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Deutscher Nationalspieler unter Opfern Eishockey-Team wird Opfer von Flugzeugabsturz


Flugzeug-Trümmer und viele Tote, darunter ein Deutscher: In Russland sterben beim Absturz eines Flugzeugs mehr als 40 Menschen. Eine komplette Eishockey-Mannschaft wurde Opfer des Unglücks. Darunter war auch der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich. Er spielte erst seit wenigen Monaten bei dem Team.

Aus den Wrackteilen der abgestürzten Jak-42 in der Wolga ziehen Rettungshelfer die Leichen der Eishockeyspieler vom russischen Erstligisten Lokomotive Jaroslawl. Einsatzkräfte berichten in lokalen Medien der Großstadt, wie sie mehr als 40 Opfer aus den Trümmern bergen. Die Spieler und ihre Begleiter waren bei sonnigem Wetter gerade von Jaroslawl gestartet - zum Auswärtsspiel in Minsk. Doch dann stürzt die Maschine ab, zerschellt am Boden und auf dem Wasser eines Flusses. Das Unglück überschattet am Absturzort den Auftakt eines großen internationalen Forums, auf dem Kremlchef Dmitri Medwedew der Welt ein modernes Russland präsentieren will.

Bei dieser nie dagewesenen Tragödie im russischen Sport sterben elf Ausländer, wie das Zivilschutzministerium am Mittwoch mitteilt. Unter den Toten ist auch der 26 Jahre alte deutsche Nationalspieler Robert Dietrich, der neu in dem Kader war. Er war im Juni von den Adlern Mannheim in die russische Profiliga KHL gewechselt. Sein Tod wird am Abend offiziell bestätigt. Mit schwersten Verletzungen haben nach Behördenangaben von den 45 Insassen nur ein russischer Spieler sowie ein Crew-Mitglied überlebt.

Maschine zerschellte kurz nach dem Start

Die Maschine vom Typ Jak-42 habe vermutlich eine Antenne gestreift, hieß es. Als Absturzursache kämen ein technischer Defekt und menschliches Versagen in Frage, sagte ein Flughafenmitarbeiter zu Interfax. Das Flugzeug sei um 15.50 Uhr Ortszeit (13.50 MESZ) vom Radar verschwunden, hieß es. Teile stürzten in die Wolga.

Die Mannschaft von Lokomotive war auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel in der weißrussischen Hauptstadt Minsk, als die Unglücksmaschine kurz nach dem Start zerschellte. Die Internetseite von Lokomotive war nach dem Unglück nicht zu erreichen. Fans legten Blumen am Vereinsheim nieder.

Fluglizenz für Maschine wäre bald abgelaufen

Die Trümmer nur wenige Kilometer von der 500.000-Einwohner-Stadt entfernt sind für viele Menschen in dem Riesenreich eine neue Erinnerung daran, dass bei Flugreisen dort immer die Angst mitreist. Erst im Juni starben in Petrosawodsk bei St. Petersburg 47 Menschen. Nach jedem Unglück versprechen Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin aufs Neue technische Überprüfungen der oft noch aus sowjetischen Zeiten stammenden Maschinen.

Immer wieder sind veraltete Technik und Verstöße gegen einfachste Sicherheitsvorkehrungen die Gründe für Unglücke. Doch Hinterbliebene beklagen oft, dass Verantwortliche in den seltensten Fällen zur Verantwortung gezogen werden.

Bei der Jak-42 handelte es sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Interfax um eine seit 1993 genutzte Maschine der Leasing-Gesellschaft "Jak Service". Die Fluglizenz dieser Maschine, die für Promiflüge mit maximal 73 Passagieren ausgelegt war, wäre in wenigen Wochen - am 1. Oktober - abgelaufen, hieß es. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen die Firma ein.

Kremlchef Medwedew will sich an diesem Donnerstag selbst ein Bild von der Absturzstelle machen, bevor er über das neue Russland spricht. Es ist für ihn der wichtigste politische Termin des Jahres. Die russische Elite will sich vor internationalen Gästen auch mit Blick auf die Parlamentswahlen im Dezember und vor der Abstimmung über einen neuen Präsidenten im März 2012 präsentieren. Doch der Absturz einer ganzen Eishockey-Mannschaft in dem Land, wo 2014 Olympische Winterspiele geplant sind, wirft einen langen Schatten auf dieses Forum zur Zukunft Russlands.

Ulf Mauder, DPA DPA

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