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Proteste für George Floyd Zehntausende demonstrieren gegen Rassismus – Gewaltausschreitungen in Hamburg und Berlin

Deutschland: Anti-Rassismus-Demos
Unter Einsatz von zwei Wasserwerfern drängen Einsatzkräfte der Polizei Teilnehmer einer aufgelösten Demonstration in Hamburg zurück
© Christian Charisius / DPA
Der brutale Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA bewegt auch Deutschland. Tausende Menschen gehen auf die Straße. Nicht in allen Städten blieb es bei den Protesten friedlich.

Zehntausende Menschen in Deutschland haben am Samstag gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Allein am Berliner Alexanderplatz waren es nach Polizeiangaben rund 15.000 Teilnehmer, die Veranstalter hatten mit 1500 Teilnehmern gerechnet. In München gingen etwa 25.000 Demonstranten auf die Straße. Auslöser war der Tod des Schwarzen George Floyd in den USA bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai. Kritik gab es am Samstag, weil mancherorts der wegen der Corona-Pandemie geltende Mindestabstand nicht eingehalten wurde.

Viele der Demonstranten auf dem Alexanderplatz waren dunkel gekleidet. Bei einer Schweigeminute setzten sich die Teilnehmer, darunter viele Jugendliche, auf den Boden. Sie dauerte genau 8 Minuten und 46 Sekunden. So lange hatte ein Polizist Floyd am 25. Mai sein Knie in den Nacken gedrückt, bis dieser sein Bewusstsein verlor und kurz darauf starb. 

Im Anschluss an die friedliche Demo kam es laut Berliner Polizei dann jedoch zu einem Gewaltausbruch zwischen dem Bahnhof Alexanderplatz und dem Berolinahaus. Polizisten und Passanten seien aus einer größeren Gruppe heraus mit Steinen und Flaschen beworfen worden, nachdem ein Mann wegen Sachbeschädigung eines Einsatzfahrzeuges festgenommen worden war. Auch ein Pressefotograf sei verletzt worden. Im weiteren Verlauf seien 93 Menschen festgenommen und 28 Polizeibeamte leicht verletzt worden. Drei von Ihnen hätten nach ambulanter Behandlung vom Dienst abtreten müssen, teilte die Polizei in der Nacht zum Sonntag mit.

25.000 Demonstranten in München

Auch in Hamburg, Frankfurt am Main, Mannheim und Stuttgart gingen am Samstag Tausende auf die Straße. Im Internet waren Aufrufe zu "Silent Demos" ("Stille Demos") veröffentlicht worden. "Nein zu Rassismus" und "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen"), hieß es dort. Die Demonstranten sollten in schwarzer Kleidung zu erscheinen. Man wolle während der Demonstration still und schweigend an den Tod Floyds erinnern. 

In München waren immer wieder Rufe "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen") zu hören. Ein Polizeisprecher sagte: "Wir haben permanent Durchsagen gemacht, um auf die Einhaltung der Abstandsregeln hinzuweisen, die gerade anfangs oft nicht eingehalten wurden." Das Versammlungsgelände sei schließlich erweitert worden, um mehr Platz zu schaffen. Aus den angemeldeten 200 Menschen waren nach Polizeiangaben 25.000 Demonstranten geworden. 

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich auf Twitter kritisch: "Ich teile den Anlass des Protests voll und ganz. Aber trotzdem sind die Abstände zu klein." Die Gefahr der Corona-Pandemie sei nicht gebannt. Rassismus müsse bekämpft werden, aber ohne vermeidbare Corona-Tote.

Hamburg: Polizei räumt Platz mit Wasserwerfern

In Hamburg sprach die Polizei von insgesamt 14.000 Teilnehmern bei zwei fast zeitgleichen Kundgebungen am Jungfernstieg und am Rathausmarkt - erlaubt waren wegen der Coronamaßnahmen zusammen nur gut 800. Die Hamburger Polizei hatte bereits vor den Demonstrationen ihre Solidarität erklärt. "Wir sind an eurer Seite!", twitterte sie vor Beginn der Kundgebungen. "Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wir arbeiten täglich dafür, dass sich alle Menschen in Hamburg sicher fühlen können." 

Im Anschluss an die friedlichen Proteste kam es dann auch in Hansestadt zu Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe Demonstranten und der Polizei. Aus der Gruppe heraus sei Pyrotechnik gezündet worden, sagte eine Sprecherin. Zwei Beamte wurden laut Polizei verletzt. Zunächst war von drei Verletzten die Rede gewesen - in einem Fall habe sich aber herausgestellt, dass es sich um Kreislaufprobleme handelte, hieß es auf Nachfrage. Einige Vermummte hätten Banner entrollt mit der Aufschrift "Bullenschweine" und "ACAB", was für "All cops are bastards" ("Alle Polizisten sind Bastarde") steht. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um den Platz zu räumen.

mod DPA

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