legt seit dem frühen Morgen den Flugbetrieb der Airline fast völlig lahm. Am Morgen blieben zahlreiche Maschinen von Deutschlands größter Fluggesellschaft in ihren Parkpositionen stehen. "Mit Schichtbeginn hat der Warnstreik an sämtlichen großen deutschen Flughäfen begonnen", sagte Verdi-Sprecherin Martina Sönnichsen. In Frankfurt, dem größten Flughafen in Deutschland, hätten 2000 Lufthansa-Angestellte die Arbeit niedergelegt, ergänzte Gerold Schaub, Sprecher von Verdi Hessen. "Der Streik läuft seit heute morgen um 5 Uhr bis zur Schließung des Flughafens in der Nacht." Bereits gegen 4 Uhr hatte das Lufthansa-Bodenpersonal in Stuttgart die Arbeit niedergelegt.

Bundesweit wird an diesem Montag laut Ankündigung kaum ein Lufthansa-Flugzeug abheben. Von insgesamt 1720 geplanten Abflügen in Deutschland werden nur 32 starten, hieß es am Morgen. So sollen von den über 1.650 Kurzstreckenverbindungen gemäß dem Sonderflugplan lediglich etwa 20 stattfinden. Besonders betroffen sind die Deutschland- und Europa-Verbindungen. Flüge von Germanwings sind nicht vom Streik betroffen. Die Lufthansa hat auf ihrer Homepage eine Liste der Flüge veröffentlicht, die gestrichen wurden. Informationen über den Status der Flüge gibt es auch unter der Telefon-Nummer 0800/8506070.

Bahn ist auf einen Ansturm vorbereitet

Es ist bereits die zweite Welle von Arbeitsniederlegungen an Flughäfen. Am 21. März waren bei einem kürzeren Warnstreik bundesweit 700 Flüge ausgefallen. Ein Lufthansa-Sprecher sagte, die Fluggesellschaft rechne nicht mit einem großen Ansturm. "Viele Kunden werden erst gar nicht kommen", sagte er. Lufthansa gehe davon aus, dass sich viele Passagiere im Vorfeld der Warnstreiks informiert und um alternative Reisemöglichkeiten bemüht hätten.

Dagegen bereitet sich die Bahn auf einen Ansturm an den Gleisen vor, weil Lufthansa-Passagiere, die Flüge gebucht haben, kostenlos mit dem Zug fahren können. Die Bahn hatte angekündigt, zusätzliche Züge und mehr Personal einsetzen.

Verdi fordert im Tarifkonflikt mit Lufthansa 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Jobgarantien für rund 33.000 Techniker und Serviceleute. Lufthansa hatte die Forderungen mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. Über einen Zeitraum von 29 Monaten kämen einzelne Berufsgruppe auf eine Steigerung von mehr als drei Prozent, hatte Personalvorstand Lauer vorgerechnet. Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen abhängig.

Mit dem Ausstand verschärft Verdi nochmals die Gangart im Tarifstreit. Die Airline hatte am Mittwoch erstmals ein Angebot vorgelegt, das Verdi aber als nicht verhandlungsfähig ablehnt. Die nächsten Verhandlungstermine sind für den 29./30. April sowie für den 2./3. Juni angesetzt.

dho/kmi/anb/DPA/Reuters / DPA / Reuters