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Flugzeugkatastrophe in Ägypten: Was wir über den Airbus-Absturz wissen und was nicht

Die Ursachen für den Absturz der russischen Passagiermaschine liegen auch fünf Tage nach der Katastrophe im Dunkeln. Vieles deutet auf einen Terroranschlag hin. Doch bewiesen ist nichts. Das sind die Fakten und Spekulationen.

Der Ferienflieger könnte Ziel eines Anschlags geworden sein - das zumindest glaubt die britische Regierung.

Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs: Der Ferienflieger könnte Ziel eines Anschlags
geworden sein - das zumindest glaubt die britische Regierung.

Fünf Tage nach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine über der Sinai-Halbinsel wird über die Ursachen immer noch gerätselt. US-Geheimdienste halten eine Bombenexplosion an Bord des Airbus 321 für wahrscheinlich. Auch Großbritannien geht zunehmend davon aus, dass die Extremistenmiliz Islamischer Staat für den Absturz verantwortlich ist. Russland wertet dies als Spekulation und fordert Beweise. Ägypten erklärt, die Untersuchung des Flugzeugwracks habe bislang keine Anzeichen für eine Explosion im Airbus A321 ergeben. Doch bewiesen ist nichts. Fragen und Antworten zum schwersten Unglück in der russischen Luftfahrtgeschichte:

Was wissen wir über den Absturz mit Sicherheit?

Am 31. Oktober startete der Airbus 321 am Flughafen des Badeorts Scharm el Scheich seinen Flug. Um 5.51 Ortszeiten hob die Maschine mit dem Ziel Sankt Peterburg ab. Um 6.12 befand sich das Flugzeug auf einer Höhe von 10210 Metern. Die Geschwindigkeit lag bei 748 Kilometern pro Stunde. Um 6.13 begann ein rasanter Sturzflug. Das Flugzeug stürzte mit einer Geschwindigkeit von fast 8000 Metern pro Minute zu Boden. 23 Minuten nach dem Start verschwand der Airbus von den Radarschirmen. 

Wenige Stunden später entdeckten ägyptische Suchtruppen Leichen der Passagiere und Wrackteile des Flugzeugs. Die Trümmer sind auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern verstreut. Der Stimmenrekorder und der Flugdatenschreiber konnten geborgen werden.

Welche Absturzursachen gelten als möglich?

Eine Explosion an Bord des Flugzeugs gilt als die wahrscheinlichste Absturzursache. Allerdings steht bislang nicht fest, was die Quelle dieser Explosion gewesen ist. Sowohl ein Technik-Versagen als auch ein Sprengsatz kommen in Frage. Aufzeichnungen eines US-Satelliten deuten darauf hin, dass es noch in der Luft zu einer Explosion gekommen ist. Im Moment des Absturzes wurde ein Hitzeblitz registriert. Auch die Verletzungen der Passagiere zeugen von einer Explosion. Die gefundenen Leichenteile weisen Verbrennungen von über 90 Prozent auf. Außerdem wurden Verletzungen festgestellt, die auf eine starke Druckwelle zurückgeführt werden können.

Was spricht für ein Bomben-Attentat?

Unmittelbar nach dem Absturz bekannte sich der IS-Ableger auf dem Sinai zu einem Attentat. Der IS hat nach dem Beginn der Intervention der russischen Luftwaffe in den syrischen Bürgerkrieg am 30. September zum Krieg gegen Russland aufgerufen. Wenige Tage nach Absturz bekannte sich die Terrororganisation erneut zu einem Attentat. 

US-Geheimdienste wollen außerdem über abgefangene Informationen verfügen, die ebenfalls auf einen Terroranschlag deuten würden. Nehme man sie zusammen mit dem IS-Bekenntnis, ergebe sich eine signifikante Wahrscheinlichkeit, dass die Extremisten-Organisation das Flugzeug zum Absturz gebracht hat, sagte der britische Außenminister Philip Hammond. Europäische und US-Sicherheitsexperten stützen diese These. Mehrere internationale Linien setzten ihren Flugverkehr in den Badeort Scharm el Scheich aus, darunter auch die Lufthansa mit zwei Töchtern. 

Nach Informationen des CNN gehen US-Geheimdienste zudem davon aus, dass der IS einen Helfer am Flughafen von Scharm el Scheich haben könnte. Dies würde erklären, warum der IS-Ableger, der mehrmals erklärt hat, für den Absturz verantwortlich zu sein, bislang keine Beweise für seine Behauptung geliefert hat. Die Terrorgruppe könnte sich zurückhalten, um den Maulwurf nicht auffliegen zu lassen. 

Was spricht für ein Versagen der Technik?

Die russische Fluggesellschaft Kogalymavia schloss einen technischen Defekt aus. Kein Systemversagen könne dazu führen, dass ein Flugzeug in der Luft zerbricht. Experten widersprechen allerdings. Wie die russische Zeitung "Kommersant" berichtet, könnte der rasante Höhenverlust, der vor dem Auftreffen der Maschine auf dem Boden registriert worden ist, auf Schäden im Heck des Flugzeugs zurückzuführen sein. "Bei einem Abbrechen des Hecks würde der Airbus sofort in einen Sturzflug übergehen", zitiert die Zeitung einen Testpiloten. "Das gleiche würde passieren, wenn bei einem Auseinanderbrechen der Flugzeugwände die Stromverbindung zum Heck unterbrochen wird." Dort befänden sich Elemente, die zur Höhenregulierung notwendig sind. Werde die Stromverbindung gekappt und rastete das Ruder im Modus des Sturzflugs ein, könne es zu solch einem Unglück kommen, so der Testpilot. 

Kann man Absturzursachen ausschließen?

Eine Abschuss der Maschine mit einer Rakete wird von Experten als sehr unwahrscheinlich angesehen. Vertreter des US-Verteidigungsministerium erklärten etwa: "Es gibt keine Beweise, dass eine Rakete, welcher Art auch immer, den Absturz verursachte". Der private Geheimdienst Stratfor, eine Art Schatten-CIA schloss einen Abschuss ebenfalls aus: "Obwohl es militanten Kräften in dieser Gegend bereits gelungen ist, mit einer Ein-Mann-Boden-Luft-Rakete einen ägyptischen Hubschrauber abzuschießen und sie auch Raketen auf israelische Flugzeuge abgefeuert haben, befand sich Flug 9268 außerhalb der Reichweite dieser Waffen", heißt es in einem Bericht. 

Ägyptische und russische Behörden schließen die Version eines Abschusses ebenfalls aus. Sie weisen darauf hin, dass der IS auf der Sinai-Halbinsel nicht über die entsprechenden Waffen verfüge. Auch Experten schließen aus, dass das Flugzeug von außen getroffen wurde.