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Flutkatastrophe in Pakistan: Seuchen, Wut und Hilflosigkeit

Schon 1500 Menschen sind Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan geworden, nun drohen weitere Tote durch die Cholera. Es gibt bereits erste Fälle der Seuche im Katastrophengebiet. Unterdessen bricht sich die Wut der Opfer Bahn. Sie fühlen sich allein gelassen.

Unter den Flutopfern in Pakistan wächst der Ärger über die langsame Hilfe der Regierung. Hunderte aufgebrachte Pakistaner demonstrierten am Mittwoch in der Stadt Nowshera in einer der am stärksten von den Fluten betroffenen Gegenden. Sie forderten in Sprechchören eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln und dringend benötigten Medikamenten.

Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen leiden inzwischen mehr als 3,2 Millionen Menschen unter den heftigsten Überflutungen seit rund 80 Jahren. Rund 1500 Menschen sind bislang gestorben. Durch den Ausbruch der Cholera drohen nun weitere Todesopfer. Es seien schon etliche Fälle registriert worden, sagte der Leiter des Büros des Roten Kreuzes in Islamabad, Dirk Kamm. Während das Hochwasser im Nordwesten des Landes allmählich zurückgeht, wurden am Mittwoch Hunderte Dörfer in der weiter südlich gelegenen Provinz Punjab überschwemmt.

"Kein Herz für sein eigenes Volk"

Im von der Flut stark betroffenen Nowshera blockierte die aufgewühlte Menge eine Straße und warf mit Steinen auf vorbeifahrende Autos. "Wir sitzen hier mit leeren Händen und haben weder Geld noch etwas zu essen", rief eines der Flutopfer. "Unsere Kinder sterben in den Krankenhäusern, weil keine Medikamente da sind, nicht mal Impfstoff gegen die Cholera."

Ob die gefürchtete Seuche die Ursache vieler Durchfall-Erscheinungen ist, sei noch nicht abschließend geklärt, sagte der Rot-Kreuz-Sprecher. Schnelle medizinische Hilfe sei dringend nötig. Nach Beobachtungen der Hilfsorganisationen ist die Gesundheitsversorgung in einigen Gegenden völlig zusammengebrochen.

Präsident Asif Ali Zardari wird in der Heimat von Opfern und der Opposition heftig kritisiert, weil er trotz der schlimmen Flutkatastrophe Staatsbesuche in Frankreich und Großbritannien absolvierte. "Was ist er nur für ein Mensch? Er hat kein Herz für sein eigenes Volk", sagte Demonstrant Abdullah Jaan in Nowshehra. Vor allem ein zweistündiger Abstecher Zardaris in einem Palais seiner Familie in der Normandie erregte die Gemüter.

Fluten breiten sich gen Süden aus

Die Überflutungen breiten sich derweil von der Nordwestprovinz Khyber-Pakhtunkhwa weiter gen Süden aus - und fließen im 3200 Kilometer langen Indus zusammen. Dieser bedroht nun zunehmend die Äcker und Orte in den Provinzen Punjab und Sindh. Dort wurden die Gebiete entlang des Flusses evakuiert - rund 200.000 Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht; 54.000 Soldaten sind Armeeangaben zufolge in diesen Regionen im Einsatz. Nach Angaben des Chefs der regionalen Katastrophenhilfe, könnten die Fluten hier bis zu eine Million Pakistaner treffen.

Die pakistanische Regierung und die Hilfsorganisationen versuchen weiter, sauberes Wasser, Lebensmittel und Medikamente in die betroffenen Gebiete zu bringen. Die Verkehrswege sind weitgehend zerstört. Vor allem eine größere Region im Swat-Tal im Nordwesten des Landes ist von jeder Hilfe abgeschnitten. Andere werden nun wieder erreicht, weil einige Straßen wieder passierbar sind.

Deutsche und US-Hilfe ist unterwegs

Dennoch versuchen die pakistanischen Behörden, mit 47 Armeehubschraubern und 450 Booten Tausenden Menschen zu helfen, die immer noch unter freiem Himmel leben. Premierminister Yousuf Raza Gilani sagte, dass die Regierung eine Dreifachstrategie verfolge: Evakuierungen, Lebensmittel- und medizinische Hilfe sowie Wiederherstellung von Infrastruktur. Von Großbritannien würden sich die Behörden Faltbrücken und Helikopter beschaffen, um die Rettungsaktionen zu verbessern, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur APP.

Die USA haben angekündigt, sechs Hubschrauber für Transporte zu schicken. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) schätzt, dass rund 1,8 Millionen Menschen in den kommenden sechs Monaten auf Hilfen aus dem Ausland angewiesen sein werden. Deutsche Hilfe ist auch unterwegs. So machte sich am Mittwoch ein Konvoi von Care aus elf Lastwagen mit Zelten, Tüchern, Moskitonetzen, Plastikmatten sowie Küchenutensilien und Hygieneartikeln in Pakistan auf dem Weg in die überflutete Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Care, das DRK und andere Organisationen helfen zudem mit mobilen Kliniken.

dho/DPA/APN / DPA